Geek Krieg - Das Erwachen der Macht

KOLUMNE

Der Geek-Krieg (1): Star Wars - Das Erwachen der Macht


Der Geek-Krieg: Zwei Phaser, eine Meinung. Reboots sind doof, Prequels sind Teufelswerk, der Roman war immer besser als der Film/Comic/vorlonische Gedichtzyklus, und überhaupt haben alle anderen doch ab-so-lut keine Ahnung von der Materie … Fandebatten gehören zur Phantastik wie der Fluxkompensator in die Zeitmaschine. Denn Fans sind leidenschaftlich, wenn es um ihre Leidenschaft geht. Und nicht selten sind sie sich uneinig. Dann … kommt es zum Geek-Krieg! FISCHER Tor schickt stellvertretend für Sie an die Front: Sarah Schindler, weitgereiste Genrejournalistin mit akuter Allergie gegen Stuss, und Christian Humberg, phantasieaffiner Schriftsteller mit rosaroter Altfan-Brille.

Folge 1: Was passiert, wenn die Macht erwacht?



Schindler: 
Wohooooooooooo, Star Wars! Endlich! ENDLICH WIEDER! Dieses Gefühl stellte sich beim Sichten des Trailers ein. Ich stapfe folglich freudig wie ein kleiner Padawan ins Kino, sitze hibbelig im Sessel, und mir stellen sich die Nackenhaare auf, als die Melodie ertönt. Doch was dann folgt, ist mein persönliches Jar-Jar-Binks-Blitzdings-Erlebnis. Hat J.J. Abrams echt erwartet, dass es kein Problem für mich ist, einfach Episode IV nochmal zu gucken?

Es mag sein, dass alle hippen Star-Wars-Fanboys und -girls sich ihre Luke- und Leia-Buchsen einnässen, weil Star Wars ja „soooooo cool“ ist, aber mich als olle Chewbacca-Hippe hat der Film zum Weinen gebracht. Allerdings nicht, weil er so toll besetzt ist (nope), oder so schick inszeniert (doppelnope), sondern weil ich eigentlich dachte, George Lucas habe den Sternenkrieg, dank Jar Jar, unnützen Überblendungen und einer hirnrissigen Liebesgeschichte, zerstört.

Doch weit gefehlt – Abrams und Lawrence Kasdan setzen noch einen drauf und scheinen mehr auf Altfilmverwurstung, als auf frische Ideen zu stehen, denn Episode VII ist eine Aneinanderreihung sinnentleerter und schon besser gesehener Szenen, die bei mir nur eine Sache erwachen lassen: Enttäuschung. Das geht so weit, dass ich mich letztens dabei erwischt habe, Episoden I-III noch einmal freiwillig sehen zu wollen. Gut gemacht, Jar Jar Abrams.

Alle warten gespannt auf das Erwachen der Macht – aber welche Macht? Die des Zufalls? Ich meine, nur weil Rey OFFENSICHTLICH über zu viele Midichlorianer (hihihi) verfügt, heißt das nicht, dass sie plötzlich zum Überjedi mutieren darf und ihr alles im wahrsten Sinne des Wortes zufliegt. Außerdem… wer ist bitte dieser unfassbar sprunghafte Finn? Was ist nur aus den aufregenden Rebellen (na gut, Poe ist ganz ok) geworden, die in jeglicher Situation ihren Mann standen?

Ach ja, die sind alt geworden. Wie Han Solo, der dann nicht mehr so ganz solo war, sondern mit Leia Nachwuchs gezeugt hat. Der ist wiederum der einzige Licht(schwert)blick, wenn man mich fragt. Alle finden Kylo Ren kacke, für mich aber ist er der interessanteste Charakter und hätte durchaus mehr Beleuchtung verdient. Einfach, weil er so unfassbar zerrissen ist und durch das grandiose Spiel von Adam Driver mehr Tiefe erhält als Rey, Finn, Poe und Hux zusammen.

Ach, was rege ich mich auf. Disney hat ja nun gefühlt tausend Filme Zeit, mich wieder ins Star-Wars-Universum zurückzuholen, aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass nur eine Macht dabei stark ist: die der leichten und wiederholten Kommerzkacke, ohne Charakter und ohne Liebe. 

Humberg:
Wie kann ein einziger Mensch nur so viel Unsinn reden? Ernsthaft, Schindler, geh mal zum Kardiologen. Ich glaube, dein Herz ist dir irgendwo zwischen zwei Kinosesseln verloren gegangen. Episode VII ist doch nahezu perfekt! J.J. Abrams und Lawrence Kasdan haben es geschafft, der Star-Wars-Saga endlich, endlich wieder das gute alte Star-Wars-Feeling zurückzugeben. Von der ersten Minute an fühlt sich der Altfan bei „Das Erwachen der Macht“ wie zu Hause und als wäre er wieder zehn Jahre alt!

Die epische Weite, das emotionale Drama, die geliebten alten Helden … Was, bitte schön, soll mir daran nicht gefallen? Erst recht, wenn ich an George Lucas’ Prequel-Trilogie zurückdenke, die Hayden Christensen mit Romantik, Jar Jar Binks mit Humor und handelspolitische Dispute mit Drama verwechselte. Das war nicht mein Sternenkrieg, das hier ist mein Sternenkrieg!

Klar hat Abrams’ auch mitunter daneben gegriffen. Das Drehbuch hat Löcher, durch die mindestens ein Ewok, wenn nicht sogar ein R2D2 passt, Kommissar Zufall ist plötzlich des Jedis bester Freund, und die Antworten auf einige durchaus handlungsbestimmende Fragen hebt sich der Film mal ganz lässig für seine Fortsetzungen auf (vermutlich, weil er sie selbst noch nicht kennt).

Aber das sind Abzüge in der B-Note; Kleinigkeiten, weiter nichts. Denn trotzdem: Die neuen Helden sind toll, die alten sowieso, Setting und Atmosphäre fühlen sich endlich wieder richtig an – und wenn sich Rey und Kylo Ren zum finalen Lichtschwertduell gegenüberstehen, sind für mich alle Gungans, alle Midichlorianer und alle Christensens dieser Welt echt vergeben und vergessen. Denn dank Episode VII ist die Macht wieder mit uns. Und zumindest ich habe sie vermisst. Du allerdings … Ernsthaft, Schindler: Geh mal zum Arzt!

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