Das jahrzehntealte „Expanded Universe“ von Star Trek – Teil 1: Die Romanwelten

© altmann/pixabay

FILM

Das jahrzehntealte „Expanded Universe“ von Star Trek: Die Romanwelten


Schon seit den 1960ern findet Star Trek nicht allein auf der Mattscheibe statt: Treksperte Christian Humberg erkundet die unendlichen Weiten des Expanded Universe, das sich über zahllose Franchises erstreckt – mal mehr, mal weniger gelungen. Wir beginnen mit den Romanwelten von Star Trek. Engage!

Die BANTAM-Jahre

1960er – 1980er

Der Inhalt: Nachdem das klassische Star Trek Ende der 1960er Jahre vom ausstrahlenden TV-Sender NBC eingestellt wurde, geschah ein kleines mediales Wunder: In Wiederholungen mauserten sich die drei Serienstaffeln während der folgenden Jahre zu einem beeindruckenden Quotenerfolg! Klar, dass schnell Lizenznehmer versuchten, auf diesen Zug aufzuspringen. Einer der ersten war der New Yorker Verlag Bantam Books. Sein Erfolgsrezept erwies sich gerade im Zeitalter vor dem Videorecorder als genial: Er ließ (überwiegend) schlicht die existierenden Fernsehfolgen in Romanen nacherzählen.

Die Macher: Die Bantam-Jahre sind vor allem mit dem Namen James Blish eng verbunden. Der US-amerikanische SF- und Fantasyautor war kein großer Freund von „Novelizations“, übernahm den Auftrag von Bantam Books aber, weil er finanzielle Sicherheit versprach. In insgesamt zwölf Büchern und über einen Zeitraum von zehn Jahren adaptierte er, zeitweise unterstützt von Gattin J.A. Lawrence, die beliebten Fernsehfolgen in Romanform. Im Anschluss schrieben beide zudem je einen eigenständigen Roman zur Serie, ebenfalls für Bantam.

Die Qualität: Blishs Arbeiten waren sehr solide und haben schon allein deswegen bei vielen Altfans bis heute einen Stein im Brett, weil sie lange Zeit die einzige Trek-Dosis darstellten, die jenseits von Kinoleinwand und Mattscheibe zu finden war. Gelegentliche inhaltliche Abweichungen zwischen TV- und Romangeschichte waren da schnell verziehen. Im Zeitalter vor dem Heimkino, vor Videorecordern, DVDs und Streamingdiensten waren Lizenzromane neben den seltenen Wiederholungen das einzige Mittel, durch das Fans ihre Lieblingshelden und -abenteuer noch mal erleben konnten. Kein Wunder, dass James Blishs Werke zu Verkaufserfolgen wurden.

In Deutschland: Auch in Deutschland erschienen sie – zunächst im Williams Verlag, dann bei Goldmann.

Die Ära BALLANTINE

1970er

Der Inhalt: „Was Bantam kann, können wir schon lange“, schien man sich in den 1970er Jahren beim US-Verlag Ballantine Books zu denken. Während die Konkurrenz mit James Blishs Romanadaptionen der TV-Serienfolgen Erfolge am Buchmarkt feierte, entdeckte Ballantine nämlich die klassische Zeichentrickserie „Star Trek“ (1973/1974) für sich – und verfuhr damit nach ganz ähnlichem Muster.

Die Macher: Alan Dean Foster zählt zu den alten Hasen des Lizenzromans und hat schon, so scheint es, für so ziemlich jedes Franchise der Welt geschrieben. Entsprechend leicht gingen dem geübten Autor auch die von Ballantine erbetenen Romanfassungen der ingesamt 22 Trickepisoden des klassischen Star Trek von der Hand. Zwischen 1974 und 1978 schrieb Foster insgesamt zehn Bände mit jeweils drei bis vier Folgen Inhalt und verknüpfte die einzelnen TV-Abenteuer zudem mit neu geschaffenen Übergängen.

Die Qualität: Am „Zeichen-Trek“ scheiden sich seit jeher die Geister. Längst nicht alle Fans fanden und finden Gefallen an den animierten Abenteuern des klassischen Raumschiffs Enterprise. Ähnlich verhält es sich natürlich mit den Romanadaptionen ebendieser Geschichten, wobei Alan Dean Fosters souveräne Schreibe nun wirklich keinen Grund zur Klage geben dürfte.

In Deutschland: Im Zuge des von der TV-Serie „The Next Generation“ losgetretenen Booms Anfang der 1990er Jahre fanden auch Ballantines Trick-Adaptionen endlich den Weg auf den deutschen Buchmarkt. Die Übersetzungen erschienen zwischen 1993 und 1995 bei Goldmann.

Star Trek 1
Log One
Star Trek Prometheus: Feuer gegen Feuer

POCKET BOOKS‘ unendliche Weiten

1970er – Gegenwart

Der Inhalt: 1979 veröffentlichte der New Yorker Verlag Pocket Books, ein Imprint von Simon & Shuster, die Romanfassung des ersten Star-Trek-Kinoabenteuers (verfasst von Alan Dean Foster unter dem Pseudonym Gene Roddenberry). Im Anschluss ließ Pocket weitere, originäre Romanabenteuer produzieren. Diese waren zunächst inhaltlich abgeschlossen und eigenständig. Insbesondere im Zuge des Trek-Booms der 1990er Jahre integrierte der Verlag aber auch verstärkt inhaltliche Querverweise und setzte zeitweise auch abgeschlossene TV-Serien des Franchises mit neuen, fortlaufenden Abenteuern in Buchform fort. Dieses Unterfangen dauert bis heute an.

Die Macher: Jeder.

Nein, wirklich: So ziemlich jeder, der im Bereich Lizenzroman einen Namen hat, schrieb schon für Pockets Trek-Reihen. Zu den größten Stars der vergangenen drei Jahrzehnte zählen u.a. Vonda N. McIntyre, Diane Duane, Peter David, Michael Jan Friedman, David Mack, Keith R.A. DeCandido, Kirsten Beyer …

Die Qualität: Über Geschmack kann man nicht streiten. Pockets Output an (übrigens nach wie vor umfänglich lieferbarem) Roman-Trek umfasst inzwischen mehrere hundert Titel – mal zu einzelnen Serien, mal komplett eigenständig entwickelt. Klar, dass da nicht jeder Band jedem potenziellen Leser zusagt. Fest steht aber, dass sich in den unendlichen Weiten dieses fortlaufenden Abenteuers zahlreiche Perlen finden, an denen nicht nur Hardcore-Trekkies ihre Freude haben dürften.

In Deutschland: Im Laufe der Jahre nahmen sich gleich mehrere deutsche Verlage Pockets Trek-Literatur an. Lange Zeit federführend: Heyne. Hier erschienen von Anfang der 1980er an gut zwei Jahrzehnte lang die US-Romane in deutscher Übersetzung. (Ausgewählte Titel erschienen zudem als Hardcover bei vgs.) Als Heyne wegen sinkender Absatzzahlen aufgab, übernahm der Ludwigsburger Verlag Cross Cult die Arbeit. Dort werden die Übersetzungen bis heute veröffentlicht.

Eine Lektion in Liebe
Ein Stich zur rechten Zeit
Die Föderation

Star Trek auf deutsch: CROSS CULT

2010er

Der Inhalt: Nachdem der Heyne Verlag die Trek-Lizenz auslaufen ließ, sprang Cross Cult, bis dato eher durch Comics (The Walking Dead, Hellboy) bekannt, in die Bresche. Seit 2008 liefert das Haus die Romane zu den Trek-Serien, beginnend mit dem eigenständigen Buch-Spinoff „Vanguard“. Darüber hinaus verlegte Cross Cult auch „Star Trek: Prometheus“, die offizielle Romantrilogie zum 50. Seriengeburtstag. Diese wurde – ein Novum in der Trek-Historie – von deutschen Autoren verfasst und später für den US-Markt übersetzt.

Die Macher: Federführend für das „deutsche“ Trek-Romanprogramm der Gegenwart ist Markus Rohde. Der Redakteur holte 2008 die Romane von Pocket Books zurück nach Deutschland und begleitet sie bis heute. Sein Übersetzerstamm rekrutiert sich seit jeher aus zahlreichen Experten der hiesigen Phantastik- und v.a. Trek-Szene, darunter Claudia Kern, Andrea Bottlinger und Bernd Perplies.

Die Qualität: siehe Eintrag zu Pocket Books. Da Cross Cult sich bemüht, das immer verzahnter gewordene literarische Trek-Universum lückenlos ins Deutsche zu übertragen, findet sich ein Großteil von Pockets jüngeren Produktionen auch in Cross Cults Sortiment.

… und zum Abschluss noch

Lektüretipps für Einsteiger: Diese 3 Trek-Romane müsst ihr kennen.

  1. Peter David: Eine Lektion in Liebe (Heyne Verlag; Originaltitel Q-in-Law). Eine romantische Komödie im Setting von „The Next Generation“? Auf so eine Idee kann auch nur Trek-Altmeister Peter David kommen.
  2. Andrew Robinson: Ein Stich zur rechten Zeit (Cross Cult; Originaltitel A Stitch in Time). Eine elegische Lebensbeichte, in Briefform erzählt vom „simplen Schneider“ Garak (Deep Space Nine) … und verfasst von dessen langjährigem Schauspieler.
  3. J. & G. Reeves-Stevens: Die Föderation (Heyne Verlag; Originaltitel Federation). Ein – inhaltlich längst von Filmen und Serien überholtes – episches Abenteuer, das mehrere Jahrhunderte des Trekkiversums verknüpft und einfach spannend ist.

Was sind eure liebsten Trek-Romane? Diskutiert mit uns in der Kommentarspalte.

Tolle Überraschungen ...

... erwarten dich in unserem Newsletter. Preisaktionen, exklusive Gewinnspiele, die besten Neuerscheinungen. Bestelle jetzt unsere Raketenpost!

Bestelle jetzt unseren Newsletter
Share:   Facebook