Gamesverfilmungen: Wie gut sind Ratchet und Clank und Angry Birds als Kinofilm?

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Ratchet & Clank und Angry Birds als Kinofilm: Wie gut sind die heutigen Games-Verfilmungen wirklich? (Teil 1/2)


Die Antwort lautet leider: nicht gut! Immer wieder scheitern Regisseure beim Versuch, Computerspiele auf die Kinoleinwand zu bringen. Dennoch steht eine ganze Reihe von Projekten in den Startlöchern - ein Überblick.

Im falschen Film

Als Super Mario Bros. 1993 in die Kinos kam, trauten die Fans ihren Augen nicht. Was war bloß aus dem farbenfrohen Pilzkönigreich geworden? Die fröhliche Spielwelt hatte sich auf der Leinwand in ein finsteres Dystopia verwandelt. Mario (Bob Hoskins) und Luigi (John Leguizamo) kasperten sich durch Dinohattan, das von dem neurotischen König Koopa (Dennis Hopper) im Stile Donald Trumps regiert wurde. Der Film war ein 50 Mio. Dollar teurer, chaotischer Mix aus Klempnerei, Blade Runner, Pilzbefall, Nachtclub-Szenen und Dinosauriern. Mit dem tragischen Detail, dass Mario nicht mal richtig springen konnte.

Super Mario Bros. gilt als eine der schlechtesten Game-Verfilmungen überhaupt. Und das völlig zurecht. Allerdings hat sich in den vergangenen Jahrzehnten eine ganze Menge miserabler Film-Adaptionen angesammelt. Vergleichsweise gelungen sind noch das kurzweilige, augenzwinkernde Prince of Persia: Der Sand der Zeit (2010) und das Gerichtsdrama Ace Attorney (2012), das nah an der Vorlage bleibt. Die Liste der Ausfälle ist ungleich länger – sie reicht von Wing Commander über Hitman und Max Payne bis hin zu Far Cry und Resident Evil. Die Handlung dieser Filme ist oft unerträglich seicht, die Figuren sind klischeebeladen und die Wechselwirkung mit dem Original gleich null. Die meisten Adaptionen wirken wie der billige Versuch, bekannte Spielemarken möglichst aufwandsarm zu melken. Wo mehr versucht wurde, ist das Ergebnis oft auch nicht viel besser. 

All das hält Filmemacher nicht davon ab, es immer wieder auf Neue zu versuchen. Allein im Frühjahr gingen drei große Titel an den Start, nämlich Ratchet & Clank, Angry Birds und Warcraft: The Beginning. Für die nächsten zwei Jahre sind viele weitere Verfilmungen geplant oder bereits in der Mache, darunter Assassin’s Creed, Uncharted, Splinter Cell, Shadow of the Colossus und Metal Gear Solid. Mit dem weltweiten Games-Boom wächst auch die Begehrlichkeit, große Spielemarken auf allen Kanälen zu verwerten – sei es mit Merchandise-Artikeln, Büchern, eSport-Events oder eben Filmen. Nur: Haben die Regisseure etwas aus dem Mario-Supergau und den Katastrophen danach gelernt?

  • Ratchet & Clank Games Spiel Verfilmung

    © Constantin Film

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  • Ratchet & Clank Games Spiel Verfilmung

    © Constantin Film

  • Ratchet & Clank Games Spiel Verfilmung

    © Constantin Film

Schaut man sich die aktuellen Beispiele an, lautet die Antwort: eher wenig. Der Animationsfilm Ratchet & Clank erschien parallel zum gleichnamigen Spiel, das wiederum ein Reboot des ersten Serienteils von 2002 ist. Film wie Spiel sind familienfreundliche Unterhaltung: Der Fuchsmensch Ratchet und sein Roboter Clank helfen dem Weltraum-Ranger Captain Qwark, die sinistren Pläne eines galaktischen Oberbösewichts zu durchkreuzen – eine klassische Heldengeschichte mit harmlosem Humor. Das Spiel ist durchaus unterhaltsam, weil es auf die bewährte Mischung aus Hüpf- und Kampfeinlagen setzt. Der Film erzählt im Wesentlichen die Geschichte des Spiels – wer es schon kennt, wird nicht viel Neues entdecken. Den direkten Vergleich mit Pixar-Filmen verliert Ratchet und Clank auf allen Ebenen: die Charaktere sind flacher, die Wendungen vorhersehbarer, die Grafik weniger detailliert und der Humor weniger subversiv. In einem Spiel fällt das alles nicht so sehr ins Gewicht, wenn das Gameplay für ausreichend Abwechslung sorgt. Als Film ist Ratchet & Clank aber vor allem eines: langweilig.

Die Angry Birds sind mittlerweile eine globale Marke: Es gibt sie als Spielzeug, in Buchform, als TV-Serie und sogar als Freizeitpark. Viel simpler als in dem Geschicklichkeitsspiel kann eine Handlung nicht gestrickt sein: Grüne Schweine haben Vogeleier stibitzt, die Vögel sind wütend und katapultieren sich auf die Schweine-Festungen, um sie zum Einsturz zu bringen. Man könnte nun denken, dass Spiele mit einem reichhaltigen Erzählkosmos deutlich bessere Anknüpfungspunkte für Verfilmungen bieten. Bei den Angry Birds reichen aber schon ein paar skurrile Charaktere und ein Grundkonflikt, um daraus einen 97-Minuten-Film zu basteln. Im Mittelpunkt steht der Vogel Red (deutsche Synchro: Christoph Maria Herbst), der anfangs noch an Anti-Aggressionstrainings teilnimmt, sich später aber zum Anführer des gefiederten Widerstands aufschwingt. Der Film lebt von klamaukiger Action und einer recht ansehnlichen Grafik, verfällt aber schnell in Routine. Beim Kinopublikum kommt das jedenfalls gut an: Zwei Wochen nach Erscheinen hat Angry Birds schon mehr als 220 Mio. US-Dollar eingespielt und steht auf Platz fünf der umsatzstärksten Computerspiel-Verfilmungen – hinter Prince of Persia: Der Sand der Zeit (336 Mio.), Resident Evil: Afterlife (296 Mio.), Lara Croft: Tomb Raider (274 Mio.) und Resident Evil: Retribution (240 Mio.).

  • Angry Birds Games Spiel Verfilmung

    © Sony Pictures Releasing

  • Angry Birds Games Spiel Verfilmung

    © Sony Pictures Releasing

  • Angry Birds Games Spiel Verfilmung

    © Sony Pictures Releasing

  • Angry Birds Games Spiel Verfilmung

    © Sony Pictures Releasing

Erfolg und Misserfolg einer Spiel-Verfilmungen hängen nur sehr mittelbar mit deren Qualität zusammen. Die Resident-Evil-Filme funktionieren als Milla-Jovovich-Vehikel ganz ordentlich, sind aber allerfeinster Trash. Die Spiele der Serie funktionieren gerade wegen des permanenten Bedrohungsgefühl, das sich aus eingeschränkter Sicht, Bewegungsfreiheit und Munitionsengpass speist - doch in den Filmen wird das überstilisierter Slo-Mo-Action geopfert. Der Brite Paul W. S. Anderson ist seit Beginn (2002) für die Filmreihe verantwortlich, unter anderem als Regisseur, Drehbuchautor und Produzent. Regie beim ersten Film sollte eigentlich niemand Geringerer als George A. Romero (Night of the Living Dead) führen – doch sein Drehbuch wurde abgelehnt, und er bekam den Job nicht. Sechs Filme später ist man nun wohl zu der Auffassung gekommen, dass die Serie auch mal enden darf: Im Februar erscheint Resident Evil: The Final Chapter.

 

Welche weiteren Fehltritte - oder gar: postive Überraschungen! - es aus der Ecke der Games-Verfilmungen dieses Jahr zu sehen gab, erfahrt ihr in den nächsten Tagen hier auf TOR ONLINE.

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