Ig-Nobelpreis 2016 Thomas Thwaites

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Von Mäusen in Hosen, VWs Abgasen und dem Leben als Bergziege: der Ig-Nobelpreis 2016


TOR Team
24.09.2016

Gerade war es wieder so weit und der Ig-Nobelpreis 2016 wurde an der Harvard Universität verliehen.

Noch mal kurz zur Erklärung: Die Verleihung des Ig-Nobelpreises ist eine Veranstaltung zur Ehrung von albernen wissenschaftlichen Forschungsprojekten. Oder aber eine alberne Veranstaltung zur Ehrung etwas kurios wirkender ernsthafter Forschungsprojekte. Jedenfalls ist es ein kunterbuntes Treiben, das einem aus dem einen oder anderen Grund immer mal wieder die Tränen vor Lachen in die Augen treibt.

Und das hier sind einige der kuriosen Gewinner des Jahres 2016:

Reproduktion

Der Wissenschaftler Ahmed Shafik erhielt den Preis für seine Forschung an den Effekten, die das Tragen von Hosen aus Polyester, Baumwolle und Wolle auf die Zeugungsfähigkeit (und das Sexualleben) von Ratten hat. Ergebnis: Trägt man lange genug Polyesterhosen, können diese ein elektrostatisches Feld rund ums Gemächt erzeugen, was die Spermaproduktion hemmt. Das Schöne ist – er hat es auch an der Spezies homo sapiens getestet: Also Männer, ran an die hübschen Höschen.

Wirtschaft

Mark Avis, Sarah Forbes und Shelagh Ferguson durften den Preis entgegennehmen, weil sie gezeigt haben, dass wir auch Steinen Charaktereigenschaften wie „Führungspersönlichkeit“ zuweisen. (Frage ist, ob man an den Wissenschaftlern oder den Probanden zweifeln soll.)

Physik

Schimmel haben das natürliche Abwehrmittel gegen Blutsauger – das haben, vereinfacht gesagt, Gábor Horváth und seine Kollegen von der Eötvös Universität, Ungarn, herausgefunden. Denn weißes Pferdehaar depolarisiert Sonnenlicht wohl, so dass blutsaugende Fliegen die Pferdchen weniger oft stechen als ihre Artgenossen. Irgendwie war es ja fast klar, dass Schimmel und Fliegen ein ganz besonderes Verhältnis zueinander haben.

Chemie

Da sind wir doch auch alle begeistert und freuen uns mit Volkswagen: Die haben nämlich den Spaßpreis erhalten für „die Lösung des Problems des übermäßigen Ausstoßes von Autoabgasen, indem automatisch elektromechanisch weniger Abgase produziert werden, wenn die Autos getestet werden.“

Wahrnehmung

Wie verändern sich Gegenstände, wenn man sie sich anschaut, in dem man sich vornüberbeugt und durch die Beine guckt? Das haben sich Atsuki Higashiyama und Kohei Adachi gefragt und herausgefunden, dass vor allem der umgekehrte Seheindruck unsere Wahrnehmung beeinflusst.

© greekfood-tamystika / pixabay

Medizin

Christopher Helmchen und seine Kollegen von der Universität Lübeck fanden heraus, dass man mit einem einfachen Trick seinen Juckreiz loswerden kann: Juckt es zum Beispiel am linken Bein, stellt man sich vor einen Spiegel und kratzt sich auf der rechten Seite. So kann man ganz einfach das Gehirn austricksen.

Biologie

Wie fühlt sich das Leben als Dachs, Otter oder Bergziege an? Das wollten Charles Foster und Thomas Thwaites wissen und haben dafür unter anderem mit den Zähnen Fische gefangen, Würmer und Gras gegessen und versucht die Umwelt mit der Nase wahrzunehmen. Thwaites ging sogar so weit, dass er sich Prothesen bastelte, um das Lebensgefühl der Bergziegen in den Alpen zu erproben.

Psychologie

Der ehrenvolle Preis ging an Bruno Verschuere und seine Kollegen, und  zwar dafür, dass sie tausend Lügner gefragt hat, wie oft sie lügen, um dann zu entscheiden, ob es sich bei den Antworten um Lügen handelt oder nicht.

Literatur

Frederik Sjöberg gewann, für sein dreibändiges autobiografisches Werk über die Freuden des Fliegensammelns – ob tot oder lebendig. Das ist mal eine Romanidee.

 

Schon seit 1991 wird der Ig-Nobelpreis verliehen, inzwischen an der Harvard Universität. "Ig" steht übrigens für ignoble, also "unwürdig, schmachvoll, schändlich" und verdeutlicht damit den satirischen Charakter des Preises, der Forschungsprojekte honoriert, die einen zum Lachen und Nachdenken bringen. 

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