Stephen Segal - Die Weisheit der Nerds

KOLUMNE

Die Weisheit der Nerds: Twilight Zone


„Mein Name ist Tina, und ich werde dich töten.“

Twilight Zone, „Die Rache der Puppe“

 

 

Im Jahr 1970 prägte der Robotiker Masahiro Mori den Begriff des „Uncanny Valley“ – und gab damit einem Phänomen einen Namen, das Generationen von Kindern wohlvertraut ist: Puppen, Masken, Spiegelbilder und annähernd menschliche Gesichter können unfassbar gruselig sein. Es gibt etliche Theorien dazu, die eine evolutionsbedingte Furcht vor dem Fremden bis hin zum Freudschen Todestrieb ins Feld führen. Es überrascht also nicht wirklich, dass so viele Geeks ein Faible für Roboter- oder Zombie-Apokalypsen haben oder für die posthumane Singularität, die der Science-Fiction-Autor Ken MacLeod mal als „Entrückung für Nerds“ bezeichnete. Gleichzeitig fürchten wir uns aber auch davor, dass wir zurückbleiben, wenn sie schließlich kommt. Wir lieben es, uns auszumalen, dass Magie oder Spiritualität unser Spielzeug zum Leben erwecken ... und dass diese neuen Geschöpfe – wenn sie uns nutzlos und hinderlich finden – uns selbst zu ihrem Spielzeug machen. Es war nicht Tinas Aussehen, das uns am meisten Angst einjagte, sondern die Tatsache, dass sie ihrem menschlichen Gebieter haushoch überlegen war und seinen Tod mit unerbittlicher Effizienz einfädelte. Letztlich erbt jedes Ding, das die Menschen so präzise nachahmt, bis zu einem gewissen Grad auch die Lust an Herrschaft und Zerstörung.

 

Ach ja, Clowns dürfen wir nicht vergessen. Vor denen muss man immer auf der Hut sein.


Die nächste Weisheit zur Wochenmitte gibt es wieder am kommenden Mittwoch. Dann erwartet euch eine neue nerdige Erkenntnis aus Stephen H. Segals Buch "Die Weisheit der Nerds".

 

 

Aus dem Amerikanischen von Achim Fehrenbach

 

Copyright © 2011 by Quirk Productions, Inc.
All rights reserved.
First published in English by Quirk Books, Philadelphia, Pennsylvania.
Für den deutschen Text: © 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

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