Der Drachenfels bei Königswinter - Orte, die ein Nerd besucht haben muss

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KOLUMNE

Der Drachenfels bei Königswinter - Orte, die ein Nerd besucht haben muss (Folge 1)


Es muss nicht gleich die ComicCon in San Diego sein, auch in der Nähe gibt es interessante Orte, an denen ein Nerd eigentlich nicht vorbeigehen darf. Bei manchen ist es offensichtlich, bei anderen handelt es sich um echte Geheimtipps, die erst auf den zweiten Blick ihr wahres Potenzial offenbaren.

 

Wo Helden wandeln – Der Drachenfels bei Königswinter (NRW)

Koordinaten: 50° 39‘ 55‘‘ N – 7° 12‘ 39‘‘ O

Drachenfelsbahn – Midgardschlange – Kölner Dom – Lord Byron. Besuch auf einem Berg der Superlative

 

Vermutlich wird jedes Kind aus Nordrhein-Westfalen einmal in seiner Schullaufbahn den Drachenfels hinaufgescheucht und hat entsprechend wenig gute Erinnerungen an diese Hügelwanderung. Außerhalb der schulischen Wanderzeiten scheint sich das Angebot eher an ältere Herrschaften zu richten – zumindest wirbt das SeaLife in Königswinter deutlich mit Seniorenrabatt.

Drachenfels bei Königswinter

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Wer sich also auf diese Wanderung einlässt, sollte sich dieses leicht staubigen Charmes des touristischen Angebotes bewusst sein. Wer den Nerdfaktor über das Angebot vor Ort hinaus in die Höhe treiben möchte, sollte zuvor unbedingt Nebenan von Bernhard Hennen lesen. Die Schilderung der »Schlacht auf dem Drachenfels« ist mit höchstmöglicher Detailgenauigkeit wiedergeben.

Der Besuch des Drachenfels selbst beginnt höchst unromantisch, da der Parkplatz unter der Brücke der vierspurigen B42 liegt, ständiges Verkehrsrauschen und Dieselgeruch inklusive. Schon aufnach dem ersten Blick auf die geringen Parkgebühren (nur am Wochenende) ist erkennbar, dass die Zeiten der Rheinromantik mit seinem Massentourismus bereits ein paar Tage her sind. Dabei scheinen die Fotos des kulinarischen Angebotes im »Haus Drachenfels« (linkerhand neben dem Eingang zur Zahnradbahn gelegen) noch aus dieser Zeit zu stammen. Nicht einmal die Aufschrift »Mein Lieblingseis« auf der Eistruhe kann da Bedürfnisse wecken.

Die metallisch grüne Drachenfelsbahn ist dagegen wirklich hübsch und ließe sich optisch auch in einem Steampunk-Ambiente unterbringen. Außerdem ist sie die älteste Zahnradbahn Deutschlands (seit 1883 in Betrieb). Ihre Geschichte und die technischen Daten sind im Gebäude der Talstation dokumentiert, dazu ist eine Dampflokomotive von 1927 zu bewundern.

Der Drachenfels bei Königswinter - Orte, die ein Nerd besucht haben muss

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Der Aufstieg auf den angeblich »meistbestiegenen Berg Europas« ist allerdings auch für sportlich weniger Ambitionierte gut zu bewältigen, so dass die Fahrt mit der Bahn eher aus nostalgischen Gründen interessant ist (oder natürlich mit Kinderwagen, Rollstuhl oder Rollator – die Stationen sind barrierefrei zugänglich). Der Drachenfels ist aller Romantik zum Trotz mit 321 Höhenmetern und hübschem Ausblick auf die Rheinschleife um das Siebengebirge eher ein Hügel.

Außerdem würde man die spektakulären Dioramen und das Nostalgie-Kiosk verpassen. Dort lohnt sich ein Blick auf ein Detail: Die Figuren der Dioramen lassen sich mit dem Einwurf von 20 Cent in Bewegung setzen – früher waren es einmal 50 Pfennig. Es ist also wirklich nicht alles mit der Einführung des Euro teurer geworden.

Ein Stück weiter den Weg hinauf liegt eine der wenigen Kreuzungen. Erfahrene Rollenspieler (ganz egal, ob Pen & Paper oder LARPer) nehmen natürlich den schmalen überwachsenen Sandweg statt der asphaltierten Straße, gelangen aber nach wenigen leider völlig unspektakulären Metern ohne Fallen oder Monsterbegegnungen  wieder auf den Hauptweg zurück und zur Nibelungenhalle.

Ja, die Nibelungenhalle. 1913 zu Ehren Richard Wagners erbaut, soll sie an Siegfrieds Kampf gegen den Drachen erinnern, der sich laut unbestätigten Gerüchten auf dem Drachenfels zugetragen haben soll.

Wer zu den eingangs erwähnten Kindern aus NRW gehört, teilt sicherlich die Erinnerung des Helden Till aus Nebenan: »Vage erinnerte er sich an den muffigen Schimmelgeruch und an unscharfe Bilder aus Licht und Dunkel, auf denen sich Sagengestalten tummelten.« (Kap. 23, S. 487)

Das war so – bis 2015. Seitdem ist der Innenraum der Halle saniert, und nur die Bilder sind noch wie beschrieben. Nun war der Zustand untragbar, und das Gebäude wäre über kurz oder lang sicherlich komplett in sich zusammengefallen – warum die Halle jedoch in hell-freundlichen Pastelltönen erstrahlt, statt passend zur Sage düster und unheimlich, erschließt sich nicht. Außerdem beißt sich das Pastellrosa mit dem roten Hintergrund der Midgardschlange auf dem Fußboden – die wiederum ein echter Hingucker ist.

Die Verweildauer in der Halle (Eintritt 5 Euro) hängt davon ab, wie lange man die Beschallung mit Wagnermusik erträgt.

Hinter der Halle nun die Drachenhöhle samt moosbewachsenem Drachen. Das Beklettern der Figur ist verboten, das Baden im Drachenteich dagegen erlaubt. An genau diesem Ort ist nun eines der Tore nach Nebenan, das allerdings nicht mehr zugänglich ist.

Drachenfels - Zahnradbahn

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Ein weiteres Highlight auf dem Weg zum Gipfel ist das Schloss Drachenburg, das zur selben Zeit erbaut wurde wie die Zahnradbahn. Neben Beletage und Park gibt es das Museum zur Geschichte des Naturschutzes (Eintritt 6 Euro), außerdem eine schöne Aussicht.

Bleiben auf dem Gipfel noch das Restaurant, das im Stil des Brutalismus (das heißt wirklich so) erbaut ist und stilsicher was-mit-Drache-benannte Gerichte und Getränke anbietet. Nach einem Zwischenstopp am multimedialen Drachenspektakel, bei dem ein in einem Felsen sitzender Marionettendrache seine Version vom Kampf gegen Siegried erzählt, bleiben noch ein paar Meter bis zur Ruine Drachenfels. Sie wurde vor allem durch ein Gedicht von Lord Byron berühmt, der damit einen touristischen Boom in der Rheinromantik auslöste und unzählige Briten ins Siebengebirge lockte. Er selbst fuhr nach seinem Besuch am Rhein 1816 weiter an den Genfer See, wo es zur berühmten Zusammenkunft mit Mary Shelley kam, in deren Folge Frankenstein entstand. So hängt am Ende alles irgendwie zusammen...

Währenddessen musste der Drachenfels als touristisches Ziel vor dem weiteren Abbau von Trachyt bewahrt werden, der für den Bau des Kölner Doms verwendet wurde. Der Dom hatte bis 1836 seinen eigenen Steinbruch, die Domkaule. Für Geologiefans finden sich einige Hinweise und Tafeln am Wegesrand.

An der Ruine selbst gibt es außer den obligatorischen kaputten Wänden nicht viel zu sehen. Von weitem sieht sie hübscher aus.

Wer will, kann sich nun auf den Rheinsteig und eine richtige Wanderung begeben. Alle andern gelangen zu Fuß oder mit der Zahnradbahn rasch wieder zurück zum Ausgangspunkt.

 

Die nächste Folge aus unserer Reihe "NERDIGE ORTE" wird am Sonntag, den 16. April veröffentlicht. Dieses Mal besucht die Autorin das Technische Museum in Peenemünde.

Habt auch ihr Vorschläge, welche Orte ein echter Nerd unbedingt einmal besucht haben muss? Dann kommentiert gerne unter diesen Artikel!

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