Neue Namen für die Kaiserin – Die besten Fantasy-Bücher für Kinder und Jugendliche

BUCH

Die besten Fantasybücher für Kinder und Jugendliche


Dieser ganz subjektive Artikel rund um die besten Fantasybücher für Kinder und Jugendliche ist der Auftakt zu einer dreiteiligen Reihe (ja, das hat dieser Text mit vielen Phantastik-Titeln gemein!). Im zweiten Teil nehme ich mir die Erwachsenenbücher zur Brust und in Teil 3 die besten Fantasybücher aller Zeiten. Das ist auch der Grund, warum ihr weder Harry Potter noch Die unendliche Geschichte in diesem Artikel finden werdet. Ich habe sie frech woanders einsortiert.

Wenn wir das nun geklärt haben, kann es ja losgehen!

Die besten Fantasybücher für Kinder

Es gibt Bücher, die kennt jedes Kind; hat sie vorgelesen bekommen oder selbst gelesen, Hörbücher oder Hörspiele davon gehört, Theaterstücke dazu gesehen. Diese Bücher haben unsere Kindheit in den 70ern, 80ern, 90ern oder 2000ern begleitet und werden auch für unsere Kinder auf die eine oder andere Weise das Tor zur Fantasy-Literatur öffnen. 

Kinder nach Phantásien zu bringen, ist leicht: Sie müssen nur der kindlichen Kaiserin einen neuen Namen geben. Die meisten Kinder- und Jugendbücher haben phantastische Elemente, denn das Begreifen der Welt, das Einteilen in „Real“ und „Ausgedacht“ ist noch nicht ganz abgeschlossen und in jedem Schrank kann der Eingang in ein Abenteuer, unter jedem Bett ein Monster warten.

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Ihr ahnt es schon: Ich rede von den Büchern von Astrid Lindgren (Mio, mein Mio; Die Brüder Löwenherz; Ronja Räubertochter), Otfried Preußler (Der kleine Wassermann, Der Räuber Hotzenplotz, Hörbe mit dem großen Hut ) und C.S. Lewis (Narnia). Nicht alles daran ist heute noch zeitgemäß, aber genug davon ist zeitlos. Das trifft auch auf die alten Kinderbuch-Klassiker zu: Peter Pan und Alice im Wunderland werden auch durch Neuverfilmungen immer wieder zu neuem Leben erweckt. Selbst, wer Mary Poppins und den Zauberer von Oz nicht gelesen hat, kennt Filme, Bilder und Ideen aus diesen Büchern: Geschichten vom Weltenwechsel in Schrank, Kaninchenbau oder Wirbelsturm, von der Sehnsucht, die Eltern für nur eine Nacht zu verlassen, indem man einem fliegenden Jungen durchs Fenster folgt. Die Faszination alter Märchen- und Mythenkreaturen, im Wald hausender Räuber und der Magie längst vergangener Tage. Im Kinderbuch ist das Mittelalter eine mystische Welt, in der die Grenzen zwischen Wahrheit und Legende verschwimmen. Ein aktuelleres Beispiel dafür sind Der kleine Ritter Trenk von Kirsten Boie, der viel Wahres zum Thema Leibeigenschaft erzählt, aber dennoch mit Drachen aufwartet, oder Der lächelnde Odd und die Reise nach Asgard von Neil Gaiman.

Auf dem Drachenrücken

Drachen sind ein gutes Stichwort! Wenige andere Phantasiekreaturen werden so geliebt wie der Drache (nicht nur im Kinderbuch, aber eben auch).

Cressida Cowells Drachenzähmen leicht gemacht-Reihe  – die Bücher erzählen übrigens eine ganz andere Geschichte als der Film – greift das Thema „Kind mit Tier“ auf erfrischende Weise auf und gibt ihm neue Facetten. Doch nicht nur diese klassische Lassie-Trope macht Buch- und Filmreihe zu etwas Besonderem: Hier wird auch die Geschichte eines Jungen erzählt, der mit seinen Begabungen, Sehnsüchten und Wünschen ganz anders tickt als seine Familie, seine Umgebung. Ein Gefühl, dass viele Kinder und auch Erwachsene teilen.

Cornelia Funke haben wir eine weitere Drachenfreundschaft zu verdanken: Drachenreiter nimmt einen Waisenjungen und ein Koboldmädchen mit zu den unbekannten Plätzen der Welt, in denen Magie noch wirken kann. Auch die nach satten 19 Jahren folgende Fortsetzung Die Feder eines Greifs ist ein lesenswertes Abenteuer, das mit etwas älteren Protagonisten nun den Schritt ins Jugendbuch tut. 

 

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Urban Fantasy – Surreales in unserer Welt

In der Erwachsenenfantasy lange eher ein Stiefkind, funktionierte die Urban Fantasy im Kinder- und Jugendbuch immer schon sehr gut. Der ungekrönte König der Urban Fantasy ist sicherlich Neil Gaiman, der mit Coraline ein kleines Meisterwerk für Kinder ab 10 mit starken Nerven geschaffen hat. Ich gebe jedes Jahr zu Halloween gern die knopfäugige „andere Mutter“ und erfreue mich am Schrecken in den Kindergesichtern, wenn ich die Tür öffne.

Häufig treten in der Urban Fantasy alte Mythen in unsere Welt – so in einem meiner liebsten Jugendfantasyromane Wintersonnenwende von Susan Cooper. Der junge Will, siebter Sohn eines siebten Sohnes, erfährt an seinem elften Geburtstag kurz vor Weihnachten, dass er dem Kreis der Uralten angehört. Düster, englisch und auf eine ganz alte, schauerliche Weise weihnachtlich bildet dieses Buch den eigenständigen zweiten Band einer fünfteiligen Reihe rund um die Artussage.

Griechische Mythen hingegen treten in der Reihe Percy Jackson von Rick Riordan in unsere Welt. Der junge Percy entdeckt, dass er der Sohn Poseidons ist und somit ein Halbgott mit besonderen Kräften. Dass ADHS und Legasthenie damit einhergehen, ist der saure Apfel, in den er beißen muss. Riordan hat einen großen modernen Mythenkosmos geschaffen, der auch noch in ägyptische und nordische Mythologie vorstößt und gleichzeitig Aufmerksamkeits- und Lernstörungen von einem humoristischen Standpunkt betrachtet. Schaut euch nicht den Film an – lest das Buch!

Artemis Fowl von Eoin Colfer ist sehr irisch und hat gleichzeitig Elemente eines Mafiafilms: Feen, Dämonen und ein Junge, der als Tüftler und Geheimagent absurde Abenteuer erlebt. Die achtteilige Reihe bietet Humor und Action in gleichen Teilen und wurde lange Zeit in einem Atemzug mit Harry Potter genannt. 

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Unter den deutschen Autoren hat sich besonders Kai Meyer den Facetten der Urban Fantasy verschrieben: Ob auf Sizilien Arkadien erwacht oder in Venedig Die fließende Königin Merles Hilfe braucht – die Ideen scheinen Meyer nicht auszugehen.

Zurzeit beliebt: Alea Aquarius von Tanya Stewner, bislang ein Dreiteiler, in dem ein Mädchen entdeckt, dass sie von einem Nixen-Volk abstammt und auf der Suche nach Identität und Bestimmung ist. Auch hier, wie bei vielen klassischen Heldenreisen, spielt es eine große Rolle, dass Alea ein Waisenkind ist. Ein unsterbliches Thema!

Phantastische Welten und wie man dorthin gelangt

Portal-Fantasy – ein weiterer Begriff, der in der Erwachsenenfantasy eher gemieden wird – bezeichnet eine Geschichte, in der ein Weltentor existiert, durch das Protagonisten von unserer Welt in eine andere gelangen. Portal-Fantasy haftet im Kinder- und Jugendbuch zu recht keinerlei Ruch an: Alice wechselt die Welten ebenso wie die Kinder aus den Narnia-Reihen. Tore in andere Welten können für Kinder in jeder Hecke, jeder Kellertür und jedem Computerspiel lauern.

Kim aus Märchenmond war der Protagonist des ersten Jugendbuchs von Wolfgang und Heike Hohlbein. Viele schwarze Wälzer im Ueberreuter-Verlag folgten, in denen Kinder die Welten wechselten. Ich habe viele davon begeistert gelesen, und Der Greif, Spiegelzeit und Dreizehn waren meine Lieblinge.

Eva Ibbotson schrieb bereits 3 Jahre vor Harry Potter darüber, dass Bahnsteig 13 am Bahnhof King’s Cross in eine andere Welt führt. Ralf Isau hingegen öffnet in Berlin einen Zugang zum Museum der gestohlenen Erinnerungen und legt damit eine Art Fantasy-Politthriller vor.

Bei Portalen in andere Welten sollte auch Cornelia Funke noch einmal genannt werden. Sie hat es mit den Romanen der Tintenwelt, in der nicht nur Menschen die Welt eines Buchs betreten, sondern auch Gestalten aus dem Buch in unsere Welt gelangen, nach Hollywood geschafft. 

In Phantásien

Natürlich gibt es auch Kinder- und Jugendbücher, in denen nicht das Surreale in unsere Welt einbricht und auch nicht ein Kind von unserer Seite in die Welt hinter dem Schleier tritt, sondern die von der ersten bis zur letzten Seite in einer phantastischen Welt spielen. Auch da bildet häufig ein mystisches Pseudo-Mittelalter die Bühne, so zum Beispiel für Taran, der zunächst ein magisches Schwein hüten muss, dann aber von Prinzessin Eilonwy in Ereignisse großer Tragweite (aus dem walisischen Mythenzyklus Mabinogion) verstrickt wird. Eines meiner absoluten Lieblingsbücher als Teenager: Alanna von Tamora Pierce. Alanna und ihr Zwillingsbruder Alan sollen mit elf Jahren ausgebildet werden: Alan erwartet eine Knappenlaufbahn am Königshof von Trebond, Alanna soll zu einem Konvent gesandt werden. Doch der Konvent bildet auch Magier aus, und es trifft sich nun einmal so, dass Alan gern Magier werden würde – und Alanna sich gern als Knappin und später Ritterin versuchen würde. In einem Land, in dem das Frauen strikt verboten ist, muss sie sich als Junge verkleiden und sich nicht nur gegen Monstren, Götter und Geister zur Wehr setzen, sondern auch gegen Vorurteile und Bevormundung.

Diese Bücher sind natürlich nur ein kleiner Teil dessen, was es im Kinder- und Jugendbuch an fremden Welten zu entdecken gibt! Viele Wege führen nach Phantásien. Welche Bücher haben euch besonders geprägt? Schreibt euren Lesetipp in die Kommentare!

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