May The Dice Be With You –  Warum „Star Wars“-Brettspiel-Fans gerade goldene Zeiten erleben

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May The Dice Be With You – Warum „Star Wars“-Brettspiel-Fans gerade goldene Zeiten erleben


Ich erzähle ja keinem was Neues, wenn ich sage, dass im Augenblick goldene Zeiten für „Star Wars“-Fans herrschen. Jedes Jahr ein neuer Film im Kino, regelmäßig Serienunterhaltung im TV, Comics, Romane, Lego, Actionfiguren. Wer will, kann sein ganzes Erspartes für „Star Wars“ auf den Kopf hauen. Ich weiß, wovon ich rede – meine eigene Sammlung füllt mittlerweile Regale.

Doch zum ersten Mal in der Geschichte des Franchises kommt auch eine ganz besondere Fan-Gruppe so richtig ins Schwärmen: die der Brettspielfreunde oder etwas cooler Board Gamer. Und damit meine ich keine Leute, die „Mensch ärgere dich nicht“ oder „Halma“ mögen, sondern solche, denen es Genre-Spiele – mal strategisch, mal thematisch-immersiv– angetan haben. Denn die hatten jahrelang das Nachsehen. Ein kurzer Blick zurück.

Die Anfangsjahre von „Star Wars“ waren in Brettspielhinsicht von Produkten aus dem Hause Kenner geprägt. Das waren die Typen, die auch für die erste Schwemme an Actionfiguren zwischen 1977 und 1985 verantwortlich zeichneten. Doch „Escape From Death Star Game“ (1977) oder das „Hoth Ice Planet Adventure Game“ (1980) waren nicht nur Einzelphänomen, sich richteten sich mit ihrem simplen Spielmechanismus auch eher an Kinder. Zwischen 1987 und den frühen 1990ern brachte WestEnd Games dann einige Spielboxen heraus, die ihre erfolgreiche „Star Wars“-Rollenspiel-Reihe begleiteten. Dazu gehörten das legendäre „Star Warriors“, mit dem sich Raumjägerduelle ausfechten ließen, sowie streng thematische Schlachten-Sets wie „Assault on Hoth“ oder „Battle for Endor“. Erneut handelte es sich hierbei aber um Einzelwerke, die über den Zeitraum mehrerer Jahre erschienen.

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Mit dem groß angelegten Durchstarten des Erweiterten Universums von „Star Wars“, das durch Timothy Zahns Romantrilogie „Erben des Imperiums“ eingeläutet wurde, ging es ab 1994 auch spielerisch etwas aufwärts. In diesen Jahren waren – beflügelt vom Erfolg des sammelbaren Kartenspiels „Magic: The Gathering“ – vor allem die verschiedenen „Star Wars“-Sammelkartenspiele erfolgreich, beginnend mit dem Klassiker „Star Wars Customizable Card Game“ (1995), über das „Young Jedi CCG“ (1999), bis zum „Star Wars: Trading Card Game“ (2002). Zu der Zeit entdeckte auch Hasbro/Parker die „Star Wars“-Lizenz für sich und begann Klassiker wie „Monopoly“, „Risiko“ und „Trivial Pursuit“ mit Rebellen und Imperialen aufzupeppen, eine Tradition, die sich auch 20 Jahre später noch fortsetzt – aber über solche „Familienspiele in Verkleidung“ möchte ich gar nicht weiter sprechen.

2004 traten die „Star Wars Miniatures“ auf den Plan, erneut begleitend zu einem Rollenspiel-System, diesmal von Wizards of the Coast. Die bemalten, in Boostern und Spezialsets sammelbaren Figuren erfreuten sich großer Beliebtheit bei Gamern und auch der Autor hat gewiss hunderte von Euro versenkt, um mit fiebrigen Fingern Pappschachteln aufzureißen und Plastikmännlein unterschiedlichen Seltenheitsgrads herauszufischen. Ein etwas missglückter Auswuchs davon war 2006 das „Starship Battles“-System von WotC, das nicht nur schrecklich schiefe Miniaturen auf den Markt brachte – mein Sternenzerstörer Marke „geschmolzenes Bügeleisen“ bricht mir noch heute das Herz –, sondern auch vom Regelmechanismus eher vermurkst war.

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Eine neue Zeitrechnung

Zwischendrin gab’s natürlich immer noch wenig erwähnenswerten Kleinkram (und den gewichtigen Strategie-Klopper „The Queen’s Gambit“ von Avalon Hill Games, den sich kein Mensch leisten konnte), aber springen wir mal vor ins Jahr 2012. In diesem Jahr begann eine neue Zeitrechnung für „Star Wars“-Brettspieler. Fantasy Flight Games, eine Spieleschmiede aus den USA, die sich bis dato mit Genre-Krachern wie dem Fantasy-Abenteuerspiel „Runebound“ oder dem kooperativ-cthuloiden „Arkham Horror“ einen Namen gemacht hatte, erwarb die „Star Wars“-Lizenz und brachte das Raumjäger-Duellspiel „X-Wing“ heraus. „X-Wing“ bietet in moderner Vollendung, was „Star Warriors“ und „Starship Battles“ vorgemacht haben. Fertig bemalte Jagdmaschinenmodelle werden von den Spielern über den Tisch – oder etwas nobler: eine Spielmatte mit Sternenfeld – gezogen, um sich entweder gegenseitig den Antrieb unterm Hintern wegzuschießen oder aber bestimmte Missionsziele zu erfüllen. Anders als „Star Warriors“ handelt es sich bei „X-Wing“ jedoch um ein erweiterbares Spiel, das bis heute um die fünfzig verschiedene Schiffe im Angebot hat, vom klassischen X-Wing und TIE-Fighter bis zum brandaktuellen U-Flügler und TIE-Stürmer aus „Star Wars: Rogue One.“ Und anders als „Starship Battles“ sehen nicht nur die Modelle wirklich klasse aus, das Spielsystem funktioniert auch nach dem wunderbaren Prinzip „leicht zu lernen, schwer zu meistern“.

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Doch „X-Wing“ war nur der Anfang. Im gleichen Jahr erschien auch „Star Wars – Das Kartenspiel“, ein Nachfolger der Sammelkartenspiele aus den 1990ern, bloß diesmal ohne den Zufallsaspekt. Zwar sind auch hier im Laufe der Jahre Dutzende von Erweiterungen herausgekommen, aber sie alle haben einen festgelegten Inhalt an Karten, sodass man genau weiß, was man kauft. Was einen nicht davon abhält, viel Geld in dieses Spielsystem zu stecken.

Nach exakt dem gleichen Prinzip – endlos erweiterbar, aber ohne jeden Zufallsaspekt beim Kauf – erschien 2014 dann „Imperial Assault“, ein Miniaturenspiel um Bodenkämpfe und Missionen im „Star Wars“-Universum, das in vielerlei Hinsicht ein Erbe der „Star Wars Miniatures“ ist. Der Clou von Fantasy Flight Games lag und liegt darin, jeder größeren Erweiterung eine Abenteuerkampagne beizulegen, die man in mehreren Partien erleben kann und die aus der Brettspielrunde etwas Größeres machen, eine emotionale Erfahrung, während der man zu seinem Plastik-Charakter eine Verbindung aufbaut. Vorbei die Zeiten, in denen man beim „Mensch ärgere dich nicht“ den roten oder blauen Holzstein vom Spielfeld gehauen bekommt und dabei nur mit den Schultern zuckt. Hier wird bei jedem Blastertreffer regelrecht mitgelitten! (Und auch hier existieren mittlerweile Dutzende Figurenerweiterungen, die Helden und Schurken aus der klassischen Trilogie ebenso umfassen wie aus „Rebels“ oder aktuellen Marvel-Comics.)

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Duell der Sternenzerstörer

Doch war’s das schon? Mitnichten! 2015. FFG bringt „Star Wars: Armada“ an den Start, ein Duellspiel im Großkampfschiff-Maßstab. Wer schon immer als Admiral Sternenzerstörer und Mon-Calamari-Kreuzer über den Spieltisch schieben wollte, fühlt sich hier gleich heimisch. Zahlreiche Schiffe-Sets ergänzen das Spiel seitdem und sorgen für Abwechslung auf dem Wohnzimmer-Schlachtfeld. 2016. Mit „Star Wars: Rebellion“ treten wir erstmals in den ganz großen, galaktischen Konflikt ein. In dem Brettspiel – und diesmal ist es wirklich ein reinrassiges Brettspiel ohne exzessiven Sammelaspekt – geht es um nicht weniger als die Frage, ob das Imperium zuerst die Rebellenbasis zerstört oder die Allianz den Funken der Rebellion in genug Systemen anfachen kann, um das Imperium zu stürzen. Und im Herbst des gleichen Jahres setzt FFG seinen jüngsten Geniestreich um: „Star Wars: Destiny“, eine Mischung aus Würfel und Kartenspiel, das Helden und Schurken aus dem ganzen Franchise gegeneinander antreten lässt. Durch die individuellen Spezialwürfel ist die Spielerfahrung eher abstrakter Natur und nicht so intensiv wie bei den zuvor genannten Spielen. Außerdem werden diese Würfel auch erstmals wieder in verschweißten Tütchen verkauft und weisen unterschiedliche Seltenheitsgrade auf. Damit bedient FFG vor allem die Jäger-und-Sammler-Klientel, die für Pappe und Plastik gerne auch mal etwas mehr Geld ausgibt, sofern nur der Begriff „Rare“ oder „Legendary“ damit verbunden ist.

Ich könnte über jedes dieser Spiele eigene Artikel schreiben. Aber das haben andere schon getan. Das Internet ist voll mit Strategieartikeln, Rezensionen, Spieltipps etc. Mir ging es vor allem darum, eine Tür zu öffnen und den Blick auf ein Phänomen zu richten, das „Star Wars“-Fans auf ganz ungeahnte Art glücklich – und arm – machen kann. Dank Fantasy Flight Games (und in Deutschland dem Heidelberger Spieleverlag) sind für Brettspieler wirklich goldene Zeiten angebrochen, in denen eigentlich für jeden Spieltyp, vom Strategen, über den Abenteuerspieler, bis zum Freund flotter Würfelpartien was dabei ist. In diesem Sinne: May The Dice Be With You!

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