Cosplay Spotlight:  Team Germany WCs & ECG 2017

© Andy Kristensen

INTERVIEW

Cosplay Spotlight: Team Germany WCs & ECG 2017


Laura Birnbaum
06.03.2017

Die deutsche Cosplayszene beteiligt sich seit vielen Jahren rege an diversen internationalen Cosplaywettbewerben, die über das Jahr verteilt weltweit ausgetragen werden. Die Vorentscheide finden meistens einige Monate vorher statt um den Finalisten genug Zeit zur Vorbereitung zu geben. Laura Birnbaum von Teilzeithelden.de hat mit den aktuellen Teams der zwei größten Wettbewerbe gesprochen.

Team Germany WCs & ECG 2017

© www.facebook.com/zeropuntosedici / www.facebook.com/WoTCosplay

Das WCS (World Cosplay Summit) und das ECG (European Cosplay Gathering) sind die zwei größten internationalen Cosplaywettbewerbe mit deutscher Beteiligung. Die Vorentscheide zur Auswahl der deutschen Teilnehmer fanden im September 2016 auf der Connichi in Kassel statt. Fünf Monate später haben wir die Teams einmal gefragt, wie die Vorbereitungen laufen und was sie motiviert. Wir wünschen ihnen natürlich viel Erfolg und starke Nerven!

 

European Cosplay Gathering Team

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ECG: Caro, Julia (Team) und Anna (Solo)

Das ECG ist ein europaweiter Cosplaywettbewerb, an dem sich derzeit 13 Länder beteiligen. Jedes Land wählt in einem nationalen Vorentscheid je einen Solorepräsentanten und ein Team von bis zu drei Cosplayern. Das Finale findet im Rahmen der Japan Expo am 8. Juli 2017 in Paris statt. Unserer  Team Germany 2017 besteht aus Anna  als Solofinalistin sowie Caro und Julia als Teamfinalisten.

 

Stellt euch doch bitte kurz vor.

Anna:

Hi, ich bin Anna aka Artflower – Teilzeitgamer und Nerd, Webdesignerin, Plüschtierliebhaber und Schokoladensuchti. Ich cosplaye seit etwa 2004, bin aber schon mein ganzes Leben kostümverrückt. Bevor ich mit Cosplay anfing, habe ich Theater gespielt.

Caro & Julia:

Hallo! Wir sind Caro und Julia, 26 und 27 Jahre alt und kommen aus Kassel.

Beginnen wir mit dem Klassiker: Was ist Cosplay für euch?

Anna: Cosplay ist für mich eine Möglichkeit, viele neue Dinge und Leute kennenzulernen, und meine Art, Fantum auszudrücken – andere zeichnen oder schreiben, ich cosplaye.

Caro:

Cosplay ist für mich ein kreativer Ausgleich zum Alltag. Ich liebe es zu basteln, zu nähen, Kostüme zu tragen und Fotos zu bearbeiten. Auch mich online mit anderen Cosplayern auszutauschen und das Fandom auf diese spezielle Art und Weise auszuleben.

Julia:

Cosplay ist für mich ein sehr kreatives Hobby, bei dem man immer etwas neues Lernen kann. Man lernt zu nähen und Rüstungen zu basteln. Man sitzt tagelang mit Heißluftföhn, Dremel oder Gießharz in seiner Werkstatt, und am Ende kommt etwas dabei heraus, was man mit echtem Selbermacherstolz vorführen kann! Man lernt sich zu verwandeln, auch ein wenig zu schauspielern, und vor allem trifft man eine Menge spannender und kreativer Leute.

Was hat euch dazu bewegt beim ECG Vorentscheid anzutreten?

Anna:

Neugierde. Ich gebe zu, der Grund ist etwas pragmatisch, aber nach WCS (Team 2014) und EuroCosplay (Finalistin 2012) wollte ich einfach sehen, wie sich das ECG von diesen Wettbewerben unterscheidet. Ich mag Wettbewerbe generell zum sozialisieren und habe viele tolle Cosplayer darüber kennengelernt, deshalb war der Gedanke, dass es sich allein dafür schon lohnen würde. Außerdem stehe ich gern auf der Bühne.

Caro & Julia:

Wir waren schon immer beeindruckt von aufwendigen Bühnenauftritten, die das Publikum so richtig überraschen und mitreißen. Wir hoffen, dass wir das Publikum mit unseren Kostümen und Auftritten genau so unterhalten können.

Welche Cosplays hattet ihr für den Vorentscheid gewählt?

Anna:

Für den Vorentscheid habe ich mich für das Artwork des Arcanist aus Final Fantasy XIV entschieden. Ich spiele das MMORPG seit etwa einem Jahr und habe darüber viele nette Menschen kennengelernt. Ich mag die Story gern, und tolle Kostüme gibt es dort zuhauf. Für den Arcanist im Speziellen habe ich mich entschieden, weil ich das Gearset gerne mag und Summoner (die Weiterentwicklung vom Arcanist) recht lange meine Zweitklasse war. Dazu sind Carbuncles (Wesen aus dem Final Fantasy Universum) einfach so niedlich! Stolz bin ich vorrangig auf den Schnitt des Mantels, bei dem der Designer wirklich nicht nachgedacht hat, ob sich das so umsetzen lässt.

Caro & Julia:

Wir haben Anders und Hawke aus Dragon Age 2 getragen. DA2 ist eines unserer liebsten Videospiele, und anfangs haben wir die Kostüme gar nicht für einen Wettbewerb hergestellt. Später haben wir uns dann recht spontan dafür entschieden, sie beim ECG-Vorentscheid zu tragen, weil wir eine passende Auftrittsidee hatten.

Außerdem sind wir recht stolz auf die Verarbeitung der Kostüme, Anders' Schulterteil besteht aus echten Federn, einzeln auf das Kostüm geklebt, und Hawkes Stab hält mittels eines Magneten am Rücken des Kostüms.

Weil gerade Hawke sehr viel Rüstung trägt, haben wir vorab tagelang in voller Rüstung geübt, um sicherzugehen, dass wir uns richtig in den Kostümen bewegen können. Wir konnten mit diesen Kostümen auch auf Nummer sicher gehen, dass sie rechtzeitig fertig sind und wir auch wirklich genug Zeit zum Proben haben, statt in der letzten Minute gestresst noch irgendwelche Dinge mit Sicherheitsnadeln feststecken zu müssen.

Wie bereitet ihr euch auf das ECG Finale vor?

Anna:

Zur Zeit, in guter Cosplayermanier, zu wenig. Bei mir gibt es eine Menge von Hand zu arbeiten und Stickereien, deshalb habe ich eine Menge Stickmuster ausprobiert. Außerdem schneide ich nebenher meine Musik und plane, wie ich am besten meine Requisiten baue. Meine Musik und meine Auftrittsideen bekommt immer meine staatlich geprüfte Auftrittsprüferin zu hören, die mir dann Feedback darauf gibt.

Caro & Julia:

Für das Finale möchten wir unsere Performance beim Auftritt stark verbessern. Dafür lesen wir uns gerade einiges zum Thema Bühneneffekte an. Für die Outfits haben wir uns vorgenommen, sie mindestens schon ein Mal vorab testweise auf einem Event zu tragen, um besser absehen zu können, was wir eventuell noch verbessern sollten. Dazu prüfen wir, ob wir es mit den Temperaturen im Sommer aufnehmen können. Außerdem versuchen wir gerade ein wenig französisch zu lernen.

Dürfen wir denn erfahren was für Cosplays ihr machen werdet? Und wie weit seid ihr?

Anna:

Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, das Salamander-Artwork von Sakizo zu machen. Das Bild zeigt eine Art Drachenpriesterin, deren Kostüm dem einer Tribaltänzerin sehr ähnlich ist. Ich tanze selbst tribal und will dieses Kostüm seit mehreren Jahren umsetzen.

Zur Zeit lässt der Ansporn leider noch auf sich warten und der Progress hält sich in Grenzen – ganz nach dem Motto: Du hast so lange ein Motivationsproblem, bis du ein Zeitproblem hast!

Caro & Julia:

Wir werden Star-Lord und Ronan aus dem ersten Guardians of the Galaxy-Film cosplayen. Die Kostüme haben wir bereits 2014 in einer Hauruck-Aktion angefertigt, aber sie seitdem nicht wieder getragen. Für das ECG-Finale wollen wir die Outfits komplett neu auflegen. Wir mögen die Charaktere und den Film sehr gerne. Die Outfits sind auch aufwändig genug, um im starken Wettbewerb mit den anderen europäischen Teilnehmern mithalten zu können.

Wir haben sozusagen 12% eines Plans. Spaß beiseite – wir lernen gerade eine Menge neuer Sachen, um das Publikum auch ein bisschen beeindrucken zu können. Davon abgesehen wissen wir zum Glück schon, wie wir die Kostüme angehen können!

Eure Message an andere Cosplayer und die, die es werden wollen?

Anna:

Ich habe in den letzten Jahren gelernt, das Meinungen von außen toll sind, solange sie positiv sind, aber das man im Endeffekt für sich cosplayt. Mir macht es sehr viel mehr Spaß, ein Kostüm zu machen, bei dem ich das Medium wirklich liebe, auch wenn eine große Gruppe mit tollen Designs vielleicht reizvoll ist. Auch dass Cosplay nicht so wichtig ist – es ist toll, um kreativ zu sein, aber wenn es nur noch Arbeit ist, dann gibt es mir nichts.

Jeder muss seine Art finden, mit Cosplay umzugehen, und für die einen ist das eine ähnliche Art wie meine, für andere ist es eine ganz andere. Deshalb finde ich es wichtig, das man sich, egal welche Sichtweise, nichts aufdrücken lässt.

Caro & Julia:

Chillt! Cosplay ist ein super Hobby, aber es ist und bleibt ein Hobby. Das sollte einem nicht über den Kopf wachsen – man sollte sich nicht zu sehr stressen, es kommt darauf an, dass man Spaß bei der Sache hat! Wir kriegen immer wieder mit, wie Leute sich totalen Stress machen; und das kann es doch nicht sein.

Macht das, was euch Spaß macht. Cosplayt Charaktere, für die ihr brennt! Oder Designs, die euch verzaubern! Macht es für euch – nicht für irgendwen anderes. Am Ende des Tages kommt es doch drauf an, ob ihr Spaß hattet und euch wohlgefühlt habt

World Cosplay Summit Team

© Laura Rahn

WCS: Kassel4niaGirls

Der WCS ist ein internationaler Cosplaywettbewerb, dessen Teilnehmer aktuell aus 22 Ländern kommen. Die Teams, bestehend aus zwei Cosplayern; qualifizieren sich auf einem Vorentscheid für das Finale, welches vom 29.Juli bis 6. August 2017 im Aichi Arts Center in Nagoya, Japan stattfinden wird.

 

Stellt euch doch bitte vor.

Hallo, wir sind die Kassel4nia Girls – Tsuki und FallenWings. Wir sind 29 und 30 Jahre alt. Wir kennen uns bereits seit 13 Jahren und nehmen seit 2011 als Team an den verschiedensten Wettbewerben teil. Es macht uns sehr viel Spaß, auf der Bühne zu stehen, und wir hoffen, dass wir dem Publikum genauso viel Spaß bereiten können, wie wir ihn auf der Bühne selbst haben.

Zum Einstieg: Was ist Cosplay für euch?

Cosplay ist für uns nicht nur ein Hobby. Es ermöglicht uns, unseren Lieblingscharakteren noch näher zu sein, indem wir sie auf verschiedenen Conventions selbst zum Leben erwecken. Die Herstellung eines Cosplays kann zwar manches Mal eine ziemliche Herausforderung sein. Doch wenn man auch anderen damit eine Freude bereiten und man über sich hinauswachsen und Neues dazulernen kann, ist es am Ende doch immer all die Mühen wert.

Durch dieses Hobby haben wir national wie auch international viele neue Bekanntschaften knüpfen und gute Freunde finden können. Cosplay verbindet, auch wenn man nicht immer die selbe Sprache spricht.

Weshalb seid ihr beim WCS Vorentscheid angetreten?

Es macht uns großen Spaß, an Wettbewerben teilzunehmen, da es ein großartig Gefühl ist, vor einem Publikum auf der Bühne zu stehen und dieses Unterhalten zu können. Ein weiterer Grund ist die Harmonie Backstage unter allen Teilnehmern. Man hilft sich, wo man nur kann, und hat einfach Spaß miteinander.

Im Finale des WCS zu stehen war für uns schon immer der größte Traum. Wir haben schon öfter an diesem Vorentscheid teilgenommen, und nach unserer vierten Teilnahme kam die große Überraschung, dass wir gewonnen haben.

Mit welchen Cosplays seid ihr angetreten und weshalb?

Im Vorentscheid haben wir Amaimon und Mephisto Pheles aus Ao no Exorcist getragen. Beide sind die Söhne Satans, also Dämonen, und könnten nicht unterschiedlicher sein.

Ao no Exoricst ist eine unserer absoluten Lieblingsserien. Wir haben tatsächlich lange überlegt, welche Cosplays wir für diesen Vorentscheid nehmen sollten, und letztlich haben wir uns für etwas entschieden, mit dem wir uns gut identifizieren können und worin wir uns wohlfühlen.

Wie sehen eure Vorbereitungen für das WCS Finale aus?

Wir stehen als Team im sehr engen Austausch miteinander und fällen jede anstehende Entscheidung gemeinsam. Das ist nicht immer einfach, da wir leider nicht mehr sehr nahe beieinander wohnen. Letztendlich ist aber auch eine größere Entfernung für uns kein Hindernis, weil wir einfach ein eingespieltes Team sind. Wir haben verschiedene Aufgaben untereinander aufgeteilt und versuchen, unser Bestes zu geben.

Dürfen wir denn erfahren, was für Cosplays ihr machen werdet? Und wie weit seid ihr?

Für das Finale haben wir uns vier verschiedene Cosplays ausgesucht. Eines davon haben wir bereits bekanntgegeben. Für die Eröffnungszeremonie und die Osu Parade werden es Nami und Ruffy aus One Piece in der 15th Anniversary Version. Wir haben uns für diese beiden entschieden, weil One Piece ebenfalls zu einem unserer absoluten Lieblingsanimes gehört.

Die anderen Kostüme möchten wir noch nicht verraten, da wir in verschiedenen Gewinnspielen zunächst die Möglichkeit bieten wollen, unsere Cosplays zu erraten.

Am liebsten hätten wir es natürlich, bereits im Flugzeug nach Japan zu sitzen ;) Es gab schon den ein oder anderen kleinen Wutanfall, Albtraum etc., aber dennoch sind wir frohen Mutes und noch relativ entspannt.

Was ist euer Ansporn, am Ball zu bleiben?

Unser Ansporn, immer weiter zu machen und unser Bestes zu geben, sind vor allem unsere Freunde und unsere Familie. Sie unterstützen uns in allen erdenklichen Lagen und sprechen uns viel Mut zu. Der Gedanke daran, dass es Menschen gibt, die an uns glauben, ist eine sehr große Motivation für uns, unser Bestes zu geben

Eure Message an andere Cosplayer und die, die es werden wollen?

Lebt euren Traum, denn er kann wahr werden. Seid tapfer und traut euch etwas zu. Wenn ihr etwas tun wollt, dann tut es einfach und scheut euch nicht davor, was andere darüber denken könnten. Verliert nicht den Mut, wenn etwas auf Anhieb nicht klappt. Wenn ihr an etwas Spaß habt, dann lasst euch den Spaß daran nicht nehmen und glaubt an euch. Und ganz wichtig: Lasst Neider Neider sein, denn wie sagt man so schön: Haters gonna hate.

World Cosplay Summit

© Laura Rahn

Dieses Interview wurde uns von unseren Freunden bei den Teilzeithelden.de zur Verfügung gestellt. Hier geht es zu Laura Birnbaums Autorenseite auf Teilzeithelden.de und zu ihrer Facebook-Page.


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