KOLUMNE

Die Weisheit der Nerds: Frankenstein Junior


„Destiny! Destiny! No escaping that for me!“

Dr. Frederick Frankenstein, Frankenstein Junior

 

Vermutlich hat dein Großvater keine Leichen ausgegraben, zusammengeflickt und dann als mörderische, umherwankende Ungeheuer zu neuem Leben erweckt. Und dennoch: Die unaufhaltsame Kraft des genetischen Erbes – den jungen Frederick ließ sie in Victors Fußstapfen treten – wirkt in unser aller Leben hinein. Vielleicht entdeckst du eines Tages – du hast dir gerade zum vierten Mal seit dem Mittagessen die Hände gewaschen –, dass du die gleiche obsessive Angst vor Keimen entwickelt hast, die deine Großtante immer so verrückt erscheinen ließ. Vielleicht hast du dich bei der Wahl deiner neuen Wohnung gerade für die mit dem längsten Weg zur Arbeit entschieden und fragst dich, warum. Bis dir plötzlich bewusst wird, dass vor dem Fenster ein Weidenbaum steht – genau wie der, den dein Vater in eurem Hinterhof pflanzte, als du neun Jahre alt warst. Vielleicht hattest du immer prächtiges Haar – bis dir plötzlich aus dem Spiegel eine Kanonenkugel entgegenstrahlt. Welche Form es auch immer annimmt: Es gibt ein Monster, das deinen Familiennamen trägt – und es wird kommen, um dich zu holen. Letztlich liegt es an dir selbst, ob du versuchst, es mit einer brennenden Fackel zu verjagen, oder ob du ihm ein süßes, liebevolles Schlaflied singst.

 

Mel Brooks bezeichnete Frankenstein Junior (1974) als besten Film, den er je gedreht habe.


Die nächste Weisheit zur Wochenmitte gibt es wieder am kommenden Mittwoch. Dann erwartet euch eine neue nerdige Erkenntnis aus Stephen H. Segals Buch "Die Weisheit der Nerds".

 

 

Aus dem Amerikanischen von Achim Fehrenbach

 

Copyright © 2011 by Quirk Productions, Inc.
All rights reserved.
First published in English by Quirk Books, Philadelphia, Pennsylvania.
Für den deutschen Text: © 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

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