Die Weisheit der Nerds - was können wir von Mike Godwin lernen?

© Mario Zucca

KOLUMNE

Die Weisheit der Nerds: Mike Godwin


„Mit zunehmender Länge einer Online-Diskussion nähert sich die Wahrscheinlichkeit für einen Vergleich mit den Nazis oder Hitler dem Wert Eins an.“

Mike Godwin, Godwins Gesetz

 

Geeks streiten gerne, und diese Streits sind oft epische Spektakel. Persönliche Schlachten um kleinste Details haben bei ihnen eine lange Tradition, das Internet brachte da nur ein Update. Vor Beginn des Internetzeitalters diskutierten sie monatelang in den Leserbriefspalten von Comic-Heften oder duellierten sich in Fanzines mit Geschichten über den Cthulhu-Mythos. Aber das Internet hat auch gezeigt, dass Geek-Streitereien vorhersehbaren Mustern folgen – und dass jeder Streit, der lang genug dauert, unweigerlich verbrannte Erde hinterlässt, und zwar so sehr, dass jede weitere Diskussion sinnlos ist. (Es ist also nicht irgendeine Meinung, sondern die eines „brutalen Faschisten“, wenn man die schwarze Rüstung aus den Batman-Filmen lieber mag als seine klassischen grauen Strumpfhosen? Wirklich, boywonder953? Echt jetzt?) Die Diskussionen laufen so oft nach demselben Schema ab, dass besonders erfahrene oder erschöpfte Blog-Kommentatoren – wenn sie einen hässlichen Streit vorausahnen – oft präventiv Nazis erwähnen: Das kürzt die Sache deutlich ab. Es ist alarmierend, dass selbst Medien, die sich nicht vorwiegend an Geeks richten, inzwischen genauso verfahren. Deshalb eine schlichte Bitte: „Können wir vielleicht einfach aufhören, uns gegenseitig als Hitler zu beschimpfen?“

 

Ein paar Geeks versuchen zumindest, den Faschismus-Tiraden etwas Lustiges abzugewinnen: In zahlreichen YouTube-Videos mixen sie eine Szene aus der Hitler-Filmbiographie Der Untergang mit Themen von Xbox bis Twilight.

 

 

 

Aus dem Amerikanischen von Achim Fehrenbach

 

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First published in English by Quirk Books, Philadelphia, Pennsylvania.
Für den deutschen Text: © 2016 S. Fischer Verlag GmbH, Frankfurt am Main

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