Messe: SPIEL 2016 in Essen - die Highlights

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SPIEL 2016 – Ein Hoch auf das Kind in uns


Im Zeitalter von Computerspielen, die es an Rasanz und Bildqualität inzwischen mit jedem Kinofilm aufnehmen können, feiert die analoge Konkurrenz eine wundervolle Renaissance: das Brettspiel. Unsere Abenteuerkorrespondentin Sarah Schindler hat sich in die Höhlen – oder besser Hallen – der Löwen begeben, genau genommen auf das Messehighlight SPIEL in Essen. Und ist mit tausendundeiner Spielidee zurückgekehrt.

Kinners, der Herbst ist da – und was macht man im Herbst außer Tee trinken, Bücher lesen und Bingewatchen? Richtig! Spielen. Aber nicht etwa Battlefield, Dishonored oder Civilization (okay, das vielleicht auch), sondern so richtig schön oldschool: Brettspiele rauskramen, Freunde anrufen und gemeinsam einen gediegenen Brettspielabend erleben. Um dafür auf dem Laufenden zu bleiben, gehört ein Besuch der weltgrößten Brettspielmesse jährlich im Oktober in Essen zum absoluten Pflichtprogramm. Dieses Jahr hat sich die SPIEL mit insgesamt 174 000 (!!!) Spiele-Enthusiasten selbst übertroffen – Spielen war noch nie so beliebt, und über 1000 Aussteller zeigten, was es so Neues gibt und worauf wir uns in den kommenden Monaten freuen dürfen.

Das Angebot ist dabei so riesig, dass einem schnell der Überblick über Würfel, Plättchen, Spielfiguren und Anleitungen verlorengehen kann. Kein Wunder, bei 1200 vorgestellten Spielen. Ich habe mich mal zwei Tage lang treiben lassen und geguckt, was mich, meine Spielkumpane und euch gefallen könnte.

Als Allererstes ist mir dabei die Flut an Exit-Room-Spielen aufgefallen. Während ich persönlich nicht ganz verstehen kann, warum man sich freiwillig in einen Raum sperren lässt, damit man Rätsel löst, um wieder rauszukommen (und dafür Geld bezahlt – Wohnung abschließen lassen, Kühlschrank leerräumen und Schlüssel vom Partner verstecken lassen ist günstiger und hat durchaus mehr Spannungs- und Verzweiflungscharakter), sind die verschiedenen Brettspielvarianten deutlich mehr nach meinem Geschmack. 

Spiel 2016 in Essen: Exit von Kosmos

Vor allem Exit – Das Spiel von Kosmos hat mir echt gefallen. Mit bis zu fünf Mitspielern müssen wir Hinweise entdecken, kombinieren und Rätsel lösen, die uns zum richtigen Code und damit aus dem Raum hinausführen. Die Rätsel sind spannend und abwechslungsreich, allerdings ist der Wiederspielwert nicht wirklich hoch, da Spielmaterial durchaus einmal besudelt oder zerstört werden muss. Kosmos hat dafür bisher drei verschiedene Orte (in jeweils einer Box für rund 13 Euro) rausgebracht. Ist auf jeden Fall kurzweiliger und gemütlicher als ein echter Escape-Room und daher für alle Couchpotatoes prima geeignet.

Ich will ehrlich sein – meine Geduld und Aufmerksamkeitsspanne hält sich, sagen wir, in Grenzen, und ein klitzekleines Highlight während der Spielepräsentation von Pegasus war definitiv Dr. Eureka. 

Spiel 2016 Essen: Dr. Eureka von Pegasus Spiele

Dabei handelt es sich zwar um ein Familienspiel, das vor allem jüngere Spieler anspricht, aber ich steh auf schnelle Spiele, die man auch durchaus mal zwischendurch spielen kann. Das Spielprinzip ist schnell erklärt: Man muss mit seinen drei Reagenzgläsern die verschiedenfarbigen Kugeln so mischen (schütten, nicht popeliges rausfummeln und wieder einfüllen), bis das vorgegebene Bild auf der Karte erreicht ist. Wer es als Erster geschafft hat, schreit »EUREKA!«, freut sich wie eine Wilde und rennt um den Tisch. Also ich mach‘ das. Ich liebe simple Spiele, bei denen man nicht erst stundenlang die Spielanleitung lesen muss. Ich liebe aber auch komplexe Spiele (bei denen jemand anderes die Spielanleitung liest). Darunter fallen auf jeden Fall Expertenspiele wie Great Western Trail oder Mystic Vale. Beide ebenfalls aus dem Hause Pegasus, und vor allem Great Western Trail wurde (zu Recht) auf der SPIEL gehyped. Während ich hier als Cowboy versuche, meine Herde heil nach Kansas City zu bringen, Geld einzufahren und unterwegs nicht überfallen zu werden, versuche ich bei Mystic Vale mein Deck so aufzuwerten, dass Mutter Erde gedeiht und ich mit reichlich Punkten als Sieger hervorgehe. Bei Mystic Vale geht mir vor allem bei der innovativen Deckanordnung das Herz auf. Die Karten sind so gestaltet, dass sie nicht mehr zu hohen Türmen oder riesigen Flächen aufgereiht bzw. ausgebreitet werden müssen, sondern durch semitransparente Oberflächen zu einem Deck zusammengeführt werden können. Spielen kann so schön sein.

Spiel 2016 Essen: Great Western Trail
Spiel 2016 Essen: Mystic Vale

Nach so viel Strategie und eingeschobener Action sehnte ich mich nach Spielen, die mein Nerd-Herz höher schlagen lassen, und ich wurde nicht enttäuscht. Sei es bei Heidelberger, die uns mit dem Strategieriesen Star Wars Rebellion einen kompletten Sonntagnachmittag versüßten, Asmodee mit Pandemic – Die Schreckensherrschaft des Cthulhu uns in den erneuten Kampf gegen das Böse schickt oder Heidelberger mit Dungeon Roll – Zurück in den Dungeon meine Mitspieler daran erinnert, warum ich manchmal echt ein Arsch sein kann.

Hach, die SPIEL in Essen ist eines meiner absoluten Messehighlights, und ich könnte jetzt noch stundenlang über weitere Kracher, wie Sea of Clouds von iello (erstmals in Eigenproduktion in Deutsch auf den Markt gebracht), Codename Pictures, Fury of Dracula oder Spiele von klitzekleinen Verlagen (oder sogar Eigenproduktionen) mit zum Teil echt innovativen Spielgedanken schreiben, aber mich juckt es in den Fingern und ich muss gleich noch beweisen, dass ich ein guter Verlierer sein kann. Also vielleicht. Wenn nicht, fahren wir wieder zum großen schwedischen Möbelhaus und kaufen Mobiliar für den nächsten Spieleabend. Denn der folgt bestimmt, und ich werde davon berichten – falls noch jemand mit mir spielen will (ich musste versprechen, den Hulk in mir in dieser Zeit ins Kino zu schicken).

Spiel 2016 Essen: Dungeon Roll
Spiel 2016 Essen: Pandemic Cthulhu
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