KOLUMNE

Die Weisheit der Nerds: Superhelden


„Knie nieder vor Zod!“

General Zod, Superman

 

„Kriminelle sind ein abergläubisches und törichtes Volk.“

Batman, Detective Comics

 

Seien wir ehrlich: Jeder von uns wäre gerne mal ein Schurke. Irgendwann kommen wir alle an den Punkt, an dem uns die Welt am Arsch vorbeigeht, an dem wir am liebsten all das tun würden, was wir uns nie getraut haben. Und Schurken dürfen eine Menge cooler Dinge: geniale Pläne schmieden, mit Superwaffen rumprotzen und Schergen bis in den Tod für sich kämpfen lassen. Wichtiger noch: Gute Schurken wollen unbedingt die Hauptrolle spielen, wollen ihre eigene Geschichte schreiben. Ihre Taten motivieren den Helden, ihre Intelligenz treibt die Handlung voran, die Welt tanzt nach ihrer Pfeife. Zumindest glauben die Schurken das, denn die Sache hat einen Haken: Ihre Stärke ist in Wirklichkeit ihre Schwäche. Schurken sind in Wirklichkeit Menschen, die nichts gebacken kriegen und ihre Probleme ihren Mitmenschen aufhalsen. Es gehört nicht viel Mut dazu, andere zu beklauen oder sich in fremde Leben einzumischen, denn das ist einfach. Wer der Verlockung nachgibt, drückt sich vor der wirklichen Herausforderung des Lebens: eigene Akzente zu setzen, ohne anderen den eigenen Willen aufzuzwingen. Seine Feigheit bezahlt der Schurke aber mit ständiger Getriebenheit. Für ihn lauern Feinde in jedem Schatten, denn wir Menschen neigen dazu, uns selbst in anderen zu spiegeln. Der Gelegenheitsrassist unterstellt seinen Zeitgenossen, genauso engstirnig und egoistisch zu sein wie er selbst. Der Steuerhinterzieher geht davon aus, dass auch alle anderen das System abzocken. Und der gemeine Straßenkriminelle denkt, dass jeder hinter seinen paar Kröten her ist. Solltest du jemals etwas Verwerfliches getan haben – und sei es auch noch so unbedeutend –, dann hast du vielleicht einen Vorgeschmack darauf bekommen, wie sich ein Schurke jeden Tag fühlt. Deshalb gilt: Wer nicht auf die schiefe Bahn geraten will, der muss sein Schicksal selbst in die Hand nehmen – egal, welchen Status oder Platz er in der Gesellschaft hat. Tapferkeit bedeutet, sich täglich neu den Herausforderungen des Alltags zu stellen, ohne seine Mitmenschen zu gängeln.

Die nächste Folge der "Weisheit der Nerds" über Albert Einstein erscheint am Mittwoch, 22.3.2017.

 

Batmans Verachtung für Verbrecher kam bereits in seiner allerersten Geschichte zum Ausdruck: den „Detective Comics #27“ von 1939.

 

 

 

Aus dem Amerikanischen von Achim Fehrenbach

 

Copyright © 2011 by Quirk Productions, Inc.
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First published in English by Quirk Books, Philadelphia, Pennsylvania.
Für den deutschen Text: © 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

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