Versuchs mal mit Science Fiction: Ein paar Buchtipps für Fantasyfans

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Versuchs mal mit Science Fiction: Die besten Science-Fiction-Bücher für Fantasyfans


Du magst Fantasy, aber keine Science Fiction? Und du hast Probleme mit dem Weltall-Gedöns, den albernen Außerirdischen und dem prolligen Tech-Talk? Aber vielleicht hast du nur das falsche Buch erwischt. Zeit, dem Genre eine zweite Chance zu geben.

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Gehörst du auch zu den Lesern, die sich ausschließlich für Fantasy interessieren und im Buchladen die SF-Regale skeptisch beäugen? Vielleicht hast du ja sogar schon mal darüber nachgedacht, dem Ganzen eine Chance zu geben, doch dann war die Vorstellung von Raumschiffen und Außerirdischen doch irgendwie nicht so recht ansprechend. Oder du hast es gewagt und warst total abgetörnt. Dabei ist aber immer noch dieses leicht nagende Gefühl da, dass du etwas verpassen könntest. Du willst diesem Science Fiction Ding doch noch mal eine Chance geben, weißt aber nicht wo du anfangen sollst?

So erging es mir vor drei Jahren. Ich liebe Science-Fiction-Filme, aber ich habe so gut wie nie einen SF-Roman in der Hand gehabt. Das mag an einer Kombination von Umständen gelegen haben: ich war furchtbar fokussiert auf den Bereich Fantasy und hatte einfach keine Zeit und keinen Platz für etwas anderes; ich fand die Cover total unansprechend; und am wichtigsten – ich hatte mit dem Genre eine schlechte Erfahrung gemacht.

Ich hatte mir als Teenager einmal einen ziemlich miesen Sci-Fi-Roman zugelegt und war dabei direkt in eine verwirrende Geschichte voller Alien-Sprachen und seltsamer Worte gestolpert, in der abschreckende Charaktere durch eine leere und farblose Welt wanderten. Nichts davon ergab für mich einen Sinn und die Geschichte deprimierte mich irgendwie, also legte ich das Buch beiseite. Und entschied, dass die Science Fiction nicht zu mir passte.

Über zehn Jahre später wollte ich der SF doch noch mal eine Chance geben. Andere Fantasy-Fans hatten in ihren Kommentaren oftmals SF-Geschichte erwähnt, und ich war dem Genre auf Conventions, in Buchhandlungen und auf Webseiten als direktem Nachbar der Fantasy begegnet. Da dachte ich, es sei wohl an der Zeit die „andere Seite der Medaille“ einmal genauer unter die Lupe zu nehmen und herauszufinden, was all die Aufregung sollte.

Also begann ich damit SF zu lesen. Und fand schnell Romane, die ich liebte – sogar welche die ich verehrte. Ich nahm sogar ein paar Science-Fiction-Werke in die Liste meiner absoluten Favoriten auf. Im Verlauf lernte ich ein paar Dinge über die SF, die Fantasy-Liebhabern dabei helfen könnten, wenn sie sich auch auf ein solches Abenteuer im Schwesterngenre einlassen wollen.

Der Wüstenplanet von Frank Herbert
Fremder in einer fremden Welt von Robert A. Heinlein
Enders Spiel von Orson Scott Card

Fang nicht mit den Klassikern an

Es gibt viele Online-Foren, in denen man Fragen wie diese finden kann: „Ich habe noch nie Science Fiction gelesen und möchte es gerne einmal ausprobieren – womit sollte ich anfangen?“ Unweigerlich gibt es darauf einen Zustrom von Antworten, in denen die Klassiker des Genres, von Der Wüstenplanet (Frank Herbert, 1963) bis Fremder in einer fremden Welt (Robert Heinlein, 1961) oder Der Jahrtausendplan (Isaac Asimov, 1966) genannt werden. Das sind zwar alles wichtige Werke, die von einer großen Zahl von Lesern genossen wurden, aber sie sind eben nicht ideal für den Start ins Genre. Das wäre in etwa so, als würde man jemanden, der noch nie einen Fantasy-Roman gelesen hat, direkt auf den Herrn der Ringe (J.R.R. Tolkien, 1954/55) oder den Elric von Melniboné-Zyklus (Michael Moorcock, 1961) loslassen. Ja, das sind wichtige Geschichten und die Vorväter des Genres, aber sie sind jetzt nicht gerade besonders zugänglich oder gar einfacher Lesegenuss für einen Genre-Neuling. Eine Ausnahme wäre etwa Das große Spiel (Orson Scott Card, 1985), da man leicht in den Roman eintauchen kann und er sich flüssig lesen lässt, obwohl er als Klassiker gilt. 

Mein Vorschlag wäre daher, dass man sich die Klassiker aufheben sollte, bis man sich ein wenig mit moderneren und einfacheren Stoffen eingelesen hat, auf den Geschmack gekommen ist und der Wunsch nach mehr da ist.

Fang mit etwas Spannendem und Anregendem an

Such dir zum Anfang einen Science-Fiction-Roman, der mit einer Prämisse aufwarten kann, die dich reizt, oder mit einem Buch von dem du schon gehört hast, dass es eine „ich kann es einfach nicht weglegen“-Erfahrung sein wird. Wenn du schon mit Zweifeln an die Sache herangehst, dann ist ein Buch, das sich ganz langsam steigert und wo man durch die ersten 50 Seiten waten muss, bevor es mal endlich losgeht, vielleicht nicht unbedingt das richtige. Das gleiche gilt für Bücher, in denen dich Charaktere oder das grundlegende Thema eher nicht interessieren.

Misch mal was unter, was du magst

Magst du besonders Fantasy für Young Adults, oder hast du ein Faible für Romance in deiner Fantasy-Kost? Warum also solltest du diese Vorlieben nicht auch in die Science Fiction übertragen können? Lies doch einfach eine Young-Adult-SF oder eine SF-Romance...

Egal ob du deine Fantasy nun düster oder leicht magst, ob du männliche oder weibliche Protagonisten bevorzugst (oder beides, oder irgendwas dazwischen), oder eine klare Idee davon hast, wie viel Kampf und Action im Roman vorkommen darf – es wird auch in der Science Fiction Romane geben, die diesen Geschmack treffen. Nicht umsonst ist das Genre genauso breit und mit ebenso vielen Subgenres versehen wie die Fantasy.

Hol dir Buchtipps – von Leuten, deren Geschmack du traust

Wenn du jemanden kennst, der einen ähnlichen Buchgeschmack hat wie du und der Science Fiction liest, dann frag unbedingt nach Lesetipps. Welche SF-Romane würde man dir zum Lesen empfehlen? Was könnte dir gefallen?

Ich persönlich würde folgende Werke empfehlen: Das große Spiel, Ready Player One (Ernest Cline, 2017), Der Marsianer (Andy Weir, 2011), Die Maschinen (Ann Leckie, 2013), New World – Die Flucht (Patrick Ness, 2008). Wobei das natürlich nur meinen eigenen Geschmack spiegelt und dir nicht unbedingt gefallen muss.

Versuchs mal mit Science Fantasy

Wenn dir Science Fiction als Sprung ins tiefe Becken vorkommt, dann versuch doch erst einmal den Fuß mit einer Mischung beider Genres ins Wasser zu halten. Science-Fantasy-Romane verbinden die Tropen und Themen der Fantasy und der Science Fiction und weben Magie und Wissenschaft ineinander, oder fühlen sich nach Fantasy an, obwohl sie im Grunde Science Fiction sind. Ein paar gute Science Fantasy Romane, die mir einfallen sind New World – Die Flucht, Blightborn (Chuck Wendig, 2014, keine dt. Übersetzung), Wie Monde so silbern (Marissa Meyer, 2014).

Die Maschinen von Ann Leckie
New World: Die Flucht von Patrick Ness
Ernest Cline: Ready Player One

Denk dran, es gibt mehr als Raumschiffe und Aliens

Wenn du mal jemandem begegnet bist, der Fantasy mit den Worten abgetan hat, dass es ja nur Bücher sein, in denen Drachen und Magier mitspielten, und dann diesen Stich der Frustration gespürt hast, dann frag dich mal, ob du nicht das selbe mit Science Fiction anstellst. Ja, es gibt im Genre öfter Geschichten von Reisen durchs All oder Außerirdischen, aber eben nicht nur. Denk doch mal an die tollen Science-Fiction-Filme, die es gibt und in denen das auch nicht vorkommt – Minority Report (2002), Edge of Tomorrow (2014), Matrix (1999), Inception (2010), WarGames – Kriegsspiele (1983), I, Robot (2004), Jurassic Park (1993). Viele davon basieren auf einer Romanvorlage.

Und selbst die SF-Romane, die zu erwartende Klischees bedienen, können dies auf sehr interessante Weise tun und weitaus komplexer, tiefer und unterhaltsamer sein als ein abwertender Zweizeiler es vermuten ließe. Wenn es also um die Science Fiction geht, dann denk groß und enge deinen Fokus nicht unnötig ein und konzentriere dich nicht auf eine Art von Buch.

Wenn’s nicht klappt, dann hast du es wenigstens probiert

Wenn du eine Variation von SF-Romanen durchhast – welche, die du ansprechend fandest oder deren Thema dich interessiert hat, welche, die von anderen Leute gelobt wurden oder die enge Freunde mit ähnlichem Geschmack dir empfohlen haben, und du dann das Genre immer noch nicht magst ... nun gut, dann hast du es aber wenigstens versucht. Wenn du dann jemandem sagst, dass du keine Science Fiction magst, dann basierst du deine Meinung nicht auf einem vagen Gefühl des Misstrauens oder auf dem einen Buch, dass du mal vor Urzeiten gelesen hast.

Wenn deine Erfahrung damit jedoch wie meine abläuft, dann wirst du eine Leidenschaft für ein neues und bislang unentdecktes Genre finden, für großartige Geschichten, interessante Welten und tolle Charaktere. Und während die Fantasy weiterhin deine erste und größte Liebe ist, so wirst du doch feststellen, dass du ab und zu zur anderen Seite der Buchregale wanderst ... diesmal jedoch mit einen Gefühl von Wertschätzung für das, was du dort entdeckst. 


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© Nicola Alter 

Übersetzt von Lars Schmeink 

Dieser Artikel erschien zuerst auf: http://fantasy-faction.com

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