Mehr Schwerter, mehr Magie

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BUCH

Mehr Schwerter, mehr Magie: Büchertipps aus der Sword-and-Sorcery-Fantasy


Was man in Sachen Sword-and-Sorcery-Fantasy liest, nachdem man die Genre-Klassiker von Robert E. Howard („Conan“), Fritz Leiber („Fafhrd und der Graue Mausling“), Michael Moorcock („Elric“), Karl Edward Wagner („Kane“) und David Gemmell („Drenai-Saga“) mindestens einmal durchgearbeitet hat? Hier sind fünf Empfehlungen mit reichlich Schwertkämpfen, massig Zauberei und ohne Ende Heldentum, auf deren Seiten sowohl Tradition als auch Innovation geboten werden – und ein Kontrastprogramm zwischen dem Witcher, Warhammer und Michael Chabon.

Dichter Dauerbrenner – Vlad Taltos von Steven Brust

Steven Brusts exquisit geschriebene Romane über den Bandenchef, Auftragskiller, Flüchtigen und Antihelden Vlad Taltos und seinen frechen Flugechsen-Sidekick, die im magischen Reich der langlebigen Dragaeraner agieren, bieten mehr als bloß Fantasy. Sie sind eine facettenreiche Mischung aus Schwert-und-Magie-Fantasy, Mantel-und-Degen-Abenteuer und Noir-Krimi, ergänzt um allerhand philosophische Gedanken zum Leben, der Liebe und dem ganzen Rest, abgeschmeckt mit gutem Essen, exotischer Musik und großartigen Dialogen. Zwischendurch gibt es sogar mal einen Military-Fantasy-Roman, eine Coming-of-Age-Story, einen Polit-Krimi oder einen Wirtschafts-Thriller im Bankenmilieu. Hier und da schießt Brust mit seinen verwinkelten Plots, die Dutzende Haken schlagen, schon mal übers Ziel hinaus, macht das jedoch stets durch viel Dichte und überragende Charakterisierungen wett. Seit 1983 stechen Steven Brust und Vlad Taltos deshalb konstant aus dem Genre-Einheitsbrei heraus – und sind der Konkurrenz noch immer um Längen voraus. Auf Deutsch erschienen leider nur die ersten sechs Romane bei Klett-Cotta, im Original kommt diesen Herbst Band fünfzehn der Serie, deren Chronologie so speziell und besonders ist wie alles andere an ihr. Wenn man nur eine Fantasy-Serie auf Englisch liest (oder weiterliest), dann unbedingt diese.

 

Europäisches Epos: The Witcher –Der Hexer von Andrzej Sapkowski

Die „Witcher“-Games gehören seit Jahren zu den gefeierten Hits und Verkaufsschlagern im Videospiele-Bereich. Die Bücher, auf denen sie basieren, gehören ebenfalls zur Oberklasse der Fantasy. Mit seinem grandiosen, ja perfekten Schwert-und-Magie-Fantasy-Roman „Zeit des Sturms“ kehrte der polnische Autor Andrzej Sapkowski vor nicht allzu langer Zeit sogar noch einmal in die Welt seines Hexers und Monsterjägers Geralt von Riva zurück. Fünfzehn Jahre hatte Sapkowski nichts Neues mehr über seinen weißhaarigen Protagonisten zu Papier gebracht, der hierzulande erst im zweiten Anlauf ein Erfolg geworden war. Der jüngste Episodenroman, von Erik Simon wie immer herrlich kantig und sprachgewaltig übersetzt, spielt zwischen den einleitenden Kurzgeschichtenbänden „Der letzte Wunsch“ und „Das Schwert der Vorsehung“ (und damit ebenso vor dem epischen fünfbändigen Roman-Zyklus) und gestaltet sich als Schaulaufen all dessen, was die Hexer-Bücher so gigantisch und lesenswert macht. Harte Kämpfe, eine Kulisse zwischen rauem Mittelalter und Märchen, superbe Dialoge, ein paar nette Anachronismen, hübsche Zauberinnen, Ungeheuer, Freundschaft, Liebe, Sex, Verrat, Politik – alles dabei und alles meisterhaft inszeniert. Und mal ehrlich: Wie könnte man ein spürbar europäisches Fantasy-Buch zwischen bester internationaler Genre-Tradition und absoluter charakteristischer Eigenständigkeit nicht lieben, das vor den Kapiteln Leonard Cohen und Shakespeare auf Augenhöhe zitiert? Sapkowskis „Zeit des Sturms“ sollte selbst für bisherige Nichtleser und für Witcher-Daddler funktionieren, macht zumindest mit den beiden Kurzgeschichten-Bänden im Rücken aber noch viel mehr Freude.

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Söldner in Serie – Die Chroniken des Raben von James Barclay

Innerhalb seiner Serie über den Raben-Söldnerbund hat der britische Autor James Barclay einige starke Bücher vorgelegt. Darin überzeugen nicht allein die geradezu cineastisch anmutenden Actionszenen und epischen Belagerungen mit erfahrenen Kriegern, Elfen, Kampfmagiern und Drachen aus anderen Dimensionen, sondern auch die ungekünstelte Interaktion zwischen den Söldnern, die gemeinsam viel erlebt haben und einander besser kennen, als manchmal gut für sie und ihre internen Konflikte und Überlegungen ist. Hinzu kommt, dass Barclay auf eine glasklare moderne Sprache und ein paar Elemente setzt, die in ‚typischen Fantasy-Welten‘ eher selten zu finden sind – das Kaffeekochen und Zigarettenrauchen unterwegs erzeugt eine ganz eigene Lagerfeueratmosphäre um die sympathischen Raben-Mitglieder. Hierzulande kamen die beiden Trilogien „Die Chroniken des Raben“ und „Die Legenden des Raben“ aufgeteilt in jeweils sechs Büchern heraus. Der zehn Jahre nach dem Finale angesiedelte Nachklatsch „Ravensoul“ wurde leider nicht mehr auf Deutsch veröffentlicht, und für die vorherigen Bände muss man inzwischen das Antiquariat bemühen.

 

Furiose Franchise-Fantasy – Gotrek & Felix von William King

Im Universum des Tabletop-Game-Evergreens Warhammer wimmelt es nur so vor Schwertern und Magie, und das gilt auch für viele der offiziellen Romane zum düsteren Fantasy-Franchise, das sich bei Robert E. Howard ebenso bedient wie bei J. R. R. Tolkien oder dem europäischen Mittelalter, wenn es um das Setting geht. Die besten Warhammer-Romane stammen aus der Feder des im Schottland geborenen, seit Langem im Prag lebenden Autors Bill King und drehen sich um den Zwergen-Krieger Gotrek Gurnisson und seinen menschlichen Gefährten und Chronisten Felix Jaegar. Der muskelbepackte Irokesen-Träger Gotrek gehört dem zwergischen Slayer-Kult an und stürzt sich auf der Suche nach einem ruhmreichen Ende jedem Gegner entgegen: den als Skaven bekannten Rattenmenschen, Drachen, Vampiren, Zauberer, Chaos-Krieger, Dämonen – je größter und gefährlicher der Gegner, desto größer der Ruhm im Sterben. Die Abenteuer von Gotrek und Felix in der finsteren Warhammer-Welt sind nicht unbedingt feingeistig oder künstlerisch wertvoll, aber immer packend und in der Summe richtig gute und sogar stimmungsvolle rustikale Fantasy-Kost. Es ist ein bisschen wie mit Conan: Das will nie hohe Literatur sein, ist aber dennoch mit großer Ernsthaftigkeit kraftvoll umgesetzt. Trotz Verlagswechsel und Sammelband-Reprints muss man leider schon wieder Apothekerpreise für die deutschen Bände zahlen. King hat übrigens nur die ersten sieben Bücher über das Duo geschrieben, danach ging’s bergab.

 

Historisch anspruchsvoll – Schurken der Landstraße von Michael Chabon

Eigentlich hat Pulitzerpreisträger Michael Chabon („Die unglaublichen Abenteuer von Kavalier und Clay“) mit „Schurken der Landstraße“ ein richtig tolles Sword-and-Sorcery-Fantasy-Buch geschrieben: Michael Moorcock gewidmet, liest sich Chabons Geschichte über die beiden schurkischen Glücksritter Zelikman – einen fränkischen Juden – und Amram – einen afrikanischen Hünen – so, als habe Genre-Altmeister Fritz Leiber seine berühmtesten Nichthelden in eine der historischen Geschichten von Robert E. Howard gepackt. Doch selbst wenn sich Chabon wieder einmal als beneidenswert guter, geradezu fantastischer Autor präsentiert – Fantasy ist sein schmaler Roman nicht, trotz all der exotisch klingenden Namen, der seltsamen Sitten, der unvermeidlichen Schwertkämpfe und des übergeordneten Rache-Themas. In seinem wohlrecherchierten Roman, der 2007 zunächst als Fortsetzungsgeschichte im „New York Times Magazine“ abgedruckt wurde, gibt Chabon viel mehr das tatsächliche Leben in der Kaukasusregion des 10. Jahrhunderts wieder, als wäre er selbst zugegen gewesen und hätte alle Details zwischen chasarischen Elefantentreibern und jüdischen Kaufleuten aufgesogen. Ein sprachlich gewohnt opulenter, von der ersten bis zur letzten Seite wunderbar kluger Abenteuerroman, der auch Sword-and-Sorcery-Fans zu begeistern vermag. Einige englische Ausgaben hat Gary Gianni („Conan“, „Prinz Eisenherz“) illustriert.

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