Interview mit Autor Bernd Frenz

INTERVIEW

Interview mit Bernd Frenz über den Auftakt der Völkerkriege-Trilogie »Der Groll der Zwerge«


Zwerge, Elfen, Trolle und Orks – endlich eine Völker-Fantasy, in der sie alle vertreten sind! Soeben ist Band 1 der Völkerkriege-Trilogie »Der Groll der Zwerge« (FISCHER Tor) erschienen, in dem ein alter Konflikt zwischen Zwergen und Elfen wieder auflebt. Wir haben den Autor Bernd Frenz dazu befragt.

 

TOR-Online: Beschreibe »Der Groll der Zwerge« in einem Satz.

Bernd Frenz: Es handelt sich bei dem Roman um eine Mischung aus Herman Wouks »Winds of War« (Feuersturm) und »Call of Duty«, nur eben mit Zwergen, Elfen, Orks und Trollen. Und Menschen. :)

Die Romanreihe »Die Völkerkriege« wird gemeinhin als Völker-Fantasy bezeichnet, in dessen Umfeld auch viele andere deutsche Autoren aktiv sind. Warum brauchen wir noch mehr Zwerge, Elfen und Orks?

Weil sie ganz einfach gute Archetypen sind, mit denen sich tolle Geschichten erzählen lassen. Ich sehe diese Art der Fantasy immer ein bisschen als die Fortsetzung des klassischen Abenteuerromans mit anderen Mitteln, die von einer ausgewogenen Mischung an ungewöhnlichen und mitunter auch skurrilen Charakteren sowie einer abwechslungsreichen Handlung lebt. In der es also düster und gewalttätig zugehen kann, aber auch Humor aufblitzen darf, und in der es unbedingt ein paar positive Figuren geben muss, die einem im Laufe der Handlung ans Herz wachsen. Während sich die meisten Völker-Romane dabei auf eine Auswahl an Völkern konzentrieren, so wie ich es selbst z. B. in der Blutorks-Trilogie mit den Orks und den Elfen gemacht habe, treten in »Die Völkerkriege« tatsächlich alle bekannten Fantasy-Völker gegeneinander an. In wechselnden Koalitionen und in einem großen Clash, wie es ihn so noch nie gegeben hat.

In dem ersten Roman deiner Völkerkriege-Trilogie treffen wir auf sehr unterschiedliche Charaktere. Welches sind die wichtigsten Figuren?

Da gibt es zunächst einmal Binek – ein Halbblut, das keinen Mord begehen will und das zwischen die Fronten der aufmarschierenden Zwerge und Elfen gerät. Dann wäre da noch Orm – ein grimmiger Zwerg, der in dem sich anbahnenden Krieg die Möglichkeit sieht, wieder zu alter Würde zurückzufinden. Außerdem hätten wir noch Eyron – einen stolzen Elfen, der als Hauptmann der Silbergarde großen Wert auf Traditionen legt, selbst wenn sie seinem Volk mehr schaden als nutzen. Und auch Avea und Neene spielen eine große Rolle, die ihrem Volk als Heilerin und Priesterin große Dienste erweisen und dennoch ihre Liebe zueinander vor den übrigen Elfen verbergen müssen, um nicht ihre Stellung zu gefährden.

Wenn du eine Figur aus diesem Roman sein dürftest, welche wärst du dann?

Ich wäre gerne wie Binek, fühle mich manchmal wie der Söldnerelf Ascan und ähnle von außen betrachtet wohl am ehesten dem verschrobenen Gohlik.

Welche Figur oder Szene war für dich am schwierigsten herauszuarbeiten? Welche ist dir besonders leicht gefallen?

Eine besonders schwierige Figur gab es für mich nicht. Das ist ja das Schöne daran, eigene Romane zu schreiben! Dass man die Figuren so gestalten kann, dass sie einem alle gefallen, ganze egal, ob sie nun gut oder böse, gutmütig oder durchtrieben, alt oder jung, männlich oder weiblich sind. Mit unbequemen Charakteren bekommst du es als Autor meistens zu tun, wenn du für einen bereits bestehenden Kosmos, eine etablierte Serie oder – für mich persönlich am schlimmsten – nach einem Fremdexposé arbeitest. Bei meinen beiden Hardcovern zu der Serie »Die Abenteurer« haben mir z.B. einige Figuren nicht so gut gelegen, weil sich mir ihre Motivlage nicht erschlossen hat bzw. weil ich Charaktere, die ich als eher anmaßend und unsympathisch empfunden habe, trotzdem als coole Typen darstellen musste. Umgekehrt mussten sich natürlich auch schon Kollegen mit von mir erfundenen Figuren herumplagen. Das ist die ausgleichende Gerechtigkeit, wenn du an einer Serie mitarbeitest.

Was jetzt die Szenen in »Der Groll der Zwerge« angeht, so sind mir die mit Ascan besonders flott über die Tastatur gegangen. Ein verstoßener Elf, der mit den Orks gemeinsame Sache macht – das liegt mir offensichtlich.

Deine Phantastik-Laufbahn begann vor fast 20 Jahren. Dich kann man also ohne Übertreibung als Urgestein in der Fantasy-Szene bezeichnen. Wie bist du überhaupt zum Schreiben gekommen?

Urgestein? Ist das eine freundliche Umschreibung für Alter Haudegen? Aber ihr habt schon recht, im September 1998 ist mit »Der Hexenkrieg« mein erster Roman erschienen, den ich an einen großen Verlag verkaufen konnte. 1.300,- DM gab es damals dafür und die Hoffnung, dadurch mit einem Bein im Profi-Lager zu stehen. Natürlich habe ich aber schon vorher fleißig Phantastik geschrieben. Mir ging es da vermutlich wie den meisten Autoren: Ich habe mir schon von klein auf gerne Geschichten ausgedacht. Die erste längere Story – ein Western – habe ich ungefähr mit vierzehn verfasst. Natürlich noch mit der Hand. Abgetippt habe ich den aber nie, und so liegt der entsprechende Schreibblock immer noch in irgendeinem Karton im Keller meines Elternhauses. Ein paar Jahre später entdeckte ich am Kiosk eine Heftromanserie namens »Der Hexer«. Bis dahin hatte ich eigentlich nur Bücher gelesen, aber angefixt von den tollen Covern und dem Setting (von H. P. Lovecraft und Jules Verne beeinflusste Magier-Geschichten im 19. Jahrhundert) begann ich erstmals, eine Heftserie zu sammeln und zu lesen. Als dann ein Wettbewerb ausgelobt wurde, bei dem man sich mit einer Hexer-Kurzgeschichte, einer Hexer-Zeichnung oder dem Lösen eines (ihr ahnt es schon) Hexer-Rätsels beteiligen konnte, habe ich mich sofort mit Feuereifer an das Verfassen einer Story gemacht – und mit ihr glatt den 1. Preis gewonnen. Leider wurde die Serie eingestellt, ehe der versprochene Abdruck der Gewinner-Geschichte erfolgen konnte. Dafür erfuhr die Öffentlichkeit, dass sich hinter dem Autorenpseudonym Robert Craven der damals bereits sehr erfolgreiche Buchautor Wolfgang Hohlbein verborgen hatte. Die Veröffentlichung meiner Geschichte wurde dann 1989 in dem Taschenbuch »Auf der Spur des Hexers« nachgeholt, zusammen mit dem Abdruck des besten Hexer-Bildes, das wiederum niemand geringerer als Kai Meyer gezeichnet hatte. Diese Buchveröffentlichung war für mich natürlich der Kick, weitere Kurzgeschichten zu schreiben, die ich in verschiedenen Musik- und Rollenspielmagazinen und Kleinverlags-Anthologien veröffentlichen konnte. Wie das halt so üblich war im Vor-Internet-Zeitalter, in dem heute so selbstverständliche Dinge wie Webveröffentlichungen, E-Books oder Self Publishing noch wie Science Fiction klangen.

Wolfgang Hohlbein: Auf der Spur des Hexers
Mitternachts-Roman: Der Hexenkrieg
Maddrax 75: Im Bergwerk der Mutanten

Dank der Kurzgeschichten kam ich jedenfalls in Kontakt mit jenem Teil der Phantastik-Szene, der sich einmal im Jahr auf dem Buchmesse-Con traf, der in den 1990er Jahren noch in der Nähe des Frankfurter Hauptbahnhofs veranstaltet wurde. Dort habe ich unter anderem Michael Schönenbröcher, den einstigen Hexer-Redakteur, zum ersten Mal persönlich getroffen. Und von ihm die Chance erhalten, mich mit einem Exposé und einen Romananfang für die von ihm betreute Reihe »Mitternachts-Roman« zu bewerben. Mein »Hexenkrieg« hat ihm am Ende so gut gefallen, das er mich mit weiteren Einplanungen bedacht hat. Und als später die Endzeitserie »Maddrax« konzipiert wurde, hat er mich von Anfang mit ins Team berufen. Das war sechs Jahre lang eine tolle Zeit, in der ich sehr viel gelernt habe und die es erlaubt hat, mir den Traum vom hauptberuflichen Schreiben zu erfüllen.

Viele andere deiner Kollegen, wie z.B. Bernhard Hennen, haben ihre ersten Romane zu Rollenspielsystemen wie das „Das Schwarze Auge“ verfasst. Wäre das was für dich gewesen?

Im Prinzip schon, allerdings habe ich »Das Schwarze Auge« nie gespielt, deshalb kam das für mich nicht in Frage. Um für ein so bekanntes Universum zu schreiben, musst du mit ihm wirklich vertraut sein, sonst merken die Leser, dass etwas nicht stimmt – und sind dann zurecht verärgert. Unter einem engagierten Redakteur wie Michael Schönenbröcher sind Romanhefte aber keinen Deut schlechter dazu geeignet, sich ein gewisses Handwerkszeug anzueignen. Ich habe das immer als bezahlte Lehrzeit gesehen, die mir viel gebracht hat. Kai Meyer äußert sich zu seinen acht Mitternachts-Romanen ganz ähnlich, es muss also ein bisschen was dran sein. Allerdings war für mich bei Maddrax irgendwann die Luft raus. Ich wollte endlich umfangreichere Geschichten schreiben, so dass ich das Ende eines Zyklus zum Abschied genutzt habe. Dabei hatte ich das Glück, dass meine drei »S.T.A.L.K.E.R.«-Romane und die »Blutorks«-Trilogie recht gut gelaufen sind; das hat es mir natürlich erleichtert, von da an vollkommen eigenständige Universen zu entwerfen, wie jetzt bei den Völkerkriegen. 

Share:   Facebook