Interview mit V.E. Schwab, der Autorin von "Vier Farben der Magie"

© Kent Schwab 2013 / Pete Linforth - pixabay

INTERVIEW

„Ich will einfach an Magie glauben.“: Ein Interview mit V.E. Schwab über "Vier Farben der Magie"


V. E. Schwab hat sich mit der "A Darker Shade Of Magic"-Fantasy-Trilogie in den USA bereits eine große Fangemeinde erschrieben. Gerade ist der erste Band "Vier Farben der Magie" auch in Deutschland in die Läden gekommen. Wir hatten Gelegenheit, der quirligen Jungautorin ein paar Fragen zu ihrem Roman zu stellen.

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TOR ONLINE: Wer genau versteckt sich eigentlich hinter V. E. Schwab? 

V.E. Schwab: Also, ich bin eine 29-jährige Autorin, die in ihrer Freizeit wahnsinnig viel liest (ca. 100 – 110 Bücher im Jahr) und die gern mit Freunden ins Kino geht. Außerdem ist es mir sehr wichtig, mich fit zu halten. Irgendwie kann mein Kopf besser arbeiten, wenn sich auch mein Körper gesund anfühlt. Daher gehe ich schwimmen, fechten, laufen. Ihr werdet mir also nur selten brav auf dem Stuhl sitzend begegnen, außer natürlich ich arbeite gerade am nächsten Buchprojekt.

Du hast vorher viele Buchprojekte für jüngere Leser geschrieben. Wie kam es zur dazu, dass du mit “Vier Farben der Magie” erwachsener geworden bist?

Für mich stellt das gar keine so große “Veränderung” da. Ich schreibe ja immer noch Jugendbücher. Jetzt schreibe ich auch für Erwachsene. Und tatsächlich sprechen meine Ideen und Geschichten ja eine recht breite Leserschaft an – meine Jugendbücher werden auch von Mittdreißigern gelesen und andersherum, ganz egal in welchem Regal der Buchhandel sie einordnet. Und statt meine Schreibe an die potenziellen Leser anzupassen, will ich lieber mir selbst und der Geschichte, die ich erzählen will, treu bleiben. Bisher bin ich damit ja ganz gut gefahren. Meine Romane haben ihre Leser immer ganz gut gefunden.

“Vier Farben der Magie” ist der erste Band einer Fantasy-Trilogie, die auf der Idee basiert, dass man zwischen vier verschiedenen Welten hin und her springen kann. Dabei ist das Zentrum London. Warum ausgerechnet London?

Meine Familie kommt ursprünglich aus Großbritannien, und ich erinnere mich noch, wie es war, als ich das erste Mal als Kind dorthin gereist bin, wie ich gemerkt habe, wie viel Geschichte in diesem Land und gerade in London steckt, wie ich mich gewundert habe, dass so geschichtsträchtige Bauwerke direkt neben moderner Architektur stehen. Dort war die Geschichte nicht vergessen oder verloren gegangen. In dieser Stadt hat man einfach den Eindruck, dass die Zeitalter, wie die verschiedenen Schichten einer Torte, übereinander liegen. London war für mich das Tor zu genau diesem Gefühl.

Wenn du “Vier Farben der Magie” nur in einem einzigen Satz beschreiben müsstest, wie würde er lauten?

Magier, Diebe, Prinzen und Piraten – eine Liebesbrief an Harry Potter, nur einen Hauch düsterer.

Woher kommt die Idee des Weltenwanderns?

Nun, die meisten meiner Romane spielen mit Grenzen, Türen, dem Dazwischen. Ich habe einfach festgestellt, dass ich mich bisher an Parallelwelten noch nicht herangewagt hatte. Und die Weltenwanderer-Trilogie bot einfach die perfekte Gelegenheit dazu ;)

Was war das Schwierigste daran, die vier Londons zu entwickeln?

Das Schwierigste daran war wohl, die Welten so stark abzugrenzen wie möglich und gleichzeitig ihre Zusammengehörigkeit, also das Gefühl eines großen Ganzen, aufrechtzuerhalten.

Welche Szene, welche Figur oder welcher Ort hat dir beim Schreiben am meisten Spaß gemacht?

Die beiden Figuren, die ich in der Weltenwanderer-Trilogie am liebsten entwickelt und geschrieben habe, sind ganz klar Prinz Rhy und Holland, der weiße Antari.

Wenn du dir aussuchen könntest, in welche Rolle du schlüpfen möchtest – welche wäre es?

Ich wäre Lila Bard. Von allen Figuren im Buch erlebt – und genießt – sie die meisten Abenteuer (und hat auch den meisten Ärger am Hals, aber sie schafft es immer wieder, sich aus prekären Situationen herauszumogeln).

Wenn du die Chance hättest, noch einmal in der Zeit zurückzureisen und noch eine letzte Änderung am Manuskript machen zu dürfen, bevor der Roman in den Buchhandlungen landet, würdest du es tun?

Nein. Ganz ehrlich: Vier Farben der Magie ist sicher nicht perfekt, aber ein Buch ist gewissermaßen immer eine Momentaufnahme – nicht nur des Autors, sondern auch der Zeit, und der Person, die der Autor zu dem Zeitpunkt des Schreibens war. Und das ist gut so.

Inzwischen hast du die Weltenwanderer-Trilogie beendet, in den USA ist schon der dritte Band “A Conjuring of Light” erschienen. Hattest du von Anfang an geplant, Kells Geschichte in drei Bänden zu erzählen?

Tatsächlich ist es ja nicht nur Kells Geschichte, sondern auch Lilas und Hollands. Ich wusste auf jeden Fall, wie es enden sollte, bevor ich mit dem Schreiben begonnen hatte. Und mir war klar, dass es mehr als zwei und weniger als fünf Bücher werden würden, aber es war ein längerer Prozess herauszufinden, wie viele Worte man braucht, um diese Geschichte wirklich zu erzählen. Im Endeffekt bin ich ganz froh, dass es auf eine Trilogie hinausgelaufen ist.

Gerade wurden die Filmrechte an “Vier Farben der Magie” an Sony Pictures verkauft. Wie fühlt sich das an?

Ich glaube erst daran, dass es einen Film von Vier Farben der Magie gibt, wenn ich im Kino sitze und ihn mir anschauen kann. Bis dahin ist das alles zwar sehr aufregend und natürlich fühlt man sich geehrt. Aber der Trick bei solchen Geschichten ist, dass man zwar hoffnungsvoll sein darf, aber keine zu großen Erwartungen daran knüpfen sollte.

Viele deiner Romane haben phantastische Elemente. Was treibt dich dazu, immer wieder auf die Genres Fantasy und Science Fiction zurückzugreifen?

Ich habe mir mein Leben lang, immer und immer wieder gewünscht, dass die Welt wunderlicher wäre, als sie es tatsächlich ist. Also habe ich angefangen zu schreiben, und Welten zu erfinden, die so sind, wie ich sie mir herbeigesehnt habe. So einfach ist das. Ich will einfach an Magie glauben.

Und eine letzte Frage noch: Woran arbeitest du gerade?

Ich habe gerade Verschiedenes auf dem Schreibtisch und darf über die meisten noch nicht sprechen. Aber es wird einen neuen Young-Adult-Roman mit dem Titel “Our Dark Duet” geben, der auf Englisch im Juni in die Läden kommt. Außerdem bin ich gerade dabei, eine “Collector’s Edition” für die Weltenwanderer-Trilogie zusammenzustellen, mit neuen Geschichten und Extramaterial. Und dann schreibe ich gerade noch an Vengeful, einem Sequel zu meinem ersten YA-Roman Vicious.

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