Warcraft, Assassin's Creed und Uncharted - wie gut sind Gamesverfilmungen heute?

© Universal Pictures International

GAMES

Von Assasin’s Creed bis Uncharted: Wie gut sind die heutigen Games-Verfilmungen wirklich? (Teil 2/2)



Blitzschnell klettere ich die Fassade empor. Das viktorianische Backsteinhaus bietet jede Menge Simse und Vorsprünge, an denen ich mich emporziehen kann. Oben angekommen, sprinte ich den First entlang, springe mit Riesensätzen von Dach zu Dach und erklimme schließlich einen Fabrikschornstein, von dem ich einen atemberaubenden Blick auf das Themse-Ufer und auf die Kuppel der St Paul's Cathedral habe, die sich aus dem Londoner Nebel erhebt. Ich wage den leap of faith, den Sprung in die Tiefe – und lande exakt in einem Heuhaufen. In meinen Mantel gehüllt, den Hut tief ins Gesicht gezogen, mische ich mich ins bunte Straßentreiben. London ist eine Stadt voller Abenteuer – und das nächste ist nur wenige Schritte entfernt.

Assassin's Creed Syndicate bietet enorme Handlungsfreiheit. Der jüngste Ableger der Spielereihe (2015) inszeniert das viktorianische London als riesigen Spielplatz, auf dem sich Action-Fans nach Herzenslust austoben können – kletternd, schleichend und im Kampf gegen finstere Industriebosse. Das Open-World-Game von Ubisoft besitzt zwar eine Haupthandlung mit festen Etappen, aber auch unzählige Sidequests und Mini-Aufgaben, die dutzende, wenn nicht hunderte Stunden Spielzeit ergeben: hier eine Verfolgungsjagd, dort ein Raubzug, dazwischen Bandenkriege und Befreiungsaktionen. Aber: Kann so etwas auch als Film funktionieren, als Popcorn-Blockbuster für die Leinwand? Oder anders formuliert: Lässt sich der Reiz einer offenen Spielwelt mit historischem Setting in einen 90-Minuten-Streifen pressen? Bei dem man nicht mehr selbst als Held im Mittelpunkt steht, sondern ein Hollywood-Akteur?

Ubisoft jedenfalls hofft, dass diese Rechnung aufgeht. Am 27. Dezember kommt Assassin's Creed in die deutschen Kinos, es ist der erste Film zur Spielereihe, die den – historisch so nicht belegten – Kampf zwischen Assassinen und Templern quer durch die Weltgeschichte begleitet. Der Film wird von Ubisoft Motion Pictures unter anderem mit Regency Enterprises koproduziert, in den Hauptrollen sind Michael Fassbender, Marion Cotillard und Jeremy Irons zu sehen. Assassin's Creed spielt im selben Universum wie Syndicate und die anderen Teile der Spielereihe, soll aber eine eigenständige Handlung und gänzlich neue Charaktere bieten. Regisseur Justin Kurzel ist mit einer überaus düsteren Macbeth-Verfilmung (2015) bekannt geworden – auch da spielten Fassbender und Cotillard die Hauptrollen. Das Produktionsbudget von Assassin's Creed dürfte irgendwo zwischen 150 und 200 Millionen US-Dollar liegen: ein echter Blockbuster also, der die Massen an Weihnachten in die Kinos locken soll.

Assassin's Creed ist nur eines von mehreren Filmprojekten in Ubisofts Pipeline: In den kommenden Jahren sollen auch die Action-Spiele wie Watch Dogs, The Division, Splinter Cell und Ghost Recon verfilmt werden. Die 2011 gegründete Produktionsfirma Ubisoft Motion Pictures ist zweifellos die umtriebigste Akteurin auf dem Markt der Game-Verfilmungen, doch auch ansonsten tut sich dort momentan Einiges. Die Liste der Ankündigungen (und Gerüchte) ist jedenfalls lang: Sie reicht von Uncharted über Minecraft, Sonic The Hedgehog und Sly Cooper bis hin zu Metal Gear Solid und Shadow of the Colossus

  • Assassin's Creed PC-Spiel und Konsolenspiel über moderne Templer quer durch die Geschichte Europas.

    © 20th Century Fox

  • Assassin's Creed PC-Spiel und Konsolenspiel über moderne Templer quer durch die Geschichte Europas.

    © 20th Century Fox

  • Assassin's Creed PC-Spiel und Konsolenspiel über moderne Templer quer durch die Geschichte Europas.

    © 20th Century Fox

  • Assassin's Creed PC-Spiel und Konsolenspiel über moderne Templer quer durch die Geschichte Europas.

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Dass Hollywood ein Stück vom Games-Kuchen abhaben möchte, ist nicht weiter verwunderlich: Franchises wie Mario, Minecraft oder Final Fantasy sind Dauerbrenner, erreichen Verkaufszahlen weit jenseits der 100-Millionen-Grenze und besitzen als Marken globalen Wiedererkennungswert. Mit ihren teils astronomischen Umsätzen stellen sie selbst die aufwendigsten Kino-Blockbuster in den Schatten – so setzte beispielsweise die Ganoven-Mär Grand Theft Auto V allein an den ersten drei Verkaufstagen mehr als eine Milliarde US-Dollar um. Eine Adaption für die Kinoleinwand erscheint da verlockend – allerdings hat genau das in der Vergangenheit nur selten wirklich gut funktioniert, die allermeisten Spieleverfilmungen enttäuschten. Eine Reihe beliebter Fehler haben wir bereits in Teil 1 unseres Specials aufgelistet: Seichte Geschichten, papierdünne Charaktere und billige Effekte sorgten dafür, dass sich Spielefans mit Grauen abwendeten. Oftmals fehlte es den Regisseuren schlichtweg an Kenntnis von und Respekt für die spielerische Vorlage. Manche glaubten auch, sie müssten nur das Gameplay simulieren, zum Beispiel mit einer verwackelten First-Person-Kamera – was natürlich nicht funktionierte, weil dabei etwas Entscheidendes fehlt: die Interaktivität des Mediums Computerspiel. Games ziehen ihren Reiz ja gerade daraus, dass Spieler selbst Entscheidungen treffen, dass sie ihre Reaktionsfähigkeit beweisen können. Und längst nicht alle besitzen eine starke Story, die mühelos den Medienwechsel verkraftet.

Assassin's Creed hat diesbezüglich allerdings gute Chancen: Das reichhaltige Universum des Spiels bietet unzählige Andockpunkte für neue Geschichten. Erstens spannt sich der AC-Kosmos über etliche Jahrhunderte und Episoden der Menschheitsgeschichte, vom mittelalterlichen Florenz über den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg bis in die Piratengewässer der Karibik und ins Frankreich der Französischen Revolution. Zweitens wurden im Lauf der Serie etliche Hauptfiguren eingeführt, so dass ein neuer Held nicht als Fremdkörper erscheint: Der Filmheld Aguilar de Nerha dürfte sich denn auch nahtlos neben Spielhelden wie Altaïr Ibn-La'Ahad und Ezio Auditore da Firenze einreihen.

Allerdings garantiert auch ein reichhaltiges Spieluniversum noch längst keinen guten Film. Wie man grandios an der Vorlage scheitern kann, zeigte zuletzt die Verfilmung Warcraft: The Beginning. Obwohl mit Duncan Jones ein ambitionierter Filmemacher (Moon, Source Code) und ausgewiesener Spielefan Regie führte, entstand ein CGI-Spektakel mit austauschbarer Handlung und generischen Dialogen. Wobei das Publikum das durchaus anders sah: In Deutschland verzeichnete Warcraft bereits in der ersten Woche eine halbe Million Kinobesucher, in China wurde er zum erfolgreichsten Film aller Zeiten – wohl nicht zuletzt deswegen, weil das Spiel dort besonders viele Anhänger hat. Überhaupt scheint China ein ganz besonderer Markt für Game-Verfilmungen zu sein. Erst kürzlich fusionierte die chinesische Firma Seven Star Works mit den US-amerikanischen Threshold Studios, um gemeinsam einen echten Game-Klassiker zu verfilmen: Tetris. Der „epische Science-Fiction-Thriller” (Eigenbeschreibung) soll ab 2017 gedreht werden und – man höre und staune – als Trilogie in die Kinos kommen. Man darf gespannt sein, welche Geschichte sich die Macher rund um das Klötzchenspiel ausdenken.

Die wahrscheinlich beste Computerspiel-Verfilmung ist übrigens gar keine. Im Science-Fiction-Film Edge of Tomorrow kämpft Tom Cruise gegen eine schier übermächtige Alien-Invasion. Jedes Mal, wenn er stirbt, wird er durch eine Zeitanomalie an den Anfang der Schlacht zurückversetzt – bis er die tödlichen Gefahren irgendwann auswendig kennt. Besser lässt sich das Trial-and-Error-Prinzip vieler Games nicht auf die Leinwand bringen.

  • Realverfilmung des Blizzard PC-Spiels über einen Krieg zwischen Orks und Menschen.

    © Universal Pictures International

  • Warcraft: The Beginning: Realverfilmung des Blizzard PC-Spiels über einen Krieg zwischen Orks und Menschen.

    © Universal Pictures International

  • Warcraft: The Beginning: Realverfilmung des Blizzard PC-Spiels über einen Krieg zwischen Orks und Menschen.

    © Universal Pictures International

  • Warcraft: The Beginning: Realverfilmung des Blizzard PC-Spiels über einen Krieg zwischen Orks und Menschen.

    © Universal Pictures International

  • Warcraft: The Beginning: Realverfilmung des Blizzard PC-Spiels über einen Krieg zwischen Orks und Menschen.

    © Universal Pictures International

  • Warcraft: The Beginning: Realverfilmung des Blizzard PC-Spiels über einen Krieg zwischen Orks und Menschen.

    © Universal Pictures International

  • Warcraft: The Beginning: Realverfilmung des Blizzard PC-Spiels über einen Krieg zwischen Orks und Menschen.

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  • Warcraft: The Beginning: Realverfilmung des Blizzard PC-Spiels über einen Krieg zwischen Orks und Menschen.

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