5 Ray Harryhausen-Monster, die mehr Charme haben als moderne CGI

© 1981 Warner Bros. Ent.

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5 Ray Harryhausen-Monster, die mehr Charme haben als moderne CGI


31.07.2016
FANTASY | KULT | MONSTER |

Wie oft kann ein junger Mensch einen Film schauen, bevor dieser bleibende Schäden bei ihm hinterlässt? Ich frage nur, weil ich damals mit einem Freund, immer beim Mittagessen bei dessen Oma, Kampf der Titanen geschaut habe. So gefühlte tausend Mal. Meine Kindheit war also nicht unwesentlich mit Knetgummimonstern eines gewissen Ray Harryhausen bevölkert, der leider vor etwas über 3 Jahren in London verstorben ist.


Ich verehre diesen Mann ähnlich fanatisch wie Tolkien, Gary Gygax und andere Fantasy-Größen, die mir mit ihrer Kreativität und Leidenschaft meine Kindheit so viel abenteuerlicher und märchenhafter gestaltet haben. Ähnlich wie ich, war Harryhausen schon immer von Dinosauriern, Aliens und mythologischen Wesen fasziniert. Doch im Gegensatz zu mir, hat er nicht nur von Begegnungen mit diesen Kreaturen geträumt, sondern seine Visionen mit der damals revolutionären Stop-Motion-Technik zum Leben erweckt und damit andere kreative Genies wie George Lucas und Steven Spielberg inspiriert und geprägt. Guter Mann.

Das ist eben der Unterschied zwischen einem Sesselpupser und einem visionären Filmemacher. Danke Ray, dass Du zu letzteren gehörtest und uns mit Deiner Armee von Fabelwesen um den Verstand fasziniert hast. Aus heutiger Sicht mögen die Trickeffekte des Harryhausen im direkten Vergleich zur mittlerweile perfektionierten CGI veraltet und ein wenig „ungelenk“ wirken, doch für mich haben sie nichts von ihrem Charme eingebüßt. Nicht nur, dass tausende von Arbeitsstunden und Herzblut in die einzeln fotografierten Bewegungen der Monster eingeflossen sind - die außerweltliche und verstörende Andersartigkeit ihrer Bewegungen passte auch zu den Viechern. Ich meine, wer weiß schon wie sich ein riesiges Seeungeheuer oder eine zum Leben erweckte Statue bewegt? Vielleicht sieht das genauso aus! Oder vielleicht würden Menschen es so wahrnehmen, weil das Adrenalin des Fight or Flight-Reflexes ihnen die Sinne vernebelt?

So oder so möchte ich im Folgenden fünf Lanzen brechen für schaurig-schöne Trickeffekte, die mir damals wie heute angenehme Schauer über den Rücken jagen. Da Mr. Harryhausen schon 1949 erste Schwarzweiß-Monster auf die verblüffte Menschheit losließ, käme es einer Sisyphos-Aufgabe gleich alle Auswüchse seiner unglaublichen Handwerkskunst hier vorzustellen. Deshalb werde ich mich auf 5 ausgesuchte Kreaturen meiner beiden Lieblingsfilme beschränken, die eine jüngere Version von mir auf die beste nur mögliche Weise versaut und mich zu dem Fantasy-Narr gemacht haben, der heute diesen Artikel tippen darf.

Dabei handelt es sich um The Golden Voyage of Sinbad (Sindbads gefährliche Abenteuer, 1974), dessen mannigfaltige Wesen aus Tausendundeiner Nacht mich in jungen Jahren fast genauso verzaubert haben wie das Dekolleté von Caroline Munro, die ich neulich auf der German Comiccon kennen lernen durfte; sowie um Clash of the Titans (Kampf der Titanen, 1981), der genialen Verfilmung der Perseus Saga von Desmond Davis. Schnallt euch an, es geht los:

Sechsarmige Statue der Todesgöttin Kali

aus The Golden Voyage of Sinbad (1974) - © 1958, renewed 1986 Columbia Pictures Industries, Inc. All Rights Reserved.

Sechs Arme zu haben muss toll sein. Computerspielen, ein Bier öffnen, sich die Haare Föhnen und am Knie kratzen, alles gleichzeitig! Super! Andererseits dürfte die Koordination nicht einfach sein und ich hätte schnell einen Knoten in den Armen. Vielleicht hat es ja doch einen guten Grund, dass Menschen nur zwei Arme haben. Bei der Statue der Todesgöttin Kali sieht das jedoch schon ganz anders aus. Harryhausen schafft es sie mit sechs Säbeln gegen Sindbad und seine Crew kämpfen zu lassen, ohne dass sich ihre Arme dabei selbst im Weg sind. Eine atemberaubende Szene, die unfassbar schwer zu animieren gewesen sein muss. Hut ab, vor diesem anmutigen Tanz des Todes.

 

Zum Leben erweckte Galionsfigur


Wie sich die Galionsfigur unter Knirschen und Bersten der Schiffsplanken von ihrem Ausguck befreit, ist damals wie heute großes Kino. Allein die Art wie sich die Ausdruckslosigkeit ihres Gesichtes mit der Anstrengung auf dem Gesicht des Magiers kontrastiert, der sie mittels seiner eigenen Lebensenergie zum Leben erweckt, ist grandios inszeniert. Und tatsächlich wirkt die Stop-Motion-Technik hier nicht befremdlich, sondern unterstützt noch den Effekt eines sich kantig bewegenden Golems aus Holz. Bei anderen belebten Objekten aus dem Harryhausen-Universum, wie dem Giganten Talos oder dem Metall-Minotaurus „Minoton“, ist der Effekt ebenfalls mehr zuträglich als abträglich und sorgt für eine angenehme Gänsehaut.

aus The Golden Voyage of Sinbad (1974)

 

Die mechanische Eule Bubo


Jetzt nehmen wir uns zur Abwechslung aber mal einen etwas freundlicheren Gesellen vor, bevor wir uns weiteren Gruselmonstern widmen. Die mechanische Eule, die auf den lustigen Namen „Bubo“ hört, wurde vom Götterschmied Hephaestus konstruiert und Perseus geschenkt als Ersatz für die Tarnkappe, die der Tollpatsch im Sumpf des Calibos verloren hatte. Das fliegende Symbol der Weisheit aus Blech dient Perseus nicht nur als Wegweiser, sondern auch zur Belustigung des Zuschauers. Wenn die kleine Eule beim ersten Zusammentreffen mit dem Sohn des Zeus erst mal gegen einen Ast fliegt und benommen liegen bleibt, kann doch niemand anders, als sie sofort ins Herz zu schließen, oder? 

aus Clash of the Titans (1981) - © 1981 Warner Bros. Ent.

 

Die Gorgone Medusa


Heilige Mutter Theresa mit Schlangenhaaren! Wie gruselig die Szene in Medusas Tempel war! Wir sprechen hier nicht von Hui Buh-das Schlossgespenst-gruselig, sondern von heiliger Bimbam-ich will hier nur noch raus-gruselig. Wie Harryhausen sie sich bewegen lässt, ist ein Fleisch und Schuppen gewordener Alptraum. Entweder schiebt sie ihren Körper mit dem monströsen Schlangenunterleib voran oder sie zieht sich in bester Zombie-Torso-Manier mit den Armen voran. Grauenvoll schön! Doch das Beste an ihr ist natürlich der Versteinerungsblick, der auch nach ihrem Tode noch funktioniert und das Seeungeheuer in die teuerste Gartenstatue aller Zeiten verwandelt. Und dieses Gesicht, wenn Medusa ihren Blick einsetzt! Die Leuchtenden Augen und der aufgerissene Mund, als hätte sie sich gerade das erste Mal selbst als grottenschlechten Spezialeffekt im Kampf der Titanen-Remake von 2010 erblickt. Horror pur!

aus Clash of the Titans (1981) - © 1981 Warner Bros. Ent.

 

Poseidons Seeungeheuer, der Kraken

Eine Göttin macht man besser nicht wütend, sonst lässt sie Deine Liebste an einen Felsen ketten und von einem haarsträubenden Seeungeheuer fressen. Frag Perseus, dem ist es passiert. Doch natürlich kann Perseus, der Lieblingssohn des Zeus, bis an die Zähne mit magischen Geschenken der Götter ausgerüstet, auf Pegasus heran eilend und mit dem Haupt der Medusa bewaffnet, den Kraken platt machen. Doch bevor ihm das gelingt, ist es eine Freude dem Koloss in seinem natürlichen Element zuzusehen. Die Kameraaufnahmen, wie Poseidon ihn aus seinem Unterwasserkäfig entlässt und sich sein kolossaler Fischkörper an der Kamera vorbei wälzt, ist, nach wie vor, atemberaubend. Passender Weise ist dies Harryhausens letzter, größter und bester Spezialeffekt im letzten Film, an dem er mitwirkte. Ein würdiges Titanen-Monster zum Abschluss einer kolossalen Karriere. Mir stockt immer noch vor lauter Erhabenheit der Atem, wenn es heißt: Release the Kraken!

aus Clash of the Titans (1981) - © 1981 Warner Bros. Ent.

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