Book-Talk mit Dietmar Dath (Venus siegt)

INTERVIEW

Warum sind wir so dumm, und können uns Maschinen dagegen helfen? Fünf Fragen an Dietmar Dath (Venus siegt)


Bei FISCHER Tor erscheint in diesen Tagen eine erweiterte Fassung von Dietmar Daths  Science-Fiction-Roman ›Venus siegt‹, in dem es um das Zusammenleben von Mensch, Roboter und künstlicher Intelligenz geht. Wir haben Dath dazu fünf Fragen gestellt.

TOR ONLINE: Dein Buch handelt von zwei Themen, die in der Science Fiction oft vorkommen: einerseits von denkenden Maschinen, andererseits von einer neuen Gesellschaft, die nicht auf der Erde, sondern auf einem anderen Planeten errichtet wird. Hätte eines dieser Themen alleine nicht auch gereicht?

Dietmar Dath: Wenn Leute anfangen, anders als bisher zu denken, ändert sich die Gesellschaft sehr schnell. Und umgekehrt: Wenn sich die Gesellschaft sehr schnell ändert, denken die Leute anders als vorher. Eine Revolution ist so eine Veränderung, sie beschleunigt, was sowieso passiert: Keine Gesellschaftsordnung besteht für immer. Wie die Leute so eine Beschleunigung erleben, was dabei schiefgeht und was sich für die Leute bis in ihre Persönlichkeit hinein verändert, interessiert mich. Bei mir sind die Leute zum Teil Maschinen, aber das muss man nicht wörtlich nehmen, wenn man nicht daran glaubt, dass Maschinen jemals wirklich werden denken können – man kennt ja längst aus dem Alltag Leute, die sich benehmen, als wären sie Maschinen, beruflich oder im Amt zum Beispiel. Die sind dann halt gemeint. Ich habe mir diese Erfahrungen mit dem Menschlichen und dem Automatischen vorgenommen und durchgeschüttelt, um mal zu schauen, was dann alles passieren kann. Technik kann man nicht ohne Gesellschaft verstehen und Gesellschaft seit ein paar hundert Jahren nicht ohne Technik. Die beiden Themen sind zwei Seiten ein und derselben Sache.

 

Das Buch erscheint bei FISCHER Tor schon zum zweiten mal, richtig?

Falsch. Es gibt ein Buch namens ›Venus siegt‹, das ist 2015 erschienen und hat ein offenes Ende, bei dem man selber drüber nachdenken sollte, wie die Geschichte ausgeht. Das Buch, das jetzt bei FISCHER Tor erscheint, ist eine Überarbeitung und eine Fortsetzung. In dieser neuen Fassung ist das Ende noch offener, aber auf den letzten 150 Seiten passiert so viel Neues, dass jedes Nachdenken darüber, wie es weitergehen könnte und welche Konsequenzen man aus der Geschichte ziehen sollte, unruhiger, lebhafter, beweglicher und streitbarer werden kann als nach der Lektüre der alten Fassung. Außerdem werden einige Rätsel gelöst, die im alten Text offen oder versteckt stehen. Man kann es jetzt also wie einen Krimi lesen: Man denkt sich Antworten zum ersten Teil, und dann lässt sich im zweiten nachsehen, ob die passen.

 

Wird es jemals künstliche Intelligenz geben, die uns Menschen ebenbürtig oder überlegen ist? Wenn ja, wann?

Die Idee »künstliche Intelligenz« ist nach dem Vorbild der Chemie aufgekommen – die hat im neunzehnten Jahrhundert zum ersten Mal Stoffe, die es vorher nur in der Natur gab, künstlich im Labor hergestellt. Das konnte sie, weil sie wusste, wie diese Stoffe aufgebaut sind, was sie tun, was man mit ihnen tun kann. Sobald das alles jemand über die menschliche Intelligenz weiß, wird man künstliche Intelligenz basteln können. Im Moment weiß es niemand. Wir sind dumm, sobald es darum geht, herauszufinden, warum wir manchmal nicht dumm sind. Maschinen können uns aber dabei helfen, weniger dumm zu sein, denn Maschinen sind Verstärker. Sie verstärken unsere Dummheit, aber auch unsere Klugheit. Mit ein bisschen Glück gewinnt die Klugheit. Vor allem, wenn sie nicht immer nachgibt.

 

Wieso fällt dir für die Zukunft nichts Besseres ein als das, was wir schon kennen – Kriege, Revolutionen, Diktatur?

Wer sich das Buch genau anschaut, sieht, dass es darin nicht nur Parallelen zur Vergangenheit und zur Gegenwart gibt, sondern einige große, spannende Unterschiede. Auf die kommt es an, aber man kann nur unterscheiden, wo man auch was vergleichen kann – nur an Sachen, die auch Gemeinsamkeiten haben, fallen dem Hirn Unterschiede auf. Die Gemeinsamkeiten im Buch sagen nur: Das Neue kommt nie aus dem Nichts. Aber es kommt, und es ist neu.

 

Ist das Neue, das in Zukunft kommt, besser oder schlechter als das Alte?

Ja, das Neue ist immer besser oder schlechter als das Alte. Wäre es einfach gleich, dann wäre es ja nicht neu.

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