Nerdige Orte: We meet in Deep Space - Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR, Standort Köln (NRW)

Fitnessstudio fürs Trainung und die Rehabilitation der Astronauten im ESA. © www.ESA.int

KOLUMNE

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt – Orte, die ein Nerd besucht haben muss (Folge 15)


ESA, Kontrollzentrum der Mission Hayabusa 2 sowie jede Menge Forschung zu aktuellen Themen wie Energie, Verkehr oder Medizin. Diana Menschig besucht heute das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Köln.

We meet in Deep Space - Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt DLR, Standort Köln (NRW)

50° 51′ 10,3″ N, 7° 7′ 23,4″ O

 

Wie heißt es so schön? Der Weg ist das Ziel. Als Einzelperson eine Führung im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt zu buchen, ist fast noch schwerer, als zum Mond zu fliegen. Zum Glück hat das DLR eine sehr freundliche Pressestelle, die auf Angebote der VHS im größeren Umkreis von Köln verweist. Auch hier ist es nicht so einfach, einen freien Platz zu ergattern, dazu variieren die Kosten je nach Volkshochschule und der inbegriffenen Anreise zwischen 10 und 30 Euro. Der Besuch des DLR selbst ist dagegen kostenlos.

Ich hatte das Glück, bei der VHS Eschweiler ein Ticket zu bekommen, und nach einigen Anreiseschwierigkeiten, da weder das modernste Navigationsgerät noch Google den Weg finden können, wenn die Adressdaten nicht stimmen (wie gesagt, zum Mond wäre es vermutlich einfacher…), durfte ich mit einer Gruppe unter anderem das Europäische Astronautenzentrum der ESA und das Kontrollzentrum der Mission Hayabusa 2 besuchen.

Köln ist nach Oberpfaffenhofen der zweitgrößte Standort des DLR und beheimatet acht der vierzig Institute, bei denen es längst nicht nur um die Raumfahrt geht, sondern auch Forschung zu aktuellen Themen wie Energie, Verkehr, Digitales, Medizin oder Sicherheit betrieben wird.

Vermutlich einer der prominentesten Untermieter des DLR ist die ESA. Köln ist die Heimatbasis der europäischen Astronauten. Hier werden die Kandidaten für die bemannten (und die wenigen befrauten*) Missionen zur ISS ausgesucht und ausgebildet. Dazu gibt es eine imposante Trainingshalle, in der sich unter anderem 1:1 Nachbauten des Raumlabors Columbus sowie ein Tauchbecken befinden. In Letzterem werden Außeneinsätze trainiert. Die Bewegungen unter Wasser entsprechen zwar nicht denen in der Schwerelosigkeit, sind jedoch die bestmögliche Simulation, die auf der Erde durchführbar ist. Das erklärt, warum ein Tauchschein zu den Voraussetzungen für die Ausbildung zum Astronauten gehört. Apropos Voraussetzungen: Neben ausgezeichneter körperlicher Fitness müssen die Kandidaten in drei Monaten russisch lernen.

Blick ins Rosetta Lander-Kontrollzentrum des DLR in Köln

© DLR (CC-BY 3.0)

Einer der Columbus-Modul-Nachbauten dient ausschließlich dem Training guter Selfies und Videos. Die Astronauten sollen ja später in der Schwerelosigkeit gut aussehen … Nein, das ist natürlich Unsinn, es handelt sich um ein PR-Modul, in dem beispielsweise ein Astronaut vor seiner Mission Interviews geben kann. Dass die Raumfahrt »schick« aussehen sollte, ist allerdings gar nicht so unwichtig, wie es erscheint. Schließlich verschlingen die Programme Unsummen Geld: ein Kilo Material auf die ISS zu bringen, kostet nicht weniger als 25.000 Euro. Die beliebte Party-Spiel-Frage, welche drei persönlichen Gegenstände die Besatzung mitnehmen würde, bekommt da eine ganz andere Dimension. Zugleich ist die Forschung in Schwerelosigkeit, die Erforschung von Möglichkeiten, dauerhaft im All zu leben, relevanter denn je, sollten wir Menschen es tatsächlich schaffen, unserer Erde komplett herunterzuwirtschaften.

Wenn von Forschung in der Schwerelosigkeit auf der ISS die Rede ist, ist das strenggenommen geschwindelt. Die Raumstation befindet sich in einer Umlaufbahn, in der immer noch eine Restgravitation von läppischen 90% herrscht. Diese werden über die Bewegungsgeschwindigkeit (28.000 km/h, was ca. 15,5 Erdumrunden pro Tag entspricht) per Zentrifugalkraft ausgeglichen. Was die Forschung selbst anbelangt, so geht es nicht immer um Innovationen. Aktuell wird mit dem »elektromagentischen Levitator« (ja, der heißt wirklich so) Grundlagenforschung betrieben, in der es um die Frage geht, was bei zuvor (kalt)geschmolzenen Metallen passiert, wenn sie erstarren. Dies könnte in Zukunft dabei nützlich sein, Bauteile wie beispielweise Turbinen mit besseren Materialeigenschaften zu entwickeln. Es ist nicht ganz so, dass IngenieurInnen heutzutage nicht wüssten, was sie tun, wenn sie Metalle schmelzen, gießen oder formen, dennoch sind bezüglich des konkreten physikalischen Prozesses viele Fragen offen. Die Antworten werden den Werkstoffkunde-Unterricht der Ingenieurswissenschaften sicherlich bereichern. Dazu handelt es sich um Kaltschmelze.

Die Ergebnisse werden Geister- und Vampirjäger oder Exorzisten ebenfalls sehr interessieren, denn die tödliche Wirkung von Kalteisen auf übernatürliche Wesen, insbesondere Feen, ist hinlänglich bekannt.

Fitnessstudio fürs Trainung und die Rehabilitation der Astronauten im ESA.

© www.ESA.int

Im Kontext der Suche nach anderen Antworten als »42« auf Fragen nach der Entstehung des Universums ist die Mission Mascot Hayabusa zu sehen. Wer nicht dem creationistischen Irrglauben anhängt, dass Erde und Weltraum erst vor rund 6000 Jahren entstanden … Verzeihung … von Gott erschaffen worden sind, der wird die Ergebnisse der Mission hochspannend finden. Die Sonde Hayabusa 2 befindet sich aktuell auf dem Rückflug von einem Asteroiden, auf dem Mascot Gesteinsproben genommen hat. Asteroiden gelten als das älteste und ursprünglichste Material im Weltall. Die Proben werden möglicherweise einen Rückblick auf die Entstehung des Alls gewähren.

Das Kontrollzentrum? Nun, es sieht aus wie ein Kontrollzentrum. Monitore, blinkende Lämpchen, Monitore mit blinkenden Lämpchen. Menschen mit Kopfhörern. In dieser Hinsicht hat Hollywood bei der Darstellung von Kontrollzentren einmal nicht geflunkert.

Der Mond bekommt in diesen Tagen, fünfzig Jahre, nachdem Neil Armstrong seinen Fuß auf den Erdtrabanten gesetzt hat (und ja, ich persönlich bin absolut sicher, dass es so passiert ist!), neue Aufmerksamkeit, denn die ISS hat mittelfristig ausgedient. Spätestens 2028 ist Schluss – dann sind die ältesten Teil dreißig Jahre alt. Was in Zeiten schnellen technischen Fortschritts eine ziemlich lange Gebrauchsdauer ist. Ein Auto bekäme in diesem Alter ein »H- Kennzeichen« und darf sich »Youngtimer« nennen.

Daher wird über eine nicht dauerhaft bemannte Station in der Umlaufbahn des Mondes oder sogar seiner Oberfläche nachgedacht, von wo aus dann weitere Flüge auf den Mars oder ins All möglich wären. Arbeitstitel der Überlegungen: Deep Space. Wäre die Station auf dem Mond, hätte sie vielleicht den Vorteil, dass Kollisionen mit Weltraumschrott nicht so schwerwiegende Folgen hätten. Die ISS muss zur Zeit ungefähr einmal pro Monat ein Ausweichmanöver fliegen, um nicht mit kaputten Satelliten oder ausrangierten Teilen zusammenzustoßen. Die Raumstation soll nach ihrer Dienstzeit kontrolliert zum Absturz gebracht werden und in der Erdatmosphäre verglühen. Dennoch wird es nach 2028 eher weniger als mehr Schrotteile geben. Der Mond könnte den ein oder anderen Aufschlag vielleicht besser wegstecken, solange nicht die gesamte Station getroffen würde – das ist allerdings alles reine Spekulation meinerseits. Ich bin Phantastik-Autorin, manchmal kann ich nicht anders …

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* aus 8400 Kandidaten wurden in 2008 sechs Männer und die italienische Kampfpilotin Samantha Cristoforetti für die aktuelle europäische Astronautengruppe, zu der auch Alexander Gerst zählt, ausgewählt. Leider war nicht in Erfahrung zu bringen, wie hoch der Anteil der Bewerberinnen insgesamt ist. Dass er deutlich kleiner sein dürfte, lässt sich anhand der  Bewerbungsvoraussetzungen vermuten: Vielleicht mit Ausnahme der Bewerbungen aus dem Bereich Humanwissenschaften dürfte die Anzahl der Bewerber aus Militär, Luftfahrt, Ingenieurwesen und Naturwissenschaften die der Bewerberinnen deutlich übertreffen. Ein Alterslimit gibt es übrigens nicht.

 

Stand der Angaben: 4. Quartal 2019

 

 

Über "Orte, die ein Nerd besucht haben muss"

Es muss nicht gleich die ComicCon in San Diego sein, auch in der Nähe gibt es interessante Orte, an denen ein Nerd eigentlich nicht vorbei gehen darf. Bei manchen ist es offensichtlich, bei anderen handelt es sich um echte Geheimtipps, die erst auf den zweiten Blick ihr wahres Potenzial offenbaren. Diana Menschig besucht regelmäßig diese Orte und schreibt darüber in "Orte, die ein Nerd besucht haben muss" auf TOR ONLINE.

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