Die Weisheit der Nerds: Galaxy Quest

KOLUMNE

Die Weisheit der Nerds: Galaxy Quest


„Bei Grabthars Hammer, bei den Söhnen von Warvan, du wirst gerächt werden!“

Alexander Dane, Galaxy Quest

 

Manchmal ist es schwer, den inneren Sonderling zu akzeptieren. In Galaxy Quest sieht der ausgebrannte Schauspieler Alexander Dane seine Karriere durch die Festlegung auf eine einzige Rolle ruiniert – und verbringt die meiste Zeit des Films damit, sich von seiner TV-Figur und dessen Lieblingsspruch zu distanzieren. Am Ende aber begreift er, dass es Situationen gibt, in denen man an den ganz großen Worten nicht vorbeikommt. Und das gar nicht mal so selten. Doch die Welt ist grausam zu jenen ernsten Gemütern, die altmodische Konzepte wie „Wahrheit“ oder „Gerechtigkeit“ hochhalten und ihr Herz auf der Zunge tragen. Schaut euch einfach mal an, wie oft die Wunderkraft des Internets für herzloses Drive-by-Geläster missbraucht wird. Allzu oft zeigt man lachend mit dem Finger auf jemanden, der zu Unrecht der Lächerlichkeit preisgegeben wird. Denken wir an das Foto des wirklich traurig dreinblickenden Keanu Reeves, das in tausend komödiantische Pointen gephotoshopped wurde. Oder das Video, in dem irgendein Typ einen doppelten Regenbogen bewundert und sich damit zum Gespött der Leute macht. Dabei ist es keine Schande, mit Leidenschaft seinen Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Es bedeutet nur, jene Dinge klar zu kommunizieren, die uns – ganz tief drinnen – berühren und am Wichtigsten sind. Irgendjemand muss das schließlich machen. Oder wer sollte uns – bei Grabthars Hammer! – ansonsten rächen?

Manchmal zeigen Parodie oder Pastiche eine tiefere Liebe für das Ausgangsmaterial als hundert offizielle Sequels. Gab es in vierzig Jahren irgendwann mal einen besseren Star-Trek-Film als Galaxy Quest (1999) – oder einen besseren Fantastic-Four-Film als Die Unglaublichen?


Die nächste Weisheit zur Wochenmitte gibt es wieder am kommenden Mittwoch. Dann erwartet euch eine neue nerdige Erkenntnis aus Stephen H. Segals Buch "Die Weisheit der Nerds".

 

 

Aus dem Amerikanischen von Achim Fehrenbach

 

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First published in English by Quirk Books, Philadelphia, Pennsylvania.
Für den deutschen Text: © 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

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