KOLUMNE

Die Weisheit der Nerds: 1984


„Zwei und zwei ist fünf.“

George Orwell, 1984

 

Mathematik sollte eigentlich nur Grundschulkindern Angst machen. Und doch hat die obige Gleichung auch für uns Geeks etwas Furchteinflößendes: Sie erinnert uns daran, dass der Geist korrumpierbar bleibt, ganz egal, wie stark wir uns fühlen oder für wie schlau wir uns halten. Gerade Geeks glauben gerne, ihr Verstand funktioniere so reibungslos präzise wie eine Maschine, und damit haben sie auch oft recht. Was sie aber vielleicht zu wenig berücksichtigen: Angst, Unterdrückung und Hoffnungslosigkeit können jeden Geist zerstören. Goebbels und seine Nazi-Propagandisten trieben ein ganzes Land in Raserei und mörderischen Hass. Dabei waren die Deutschen keineswegs dumm – sie ließen sich nur leicht manipulieren. Wer sich die Ängste der Menschen zunutze macht – mögen sie nun rational begründet oder irrational sein – oder ihre Vorurteile und Wünsche anspricht, der bricht ihren Willen leichter als ein Streichholz. So kommt es, dass rechtschaffene Menschen plötzlich wegschauen, wenn Millionen in den Tod geschickt werden; dass sie den Gestank des Verfalls geflissentlich ignorieren und stattdessen hartnäckig behaupten, dass zwei plus zwei fünf ist.

  

George Orwells 1984 ist einer der wenigen Science-Fiction-Romane, die schon lange zum literarischen Kanon gehören.

Die nächste Folge der "Weisheit der Nerds" widmet sich George Orwells "1984" und erscheint am Mittwoch, 19.4.2017.

 

 

Aus dem Amerikanischen von Achim Fehrenbach

 

Copyright © 2011 by Quirk Productions, Inc.
All rights reserved.
First published in English by Quirk Books, Philadelphia, Pennsylvania.
Für den deutschen Text: © 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

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