Die Weisheit der Nerds - Der Heilige Gral

© Mario Zucca

KOLUMNE

Die Weisheit der Nerds: Der Heilige Gral


„Seine Wahl war ... falsch.“

Der Gralsritter, Indiana Jones und der letzte Kreuzzug

 

Der Möchtegern-Gralsjäger Walter Donovan glaubte, er könne den Abendmahlskelch Jesu an seiner Pracht erkennen. Damit lag er allerdings falsch – und die göttliche Kraft des Grals vernichtete ihn. Witzig ist die trockene Antwort des Gralsritters vor allem deshalb, weil Donovan seine gerechte Strafe erhält: Er hat gerade Indys Vater angeschossen, und nun bekommt er es vom Karma heimgezahlt. Vor allem aber steckt in dem Zitat viel Wahres. Wer die Herrlichkeit Jesu mit irdischen Reichtümern, Prunk und Luxus vergleicht – also letztendlich mit jeder Art von Geltungsbedürfnis –, der ist ein Narr. Wenn Gott menschliche Gestalt annimmt, dann predigt er ja gerade Demut. Matthäus 25,45 formuliert das prägnant: „Was ihr für einen meiner geringsten Brüdern getan habt“, sagt Jesus, „das habt ihr mir getan.“ Mit anderen Worten: Gott ist groß, aber seine Größe offenbart sich gerade in den kleinen Dingen, in ihrer Menschlichkeit.

 

Der Heilige Gral ist einer der wenigen übernatürlichen, legendären Artefakte, die gleich zweimal tiefe Spuren in der zeitgenössischen Popkultur hinterlassen haben: in Indiana Jones und der letzte Kreuzzug und in dem zutiefst albernen Die Ritter der Kokosnuß.


Die nächste Weisheit zur Wochenmitte gibt es wieder am kommenden Mittwoch. Dann erwartet euch eine neue nerdige Erkenntnis aus Stephen H. Segals Buch "Die Weisheit der Nerds".

 

 

Aus dem Amerikanischen von Achim Fehrenbach

 

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First published in English by Quirk Books, Philadelphia, Pennsylvania.
Für den deutschen Text: © 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

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