KOLUMNE

Die Weisheit der Nerds: Conan der Barbar


„Zu kämpfen mit dem Feind, ihn zu verfolgen und zu vernichten und sich zu erfreuen an dem Geschrei der Weiber.“

Conan, Conan der Barbar

 

Diese Kaltherzigkeit ist den meisten Menschen völlig fremd. Wir sind empathische Wesen: Die Wurzel unserer Zivilisation – und folglich unsere größten Errungenschaften – liegt in unserer sozialen Natur. Selbst wir Geeks – die Einsiedler der Moderne – sind grundlegend empathisch veranlagt. Nicht so die berühmten Eroberer: Für Alexander den Großen war das Leben ein einziger Feldzug, für Dschingis Khan war ein Tag, an dem er nicht plünderte und brandschatzte, ein verlorener Tag. Napoleons Eroberungen trugen weder die Französische Revolution noch die Ideale des „Kaisers“ in die Welt, sondern zeigten nur, wie wahnsinnig gerne er andere unterwarf. Auf ihre Weise waren diese Feldherrn natürlich bedeutende Männer, ihre Taten begleiteten den unaufhaltsamen Marsch der Menschheit in die Moderne. Und doch waren sie innerlich so zerrüttet, wie wir uns das kaum vorstellen können. Zerstörte Familien und endlose Reihen von Grabsteinen säumten ihren Weg – wir können froh sein, dass so bedeutende Männer selten sind.

 

 

Das berühmteste Zitat aus dem Film Conan der Barbar (1982) stammt ursprünglich nicht aus den klassischen Erzählungen von Robert E. Howard, sondern aus einer Anekdote in Beherrscher der Erde, einer Dschingis-Khan-Biographie von 1927.

 

 

 

Aus dem Amerikanischen von Achim Fehrenbach

 

Copyright © 2011 by Quirk Productions, Inc.
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First published in English by Quirk Books, Philadelphia, Pennsylvania.
Für den deutschen Text: © 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

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