Interview mit Sarah Monette (Katherine Addison - Der Winterkaiser)

FISCHER TOR

Leseprobe: Katherine Addison - Der Winterkaiser


TOR Team
13.10.2016

Ein Thronerbe, der keiner sein möchte. Machtkämpfe am Kaiserhof. Für den Halb-Elfen Maia Drazhar, plötzlich Erbe des kaiserlichen Throns, beginnt die Reise in ein neues Leben voller Tücken und Herausforderungen. Hier gibt es die Leseprobe aus Katherine Addisons "Der Winterkaiser".

 

***

 


Maia schreckte aus dem Schlaf auf, weil sich die eiskalten Finger seines Cousins in seine Schulter bohrten.

»Setheris, was ist …?« Er setzte sich im Bett auf und rieb sich mit einer Hand die Augen. »Wie spät ist es?«

»Raus aus dem Bett!«, schnauzte Setheris ihn an. »Los, beeil dich!«

Gehorsam rappelte Maia sich hoch und fragte verschlafen: »Was ist passiert? Brennt es?«

»Los, zieh dich an«, knurrte Setheris und hielt Maia die Kleider vom Vortag hin. Maia mühte sich mit den Bändern seines Nachthemds ab und ließ das Bündel ungeschickt zu Boden fallen. Während sich Setheris danach bückte, blaffte er übelgelaunt: »Ein Kurier des Kaisers. Das ist passiert.«

»Eine Nachricht von meinem Vater?«

»Hab ich das nicht gerade gesagt? Allmächtige Göttinnen, kannst du denn gar nichts alleine?« Ohne sich um die losen Bänder oder Maias Ohren zu scheren, zerrte Setheris ihm das Nachthemd über den Kopf und drückte ihm die Kleider erneut unsanft in die Hand.

Schlaftrunken quälte sich Maia beim trüben Schein einer Kerze in Unterwäsche, Hosen, Hemd und Wams. Alles war verknittert und verschwitzt, doch er wollte Setheris nicht unnötig reizen. Dieser beobachtete Maia mit finsterem Blick und angelegten Ohren. »Komm!«, sagte er barsch, kaum dass Maia sein Wams zugeknöpft hatte. Da er keine Zeit mehr hatte, seine Socken zu suchen, schlüpfte Maia barfüßig hinter seinem Cousin aus dem Zimmer. Im helleren Licht fiel ihm auf, dass Setheris zwar wie üblich tadellos gekleidet, sein Gesicht jedoch gerötet war. Ganz offensichtlich war er noch nicht im Bett gewesen, als der Kurier des Kaisers eingetroffen war. Hoffentlich hat er nicht so viel Metheglin getrunken, dass seine sonst so tadellosen Manieren darunter leiden, dachte Maia nervös.

Er fuhr sich mit den Fingern durchs Haar und verfing sich dabei in seinen widerspenstigen Locken. Es war beileibe nicht das erste Mal, dass er einem kaiserlichen Kurier so unter die Augen trat, mit wirrem Haar wie der Balg eines Lumpensammlers, und er stellte sich vor, wie sein Vater fragte: »Sagt, wie habt Ihr unseren Sohn angetroffen?« Maia tröstete sich mit dem Gedanken, dass sich sein Vater wohl kaum nach ihm erkundigen würde, und bemühte sich, Setheris aufrecht und mit gespitzten Ohren in das kleine, schäbige Empfangszimmer des Jagdhauses zu folgen.

Der Kurier war höchstens ein Jahr älter als Maia, aber selbst in seinen von der Reise verschmutzten Kleidern strahlte er noch eine gewisse Eleganz aus. Sein Haar war weiß wie Wolfsmilchfasern, die Augen regengrau – er war so eindeutig ein reinblütiger Elf, wie Maia es ganz offensichtlich nicht war. Der Kurier blickte von Setheris zu Maia: »Seid Ihr der Erzherzog Maia Drazhar, einziger Sohn von Varenechibel IV. und Chenelo Drazharan?«

Verwirrt bejahte Maia die Frage. Seine Verblüffung wuchs, als sich der Kurier würdevoll und in aller Seelenruhe vor ihm auf den Boden warf und sagte: »Kaiserliche Durchlaucht.«

»Hört auf mit dem Blödsinn und erhebt Euch!«, knurrte Setheris. »Ihr habt Nachricht von seiner kaiserlichen Durchlaucht, dem Vater des Erzherzogs?«

»Das … haben wir nicht«, sagte der Kurier und erhob sich mit der geschmeidigen Eleganz einer Katze. »Aber wir bringen Euch Nachricht vom kaiserlichen Hof.«

»Bitte sprecht«, sagte Maia hastig, damit der Wortwechsel nicht eskalierte.

»Durchlaucht«, berichtete der Kurier, »das Luftschiff Weisheit von Choharo ist gestern zwischen Sonnenaufgang und Mittag abgestürzt. An Bord befanden sich seine kaiserliche Majestät Varenechibel IV., Fürst Nemolis und die Erzherzöge Nazhira und Ciris. Sie waren auf der Rückreise von der Hochzeit des Prinzen von Thu-Athamar.«

»Die Weisheit von Choharo ist abgestürzt«, wiederholte Maia langsam und betonte dabei jede einzelne Silbe.

»So ist es, Durchlaucht, und es gibt keine Überlebenden«, antwortete der Kurier.

Fünf hämmernde Herzschläge lang versuchte Maia, die Worte des Kuriers zu begreifen. Sie ergaben keinen Sinn. Nichts hatte Sinn ergeben, seit sich Setheris’ Finger so schmerzhaft in seine Schulter gebohrt hatten. Und dann wurde es ihm plötzlich und erbarmungslos klar. Wie aus gewaltiger Ferne hörte er sich selbst fragen: »Was war die Ursache des Absturzes?«

»Ist das nicht egal?«, fragte Setheris.

»Durchlaucht«, sagte der Kurier, wobei er sich betont an Maia wandte, »noch sind keine Einzelheiten bekannt. Aber der Lordkanzler hat Zeugen ausgesandt, um die Umstände des Absturzes zu untersuchen.«

»Ich danke Euch«, sagte Maia. Er wusste zwar nicht, was er fühlte oder was er von alldem halten sollte, doch er wusste genau, was zu tun war. »Ihr sagtet … Ihr hättet eine Nachricht für mich?«

»Ja, Durchlaucht.« Der Kurier wandte sich ab und nahm seine Tasche vom Beistelltisch. Sie enthielt nur einen einzigen Brief, den er Setheris reichte. Dieser riss ihm die Nachricht aus den Händen und erbrach das Siegel so ungestüm, als wolle er den Kurier einer Lüge überführen.

Während er den Inhalt überflog, verdüsterte sich Setheris’ Gesicht immer mehr. Dann warf er den Brief Maia hin und stolzierte aus dem Zimmer. Maia griff vergeblich nach dem Brief. Noch ehe er sich bücken konnte, ging der Kurier in die Knie und reichte ihm das Blatt, ohne eine Miene zu verziehen.

Maia spürte, wie ihm die Röte ins Gesicht stieg und sich seine Ohren vor Verlegenheit senkten, aber er hütete sich, Setheris’ Benehmen erklären oder gar entschuldigen zu wollen. Stattdessen wandte er sich dem Brief zu, der von Uleris Chavar, dem Lordkanzler seines Vaters, stammte:

An den Erzherzog Maia Drazhar, Erbe des kaiserlichen Throns von Ethuveraz, seid gegrüßt in dieser Stunde tiefster Trauer.

In der Überzeugung, dass Eure kaiserliche Durchlaucht den Wunsch hegen müssen, Eurem verstorbenen Vater und Euren Brüdern den größtmöglichen Respekt zu bezeugen, haben wir Anordnung für ein Staatsbegräbnis gegeben. Dieses wird in drei Tagen, am dreiundzwanzigsten dieses Monats, stattfinden. Die Oberhäupter der fünf Fürstentümer sowie die Schwester Eurer kaiserlichen Durchlaucht in Ashedro werden wir dementsprechend in Kenntnis setzen. Den kaiserlichen Kurierdienst haben wir bereits angewiesen, eine entsprechende Anzahl von Luftschiffen für die Anreise der hohen Gäste zur Verfügung zu stellen. Diese werden zweifelsohne alles daransetzen, den Hof von Untheilean rechtzeitig zum Begräbnis zu erreichen.

Wir haben keine Kenntnis von den Absichten Eurer kaiserlichen Durchlaucht, stehen aber zur Verfügung, um Euch in allen Belangen zu unterstützen.

 

In tiefer Trauer und mit unerschütterlicher Ergebenheit,

Uleris Chavar

Als Maia aufblickte, fand er die Augen des Kuriers auf sich gerichtet. Sein Gesicht war ausdruckslos, lediglich die gespitzten Ohren verrieten seine Neugier.

»Ich … Wir müssen uns mit unserem Cousin beraten.« Maia stolperte über das ungewohnte majestätische Wir. »Wollt Ihr … Wir meinen, Ihr müsst müde sein. Ein Diener wird sich um alle Eure Bedürfnisse kümmern.«

»Durchlaucht sind zu gütig«, antwortete der Kurier. Falls ihm bewusst war, dass die ganze Hofhaltung von Edonomee aus nur zwei Dienern bestand, ließ er es sich nicht anmerken.

Maia läutete. Der ewig ungeduldige Pelchara brannte bestimmt schon darauf zu erfahren, was passiert war. Haru hingegen, der für die Außenbereiche zuständige Diener, schlummerte gewiss noch tief und fest. Jeder in Edonomee wusste, dass er stets wie ein Stein schlief.

Pelchara kam eifrig hereingestürmt, die Ohren gespitzt, die Augen vor Neugier leuchtend. »Unser Gast«, sagte Maia beschämt, weil er den Namen des Kuriers nicht kannte, »hat eine anstrengende Reise hinter sich. Bitte tragt Sorge, dass es ihm an nichts mangelt.«

Er spielte kurz mit dem Gedanken, Pelchara alles zu ­erzählen, murmelte dann aber nur: »Ihr findet mich bei meinem Cousin, falls Ihr mich braucht«, und verließ hastig den Raum.

Ein Lichtschein drang unter der Tür seines Cousins hervor und von drinnen waren rasche, abgehackte Schritte zu hören. Hoffentlich hat er einen großen Bogen um die Metheglinkaraffe gemacht!, dachte Maia und klopfte an.

»Wer ist da?« Wenigstens klang Setheris nicht betrunkener als noch vor einer Viertelstunde.

»Ich bin’s, Maia. Darf ich …?«

Die Tür wurde aufgerissen, und Setheris erschien auf der Schwelle. Er blickte finster drein. »Na, Junge, wer ist dir denn auf den Schwanz getreten?«

»Cousin, was soll ich nur tun?«, fragte Maia beinahe flüsternd.

»Was soll ich nur tun?«, äffte ihn Setheris nach und lachte schnaubend. »Du sollst regieren, Junge. Sollst als Kaiser über die Elfenlande herrschen und deine Verwandten des Landes verweisen, wie es dir beliebt. Warum kommst du winselnd bei mir angekrochen und fragst mich, was du tun sollst?«

»Weil ich es nicht weiß.«

»Hohlköpfiger Gnom«, schimpfte Setheris, aber es klang seltsam unbeteiligt, und sein Blick ging dabei ins Leere.

»Ja, Cousin«, antwortete Maia kleinlaut.

Das Leben kehrte in Setheris’ Blick zurück, doch der Zorn in seinen Augen war erloschen.

»Du willst meinen Rat?«, fragte er und blickte Maia direkt an.

»Ja, Cousin.«

»Dann komm herein.«

Maia hatte das Schlafzimmer seines Cousins noch nie zuvor betreten. Der Raum war so asketisch wie sein Bewohner – nichts erinnerte an die verschwenderische Pracht des Hofs von Untheilean. Setheris wies auf den einzigen Stuhl und ließ sich selbst auf das Bett fallen. »Du hast recht, Junge. Die Wölfe warten schon darauf, sich auf dich zu stürzen. Hast du den Brief bei dir?«

Maia reichte Setheris die mittlerweile recht verknitterte Botschaft. Setheris las den Brief und runzelte die Stirn, doch diesmal spitzte er nachdenklich die Ohren. Als er seine Lektüre beendet hatte, faltete er den Brief sorgfältig zusammen, wobei er die verknitterten Stellen mit seinen langen, weißen Fingern glattstrich. »Uleris ist so unverschämt wie eh und je …«

»Findest du?«, fragte Maia überrascht und fügte hinzu: »Du kennst ihn?«

»Wir kennen und hassen uns seit vielen Jahren«, sagte Setheris mit einem Achselzucken. »Und wie es aussieht, hat er sich nicht verändert.«

»Wie meinst du das?«

»Junge, er hat keinen Grund, dich zu lieben.«

»Er sagt, er sei loyal.«

»Loyal zu wem oder was? Ganz sicher nicht zu dir, dem jüngsten und ungeliebten Sohn seines Kaisers. Eines Kaisers, der ganz bestimmt nicht dich auf dem Thron sehen wollte, wie du wohl weißt. Gebrauch endlich deinen Verstand, Junge, so du welchen besitzt.«

»Wie meinst du das?«

»Allmächtige Göttinnen, schenkt mir Geduld!«, brach es aus Setheris heraus. Er rollte mit den Augen und sagte: »Denk nach, Junge. Du bist nun der Kaiser. Was musst du als Allererstes tun?«

»Cousin, dies ist nicht der richtige Augenblick, mir Rätsel aufzugeben.«

»Es ist alles andere als ein Rätsel.« Setheris starrte Maia grimmig schweigend an, bis dieser endlich begriff.

»Die Krönung!«, rief Maia aus.

»Ha!« Setheris klatschte so heftig in die Hände, dass Maia zusammenfuhr. »Ganz genau. Und warum erwähnt Uleris deine Krönung dann mit keinem Wort?«

»Die Beerdigung muss …«

»Hör auf! Du denkst wie ein Kind, nicht wie ein Kaiser! Die Toten scheren sich nicht mehr um die Ehre, von der Uleris faselt, und das weiß er ganz genau. Was zählt, ist allein die Macht der Lebenden. Das solltest auch du nie vergessen.«

»Aber …«

»Benutz doch endlich deinen Verstand, Junge.« Setheris beugte sich vor, ein leidenschaftliches Glühen in seinen sonst so kalten Augen. »Denk nach, wie noch nie zuvor in deinem Leben. Du reist an den Hof von Untheilean, gehst zur Beerdigung – und was dann?«

»Ich muss mit … ah!«

»Endlich verstehst du.«

»Ja.« Maia begriff mit einem Mal ganz genau, worum es ging. Wartete er ab, dann lieferte er sich Chavar auf Gedeih und Verderb aus. War der Kanzler erst einmal rechtmäßiger Stellvertreter des Kaisers, würde Maia nicht mehr als ein Bittsteller sein.

»Was rätst du mir?«

»Durchkreuze Uleris’ Pläne! Reise an den Hof von Un­theilean, bevor er sich dort verschanzen kann.«

»Aber das ist unmöglich!«, rief Maia. Die Reise von Edonomee an den Hof dauerte eine knappe Woche.

Als sei dies die natürlichste Sache der Welt, antwortete Setheris: »Das Luftschiff.«

Maias Magen krampfte sich heftig zusammen. »Ich kann nicht!«

»Du musst. Außer du willst dein Leben lang nach Uleris’ Pfeife tanzen. Deinen neunzehnten Geburtstag wirst du dann vielleicht nicht mehr erleben.«

Maia senkte den Kopf. »Du hast recht, Cousin.«

»Wir nehmen das Luftschiff, mit dem Chavars Schoßhündchen angereist ist. Man wartet bestimmt schon auf seine Rückkehr. Nun geh und zieh dir etwas Anständiges an.«

»Ja, Cousin.« Maia nickte und gehorchte. Dass Setheris ihn an den Hof von Untheilean begleiten würde, stand für ihn außer Frage.

 

 

2. Kapitel - Die Glanz von Cairado

Die Glanz von Cairado schwebte wie eine Gewitterwolke neben dem Ankermast und hob sich düster von dem frühmorgendlichen Himmel ab. Seit man ihn mit acht Jahren zur Beerdigung seiner Mutter an den Hof von Untheilean gebracht hatte, war Maia nicht mehr in einem Luftschiff gefahren. Die Erinnerungen an jene Zeit waren dunkel und schmerzhaft; damals hatte er zu Ulis, dem Gott des Todes und des Mondes, gebetet, er möge auch ihn sterben lassen.

Die Besatzungsmitglieder der Glanz von Cairado wirkten äußerst ernst. Sie wussten vom Schicksal der Weisheit von Choharo, und in ihren Gesichtern waren Trauer und Furcht zu lesen.

»Durchlaucht«, begrüßte der Kapitän Maia am Fuß des Ankermasts mit leiser Stimme. Kurz entschlossen blieb Maia stehen und sagte leise: »Wir haben vollstes Vertrauen in Euch und Eure Besatzung.«

Erstaunt blickte der Kapitän auf. Maia sah ihm in die Augen und lächelte. Der Kapitän zögerte kurz, dann spitzte er die Ohren und verbeugte sich, tiefer noch als zuvor. »Durchlaucht«, sagte er mit deutlicher und fester Stimme.

Maia erklomm die schmale, eiserne Treppe, die sich den Ankermast emporwand. Ganz oben auf der winzigen Plattform wartete eine Luftbegleiterin darauf, dem Kaiser in die Passagierkabine zu helfen.

»Durchlaucht«, sagte sie förmlich und bot Maia ihren Arm.

Die Luftbegleiterin wirkte fast so überrascht wie zuvor der Kapitän, als sich Maia für ihre Hilfe bedankte, derer er gar nicht bedurft hätte.

Die Luftschiffe dienten für gewöhnlich dem Transport von Lasten, aber hin und wieder beförderten sie auch Kuriere oder andere Staatsbedienstete. Maia hatte es Setheris untersagt, das Luftschiff zu requirieren, denn er wollte den anderen Passagieren – vier Kurieren, zwei Missionaren und einem betagten Maza – keine Umstände bereiten. Unter den bohrenden Blicken der beharrlich schweigenden Mitreisenden musste er nun für seine Gutmütigkeit büßen.

Wie durch ein Wunder war Maia zum Kaiser aufgestiegen, aber seine Garderobe hatte mit diesem Aufstieg nicht Schritt gehalten. Zwar war er korrekt in Trauer gekleidet, aber seiner Kleidung war deutlich anzusehen, dass sie bereits mehrmals nachgeschwärzt worden war. Zudem stammte alles, was er am Leib trug, von Setheris. Als er die Gewänder vor zwei Jahren zuletzt anlässlich der Beerdigung von Erzherzogin Ebreneän, der Schwester des Kaisers, getragen hatte, waren sie ihm zu weit gewesen, mittlerweile saß alles viel zu eng. Da er keine Tashinstäbe oder Kämme besaß, hatte er seine Haare ordentlich zu einem Zopf geflochten und diesen am Nacken hochgesteckt. Doch war diese Frisur eher einem Kind angemessen als einem Erwachsenen, von einem Kaiser ganz zu schweigen.

Maia setzte sich auf den freien Platz zwischen Setheris und dem Kurier. Falls dem Boten bewusst war, dass den Plänen seines Herrn durch die überstürzte Abreise des neuen Kaisers Gefahr drohen könnte, ließ er es sich nicht anmerken. Ganz im Gegenteil, er hatte Setheris’ Reisevorbereitungen in jeder nur erdenklichen Weise unterstützt, und obwohl er im Dienste des Lordkanzlers stand, zeigte er Maia gegenüber eine Ergebenheit, die Setheris selbst völlig fremd war. Maia musste über die Ironie dieses Gedankens lächeln.

Maias Vater, Varenechibel IV., hatte keinerlei Interesse an seinem jüngsten Kind gezeigt und es gleich nach dem Begräbnis in die Obhut von Setheris Nelar gegeben. In das ehemalige Jagdhaus Edonomee verbannt, hatten die beiden Jahr um Jahr in tiefer gegenseitiger Abneigung verbracht.

 

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