Stephen Segal - Die Weisheit der Nerds

KOLUMNE

Die Weisheit der Nerds: Die Zeitfalte


„Gleich sein und frei sein ist nicht dasselbe.“

Meg Murry, Die Zeitfalte

 

 

Auf dem weit entfernten Planeten Camazotz werden menschenähnliche Aliens von einem Diktator beherrscht – einem riesigen, pulsierenden Gehirn, das ihr gesamtes Verhalten fernsteuert. Als das Erdenmädchen Meg Murray Zeugin wird, wie alle Kinder eines camazotzischen Vororts gleichzeitig aus ihren Häusern treten  und ihre Spielbälle simultan auf den Boden prellen, begreift sie sofort, wie schlimm die Dinge stehen. Dieses „Spiel“ wirkt, als wären die Kinder nur fleischfarbene, auf- und niederfahrende Kolben einer gewaltigen Maschine. Madeleine L’Engle braucht nur dieses eine, verrückte Bild, um messerscharf den Unterschied zwischen Faschismus und fortschrittlicher Demokratie deutlich zu machen – ein Unterschied, den heutige Politik-Experten leider manchmal rhetorisch zu verschleiern suchen. Unser Diktum „Alle Menschen sind gleich geschaffen“, das die Grundlage der amerikanischen Bürgerrechte bildet, bedeutet nämlich gerade nicht, dass unsere Leben exakt gleich ablaufen sollen. Es bedeutet, dass niemand das Recht hat, uns daran zu hindern, unseren eigenen Weg zu gehen.


Durch Zeit und Raum, das zweite Sequel von Die Zeitfalte, nahm die Grundidee des Klassikers Zurück in die Vergangenheit um ein ganzes Jahrzehnt vorweg: ein Held, der sich eines fremden Körpers in der Vergangenheit bemächtigt, um die Dinge in der Gegenwart in Ordnung zu bringen.


Die nächste Weisheit zur Wochenmitte gibt es wieder am kommenden Mittwoch. Dann erwartet euch eine neue nerdige Erkenntnis aus Stephen H. Segals Buch "Die Weisheit der Nerds".

 

 

Aus dem Amerikanischen von Achim Fehrenbach

 

Copyright © 2011 by Quirk Productions, Inc.
All rights reserved.
First published in English by Quirk Books, Philadelphia, Pennsylvania.
Für den deutschen Text: © 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

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