Warum DC im Kino besser ist als Marvel

© Warner Bros.

KOLUMNE

Warum DC im Kino besser ist als Marvel


Der Konkurrenzgedanke, der zwischen den beiden Comic-Verlagen Marvel und DC vorherrscht, wir mehr und mehr auch von den Fans zelebriert. Marvel- und DC-Leser, das ist oft wie Pech und Schwefel, wie STAR TREK und STAR WARS. Wobei bei manchen Fans ein Absolutismus herrscht, der schon über Fanatismus hinausgeht.

 

Interessanterweise kann man seit MAN OF STEEL, mit dem Warner Bros. sein DC-Universum ähnlich wie das MCU von Marvel Studios aufziehen wollte, beobachten, wie sich diese Animositäten nun auch auf die Filmfans übertragen. Zugegeben wohl mehrheitlich auf die Art Fans, die auch schon immer Comics gelesen haben und in ihrer Meinung – nun ja – ein wenig militant sind.

Amüsant ist dabei die Unschärfe, mit der argumentiert wird. Da wird behauptet, DC sei eh zum Scheitern verurteilt, weil MAN OF STEEL weltweit nur knapp 670 Millionen Dollar eingespielt hat, während IRON MAN 3 im selben Jahr bei gut 1,2 Milliarden Dollar lag. Dass der erste Film des MCU – der erste Teil von IRON MAN – auch »nur« 585 Millionen Dollar eingespielt hat, wird verschwiegen. Die immensen Erfolge musste sich Marvel auch erst über Jahre erarbeiten.

Oder aber man mokiert sich darüber, dass Superman nicht Tausende von Leuten rettet, die in den in sich zusammenstürzenden Hochhäusern von Metropolis sterben. Dass beim Kampf der Avengers gegen die außerirdischen Invasoren am Ende von AVENGERS wohl auch Tausende Zivilisten ihr Leben lassen mussten, wird jedoch ausgeblendet. In den Comics machte man sich diesbezüglich ohnehin noch nie groß Gedanken, denn wie soll der Held auch all die Tausende von Menschen retten, während er gerade vom Schurken in der Gegend herumgeprügelt wird?

Man of Steel

© Warner Bros.

Eine neue Spielart

Der Unterschied zwischen dem MCU und dem DC-Universum ist jedoch ein gänzlich anderer. Bei DC versucht man, einer Strömung gerecht zu werden, die in den Superhelden-Comics zur Mitte der 1980er Jahre einsetzte. Das nannte man damals »grim’n’gritty«, also grimmig und düster. Man hätte es auch anders nennen können: Die Superhelden-Comics wurden ein wenig erwachsener.

Genau das fehlt dem MCU völlig, denn seit man mit IRON MAN im Jahr 2008 einen Erfolg landete, wurde eine Formel zementiert, nach der die finalen Kämpfe nicht nur meist im Luftraum über einer Großstadt stattfinden, sondern die Geschichte locker und leicht und mit reichlich Humor versehen sein muss. Das ist per se nicht schlecht und funktioniert auch, wie die ersten Filme zeigten. Aber es wird auch ermüdend, wenn man aus dieser Formel niemals ausbricht. Und das ist bis heute, knapp zehn Jahre und ein gutes Dutzend Filme später, noch immer nicht geschehen. Im Grunde hat man den Eindruck, denselben Film wieder und wieder zu sehen.

Genau darum war MAN OF STEEL so erfrischend, weil er sich ernsthafter gab. Zwar kann man gerade bei diesem Film darüber streiten, ob die düstere Farbpalette, mit der hier nachbearbeitet wurde, dringend notwendig gewesen wäre, aber spätestens bei BATMAN V SUPERMAN: DAWN OF JUSTICE passte sie.

Dieser Film wird von den Marvel Zombies gehasst. Weil er all das ist, was das MCU nicht ist. Weil er sich an einigen der größten Comic-Erfolge orientiert, die DC jemals landete und für die Marvel nichts Vergleichbares aufzufahren hat. Dieser Film ist düster, zynisch, brutal und – am wichtigsten – erwachsen. Er hebt den Superhelden auf ein anderes Podest, und er ist mutig genug, mit Konventionen zu brechen. Wo man sich bei THE FIRST AVENGER: CIVIL WAR nicht mal traute, eine Randfigur wie Jim Rhodes alias War Machine sterben zu lassen, nutzt man bei DC schon den zweiten Film, um Superman zu töten. Natürlich wissen wir alle, dass er zurückkehren wird. Das ist allen Superhelden, die in den Comics gestorben sind, zu eigen, aber nichtsdestotrotz: BATMAN V SUPERMAN: DAWN OF JUSTICE hat damit gezeigt, dass er Eier hat.

Batman vs Superman Trailer

Experimentierfreude

Wo man bei Marvel ständig auf Nummer Sicher geht und Experimente weitestgehend scheut – die einzige Ausnahme, die man hier nennen kann, ist GUARDIANS OF THE GALAXY, der wohl auch wegen der lockereren Anbindung an das restliche MCU mehr Freiheiten genoss –, setzt man bei DC auf Neues. Damit geht man denselben Weg wie die Comics, denn auch da erweist sich DC seit Jahren als der innovativere Verlag, der reihenweise Serien lanciert, die außerhalb der typischen Wohlfühlzone eines Superhelden-Fans liegen. Nicht all diese Titel verfangen, das ist klar, aber manche schon.

Diesem Muster folgend ging man auch den Weg beim filmischen DC-Universum, indem man mit SUICIDE SQUAD einen Film produzierte, in dem nicht Helden, sondern Schurken im Mittelpunkt stehen. Dass der Film einige Schwächen hat, muss man nicht schönreden. Aber dennoch ist es erfrischend, hier eine andere Art von Superheld zu sehen – nämlich den, der gar keiner sein will. Bei Marvel gibt es nichts Vergleichbares. Dort müsste man schon den Masters of Evil – den ewigen Gegnern der Avengers – einen eigenen Film spendieren, um ein ähnliches Ergebnis zu erzielen.

Suicide Squad

© Warner Bros.

Der Plan

Natürlich werden gerade die Marvel Zombies argumentieren, dass man beim MCU seit Jahren einem mehr oder minder festgezurrtem Plan folgt, während DC deutlich chaotischer und erratischer in seiner Entscheidungsfindung ist. Daraus ergibt sich aber auch eine Freiheit, da Projekte, die außerhalb des Erwartbaren stehen, leichter angeschubst werden können, so wie der kommende Film GOTHAM CITY SIRENS, in dem Harley Quinn und ein paar andere Frauen mit Superkräften im Mittelpunkt stehen werden.

Unterm Strich gilt: DC ist einfach spannender, weil Marvel sich darauf beschränkt, wiederzukäuen, was schon seit Jahren funktioniert. Aus wirtschaftlicher Sicht mag das durchaus sinnvoll sein. Zumindest so lange, bis beim Zuschauer der Punkt der Ermüdung einsetzt. Narrativ ist es jedoch tödlich, weswegen jeder neue DC-Film – und sei die Produktionsgeschichte auch noch so absonderlich – interessanter ist als die Dutzendware aus dem renovierungsbedürftig gewordenem Haus der Ideen.

Ob das auf lange Sicht so bleibt, steht in den Sternen, neu erfinden müssen sich die Superhelden so oder so. Ansonsten wird das Publikum wohl kaum bis zu zehn und mehr Großproduktionen pro Jahr zum Erfolg machen.

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