Stephen Segal - Die Weisheit der Nerds

KOLUMNE

Die Weisheit der Nerds: Nummer 6


„Ich lasse mich nicht zwingen, stoßen, abstempeln, einstufen, werten, abwerten oder nummerieren! Mein Leben gehört mir!“

Nummer 6, Nummer 6

 

 

Mit inbrünstiger Wut rattert Patrick McGoohan als „Nummer 6“ das Widerstandsmantra gegen seine Entführer herunter. So erfahren wir schon in der ersten Folge, welche Ideen-, Ideologie- und Identitätskämpfe diese bahnbrechende, aber leider viel zu kurze britische Agentenserie durchziehen. Dem zähen, störrischen „6“ wird es schlicht unmöglich gemacht, den mysteriösen Kidnappern zu entrinnen und seine Identität zurückzuerlangen. Die Grundidee der Serie ist folgende: Wir alle sind in einem intransparenten System gefangen, das jeden unserer Schritte kontrolliert – und jeder Versuch, aus dem Käfig auszubrechen, eröffnet eine weitere Kontrollebene: So entsteht ein Labyrinth von wahrhaft kafkaeskem Ausmaß. Die Serie gibt sich alle Mühe, uns eindeutige Antworten vorzuenthalten. Es ist jedoch sehr bezeichnend, dass McGoohans Figur so verzweifelt an ihrer Individualität hängt, für die Zuschauer aber immer nur eine Zahl bleibt. Das zeigt, wie vergeblich ihr Kampf letztendlich ist.

 

Sind wir fremdbestimmt, oder besitzen wir einen freien Willen? Die Hauptfigur aus Nummer 6 (1967) ist die personifizierte Determinismus-Debatte – genau wie die Figur Cylon Number Six in Battlestar Galactica (2005). Ob das jetzt purer Zufall ist? Schwer zu glauben ...


Die nächste Weisheit zur Wochenmitte gibt es wieder am kommenden Mittwoch. Dann erwartet euch eine neue nerdige Erkenntnis aus Stephen H. Segals Buch "Die Weisheit der Nerds".

 

 

Aus dem Amerikanischen von Achim Fehrenbach

 

Copyright © 2011 by Quirk Productions, Inc.
All rights reserved.
First published in English by Quirk Books, Philadelphia, Pennsylvania.
Für den deutschen Text: © 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

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