© Mario Zucca

KOLUMNE

Die Weisheit der Nerds: Veruschka Salz und die Schmatzbeeren


„Schmatzbeeren? Da lache ich nur, die gibt’s überhaupt nicht.“

Veruschka Salz, Willy Wonka und die Schokoladenfabrik

 

Gören. Genau das waren die vier Kinder, die in Roald Dahls Meisterwerk an der Seite von Charlie Bucket die Schokoladenfabrik besuchten. Die spöttische Frage der niederträchtigen, verwöhnten Veruschka berührt ein Thema, das in den heiligen Geek-Schriften immer wieder auftaucht: Besserwisserei. Bekanntlich ist es alles andere als schlau, ein Klugscheißer zu sein, und was die Gören dieser Welt nicht kapieren, ist: Geschichte macht nicht, wer sich an Bestehendes klammert, sondern wer sich dem Neuen öffnet. Alle, die immer besonders vehement ihren Standpunkt vertraten, gerieten meist in Vergessenheit – während Leute wie Kopernikus und Galilei, die stets neugierig nach der Wahrheit suchten, heute einen Ehrenplatz in der Geschichte einnehmen. Veruschka Salz erweist sich mit ihrer Selbstgerechtigkeit keinen Gefallen – und ihr trauriges Ende bestätigt eine simple Erkenntnis: Gib nicht allzu viel auf dein eigenes Geschwätz, denn das ist gefährlich. In Wonkas Welt gab es nämlich tatsächlich Schmatzbeeren – genau wie es in unserer Welt Planeten, Atome und Quarks gibt. Wir müssen nur offen genug sein, sie auch sehen zu wollen.

 

 

„Veruca Salt“ gibt es insgesamt viermal: Einmal in Roald Dahls Buch von 1964, ein weiteres Mal im Filmklassiker von 1971, ein drittes Mal in der Neuverfilmung von 2005 und ein viertes Mal als Indie-Rockband aus Chicago, die sich den Namen 1993 zulegte und auch heute noch Musik macht.

 

 

 

Aus dem Amerikanischen von Achim Fehrenbach

 

Copyright © 2011 by Quirk Productions, Inc.
All rights reserved.
First published in English by Quirk Books, Philadelphia, Pennsylvania.
Für den deutschen Text: © 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

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