Fünf Bücher über die magischen Seiten von London

© HypnoArt / pixabay

KOLUMNE

Fünf Bücher über die magischen Seiten von London


London ist eine faszinierende Stadt. Wenn man in ihr unterwegs ist, kann man ihren pulsierenden Herzschlag spüren. Ein Herzschlag, der auch viele Autoren inspiriert. Die amerikanische Autorin V. E. Schwab sogar so sehr, dass sie für ihren Roman Vier Farben der Magie nicht nur ein, sondern gleich vier Alternativ-Londons geschaffen hat, mal mehr, mal weniger magisch. Heute legen wir euch fünf Bücher ans Herz, die die britische Hauptstadt ebenfalls aus ganz ungewöhnlichen Blickwinkeln betrachten:

Niemalsland von Neil Gaiman
Die Flüsse von London von Ben Aaronovitch
Lycidas von Christoph Marzi

Niemalsland von Neil Gaiman

Es ist unmöglich, einen solchen Artikel zu schreiben, ohne auf Neil Gaimans Kultklassiker Niemalsland einzugehen. Gaiman war einer der ersten, der die Tore zu Unter-London aufgestoßen hat, zur Stadt unter der Stadt. Bei ihm ist das eine ebenso faszinierende wie abstoßende Welt, in der gefallene Engel, verkommene Adelige und Zauberwesen Seite an Seite mit Wahnsinnigen und Mördern leben. Sie spinnen in U-Bahnschächten und auf Feenmärkten ihre Intrigen.

Es gibt jedoch nur wenige, die zwischen unserem London und Unter-London reisen können. Zu ihnen gehört Door, eine rätselhafte junge Frau, die im wahrsten Sinne des Wortes die Tür zur Handlung ist. Die eigentliche Hauptrolle spielt aber das magisch verzerrte Spiegelbild des U-Bahnsystems der Weltmetropole.

Neverwhere, wie der Roman im Original heißt, erschien seinerzeit parallel zur Erstausstrahlung der gleichnamigen TV-Serie, die ebenfalls vom Autor konzipiert wurde.

Darüber hinaus wurde das Buch als Graphic Novel adaptiert und als hochkarätig besetztes Hörspiel, mit James MacAvoy und Natalie Dormer in den Haupt- sowie Christopher Lee und Gaiman selbst in Nebenrollen. Zur großen Freude seiner Fans hat Neil Gaiman im Februar bekannt gegeben, dass er an einer Fortsetzung des Romans schreibt, die den Titel The Seven Sisters tragen soll.

 

Die Flüsse von London von Ben Aaronovitch

Was, wenn die Flüsse von London mehr wären als leblose Wasserstraßen? Was, wenn sie beseelt wären von Flussgottheiten? Und was, wenn noch mehr übernatürliche Wesen in London lebten?

Mit diesen Fragen schlägt sich Peter Grant herum, eben noch ein ganz gewöhnlicher Police Constable, im nächsten Augenblick der erste Zauberlehrling der britischen Polizei und im Dienst der Krone. Ben Aaronovitchs Serienheld befragt Geister, um Verbrechen aufzuklären, schlichtet Streitigkeiten zwischen den Flussgöttern Mama und Papa Themse, ermittelt in übernatürlichen Mordfällen und hat darüber hinaus alle Hände voll damit zu tun, sich eine FBI-Agentin mit militant religiöser Einstellung vom Hals zu halten. Die Fangemeinde der Urban Fantasy-Reihe, die mit Die Flüsse von London begann, wächst stetig. Im Mai 2017 erscheint der sechste Band: Der Galgen von Tyburn.

 

Hexendreimaldrei von Claudia Toman

In Claudia Tomas Debütroman Hexendreimaldrei stellt sich London als jener Ort heraus, in dem die Hexenvereinigung WWS ihren Hauptsitz hat. Die ist zwar überaus geheim, trotzdem findet Olivia deren Kontaktdetails im Internet. Mit einem Frosch in der Handtasche macht sich die junge Österreicherin auf den Weg nach Großbritannien, um sich dort mit der mysteriösen Lady Grey von der WWS zu treffen. Schließlich muss sie einen Weg finden, den Frosch wieder in einen Mann zurück zu verwandeln, nachdem sie diesen in einer Kurzschlussreaktion verwünsch hatte.

Ihr ahnt es: Hexendreimaldrei ist Chick Lit mit magischen Elementen, augenzwinkernde Urban Fantasy für LeserInnen, die Märchen ebenso gern mögen wie Sex and the City. Claudia Toman schreibt einfallsreich und eigenwillig – und authentisch. In jeder Zeile ist deutlich spürbar, wie gut die Autorin London kennt und wie sehr sie die Stadt liebt. So wird das Setting für die Leser transparent – egal, ob sich Olivia gerade vor berühmten Londoner Theaterhäusern herumtreibt oder in den zwielichtigen Fluren der WWS.

 

Die Uralte Metropole von Christoph Marzi

Christoph Marzis Version von Londons magischer Anderswelt nennt sie die Uralte Metropole. In ihren Tiefen hausen Werwölfe und Vampire, sprechende Ratten, Engel, Elfen und Teufel. Dort, wohin das Licht der Sonne niemals vordringt, gibt es gar einen direkten Zugang zu den zehn Kreisen der Hölle aus Dantes Göttlicher Komödie.

Emily Laing, zunächst Waisenkind und später Ziehtochter eines Alchemisten, taucht immer wieder ein in diese faszinierende Parallelwelt. Dabei gerät sie in den alten Schächten und der Kanalisation auf Konfrontationskurs mit Spinnenmenschen, Geheimgesellschaften, indischen Dämonen und altägyptischen Göttern.

Lycidas und seine Nachfolger lesen sich wie eine Kreuzung aus Charles Dickens Oliver Twist und Neil Gaimans Niemalsland. Marzis bewusst antiquiert anmutender Stil ist zudem nicht jedermanns Sache. Aber mit Voranschreiten der Handlung gelingt es ihm, ein eigenes Universum zu schaffen, das einen, hat man sich einmal in seinem Zauber verloren, immer wieder zu sich lockt. Vor kurzem erschien mit London der fünfte Band der Reihe.

 

Der Ruf des Henkers von Björn Springorum

London hat schon immer die unterschiedlichsten Gestalten angezogen. Und da sich ganz in ihrer Nähe einer der letzten Zugänge zum Feenreich befindet, tummeln sich auch überaus gefährliche Wechselbälger als Menschen getarnt unter der Stadtbevölkerung. William Calcraft, der gefürchtetste Henker Londons, und sein Lehrling Richard versuchen, im London des 19. Jahrhunderts die zwielichtigen Gestalten zu finden und zur Strecke zu bringen, ehe sie zu großen Schaden anrichten. Denn in Björn Springorums Der Ruf des Henkers sind Feen keine liebenswürdigen Geschöpfe, sondern richtig unheimlich.

Dieses Buch wird euch gefallen, wenn ihr es düster mögt und die Atmosphäre des viktorianischen Londons zu schätzen wisst. Denn diese – vom Künstlerviertel in Covent Garden bis hin zu den verdreckten Gassen von Whitechapel – beschreibt der Autor äußerst greifbar.

Share:   Facebook