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FILM

Space Operas? Es gibt auch sehr irdische Science-Fiction-Dramen!


Peter Osteried
13.02.2020

Denkt man an Science Fiction, dann denkt man auch gerne an die unendlichen Weiten des Alls, an Raumschiffe, Außerirdische, Weltraumschlachten ... Dabei gibt es doch so viele herausragende Filme, die ganz und gar auf der Erde spielen – zehn Beispiele.

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10. HOW I LIVE NOW (2013)

Es geht weniger um den Krieg, weniger darum, wer der Aggressor ist. Die Umstände sind nebulös. Es geht nicht darum, wie das Leben früher war, sondern wie die Hauptfigur heute lebt. Die von Saoirse Ronan gespielte Daisy wird nach England geschickt, wo sie auf dem Land mit ihren Cousins lebt. Es gefällt ihr dort, doch die Welt steht kurz vor dem Abgrund, der Dritte Weltkrieg ist nicht nur möglich, sondern wahrscheinlich. Als London von einer Atombombe vernichtet wird und ein unbekannter Feind in Großbritannien einfällt, sind die Kinder auf sich allein gestellt. So wie die Hauptfiguren bleibt auch der Zuschauer im Unklaren, was genau geschehen ist. Das mag irritieren, wirkt jedoch immens realistisch. In einer solchen Situation würde man im Dunkeln tappen. Man würde nicht wissen, was geschieht, wer das Land angreift und wem man noch trauen kann. Wenn man ein Radiogerät und Batterien hat, würde man vielleicht Nachrichten hören, doch in einem Land, in dem das Kriegsrecht herrscht, ist auch alles, was man hört, mit Vorsicht zu genießen. Ein Happyend im eigentlichen Sinne gibt es nicht. Der Krieg mag enden, die Wunden, die er geschlagen hat, wirken aber nach. So erlebt man hier mit, wie eine verlorene Generation zum Opfer eines Konflikts wird, über den man eigentlich nichts weiß, der die altbekannte Lebensweise aber mit Wucht überrollt. Dies ist ein Film von poetischer Schönheit, der dem unsagbaren Schrecken einen Schimmer Hoffnung entgegensetzt.

How I Live Now: Trailer

9. RUBY SPARKS (2012)

Calvin hat mit 19 Jahren als Autor seinen Zenit erreicht. Er hat den großen amerikanischen Roman geschrieben und zehrt noch immer von diesem Erfolg. In den darauffolgenden zehn Jahren hat er nur noch Kurzgeschichten und Novellen veröffentlicht. Jedermann wartet auf den nächsten großen Wurf, doch Calvin hat eine Schreibblockade. Im Gespräch mit seinem Therapeuten wird ihm von diesem aufgetragen, auf einer Seite eine Geschichte zu schreiben, in der ihm eine Frau begegnet, die nicht nur seinen Hund Scotty, sondern auch ihn mag. Als Calvin von dieser Frau träumt, beginnt er über sie zu schreiben. In seinem Kopf erwacht Ruby Sparks zum Leben. Aber nicht nur dort, denn nach einer Nacht im Schreibrausch erwacht Calvin, und Ruby steht in seinem Haus. Schon bald merkt Calvin, dass er Ruby so gestalten kann, wie er es sich wünscht.

In einer wichtigen Szene erklärt Calvin seinem Bruder, dass er seine Macht über Ruby niemals ausnutzen wird. Doch noch bevor alle Worte seine Lippen verlassen haben, weiß man als Zuschauer, dass diese Büchse der Pandora geöffnet werden wird. Als es dann geschieht, nimmt der Film eine enorme Wendung. Was eben noch süß und lustig war, wird plötzlich dunkel und bizarr.

Von dem Moment an, da Calvin seine Macht ausnutzt, sich eine Freundin formt, wie es ihm gerade gefällt, wird der Mantel der romantischen Komödie, den Ruby Sparks eben noch getragen hat, abgeworfen. Plötzlich hat man das Gefühl, dass dieser von einem starken Independent-Gefühl durchdrungene Film auf ein Ende zusteuert, das man am liebsten nicht miterleben würde.

Ruby Sparks: Trailer

8. WOMB (2010)

Dieser kontemplativ erzählte Film zeigt Eva Green als eine Frau, die den Mann fürs Leben gefunden hat, doch der von Matt Smith (Doctor Who) gespielte Mann kommt bei einem Unfall ums Leben. Sie kann ihn jedoch nicht gehen lassen und trägt ihren Freund als geklontes Baby aus, das sie großzieht. Anfangs ist es eine fast ganz normale Mutter-Sohn-Beziehung, doch als Tommy älter wird, wird das gemeinsame Leben zusehends schwieriger.

Womb ist im Grunde etwas sperriges Arthaus-Kino, das moralische Dilemma der Hauptfigur ist es jedoch, das fasziniert. Dies ist ein Film des minimalistischen Ansatzes, bei dem viel unausgesprochen bleibt, sich aber noch mehr in den Gesichtern der Darsteller abspielt.

Womb: Trailer

7. ALLES, WAS WIR GEBEN MUSSTEN (2010)

Warum laufen sie nicht weg? Warum fügen sie sich in ihr Schicksal? Warum opfern sie freiwillig alles, was sie haben? Das sind die Kernfragen von Alles, was wir geben mussten. Und es sind die Fragen, die sich dem Zuschauer aufdrängen. Um sie zu beantworten, muss man sich auf den Film einlassen. Man muss genau beobachten, um zu erkennen, dass diese Kinder nie eine Wahl hatten, dass sie indoktriniert wurden, ihr Leben erst dann als vollständig, abgeschlossen und sinnvoll gelebt zu betrachten, wenn sie das größte aller Opfer gebracht haben. Denn die von Carey Mulligan, Andrew Garfield und Keira Knightley gespielten Jugendlichen sind Organspender wider Willen.

Der in Großbritannien lebende Japaner Kazuo Ishiguro schrieb die Romanvorlage, die Alex Garland las, noch bevor das Buch veröffentlicht wurde. Er war begeistert und fragte, ob er eine Drehbuchadaption schreiben dürfe. Ishiguro war damit einverstanden, und wenige Wochen später hatte Garland eine erste Version, die jedoch schon so stimmig war, dass sie für die filmische Umsetzung nur minimal verändert wurde.

Alles, was wir geben mussten hat ein SF-Element. Ohne dieses könnte die Geschichte gar nicht erzählt werden, aber dieses Element ist nur für den Kontext da. In der Essenz geht es um so viel mehr, um das Leben selbst. Die Frage nach der (fehlenden) Ethik der Wissenschaft wird gestellt und in Form dreier Lebensgeschichten betrachtet. Aber es sind diese Leben, die den Film so sehenswert machen.

Und sie wirken auf den Zuschauer, der vom ersten Moment an weiß, wie diese Leben enden werden. Aber letzten Endes kommt es nicht darauf an, wie viel Zeit uns als Menschen gegeben ist, sondern was wir mit ihr anfangen. Der Film ist aller Traurigkeit und Melancholie zum Trotz ein Zeugnis für die Schönheit des Lebens, die Hoffnungen und Träume, die Liebe und den Verlust, die Tränen und die Tragödien, die es ausmachen.

Alles, was wir geben mussten: Trailer

6. ALLES EINE FRAGE DER ZEIT (2013)

Im Alter von 21 Jahren entdeckt der von Domhnall Gleeson gespielte Tim, dass er in die eigene Vergangenheit zurückreisen und Dinge verändern kann. Das tut er auch, aber er muss feststellen, dass nicht jede Änderung den gewünschten Effekt hat. Glaubt er manches Mal, sein Leben, aber auch das Leben seiner Liebsten besser zu machen, erkennt er nach seiner Rückkehr, dass alles schlimmer ist als zuvor. Zudem wird ihm durch einen Schicksalsschlag, den nur er erlebt, klar, dass ein Leben beendet werden kann, ohne dass es jemand mitkriegen würde – und so läuft Tim, der in der Vergangenheit alle Zeit der Welt hat, die Zeit davon. Dies ist ein wunderbarer, auch romantischer Film, der das Zeitreiseelement aber effektiv einsetzt und dabei moralische Fragen aufwirft, über die man auch nach Ende des Films noch lange diskutieren kann.

Alles eine Frage der Zeit: Trailer

5. PERFECT SENSE (2011)

Es ist das Ende der Welt – und so anders, als man das aus dem Kino gewöhnt ist. Es ist ein Ende, das leise und still eintrifft, mit dem Verlust aller Sinne. Ein Ende, das den Menschen in Dunkelheit und Stille zurücklässt. Zuerst verlieren die Menschen Geschmacks- und Geruchssinn, dann Hör- und Sehkraft – und schließlich die Berührung, die man nie mehr spüren wird, was exemplarisch an zwei Menschen gezeigt wird, die einander lieben – bis sie es nicht mehr tun.

Die Hauptrollen sind mit Ewan McGregor und Eva Green besetzt. Für McGregor ist dieser Film zugleich ein Wiedersehen. Einerseits mit seinem Trainspotting-Kollegen Ewen Bremner, andererseits mit seinem Onkel Denis Lawson, der in den klassischen Star Wars-Filmen den Piloten Wedge spielte.

Der Regisseur scheut nicht davor zurück, auch ungewöhnliche Entscheidungen zu treffen. Eine Kamerafahrt auf einem Fahrrad – ohne Steadycam – ruckelt gewaltig, führt dem Zuschauer aber auch vor Augen, dass er sieht. Es ist eine Art schmerzlicher Erinnerung daran, was die Figuren bald verlieren werden. Auch was den Hörsinn betrifft, findet Mackenzie ein Mittel, ihn kurz vor dem Verschwinden noch einmal umso mehr zu fordern. Als er eine Kakophonie der Geräuschkulisse unserer Welt zeigt, beginnend mit Kirchenglocken. Es ist ein Moment des Innehaltens, in dem die Hauptfiguren all die klanglichen Reize noch einmal genießen, bevor es langsam still wird.

Perfect Sense ist ein sehr bewegender, emotional packender Film, der sich mit den Dingen beschäftigt, die wir als Menschen als gegeben hinnehmen. Erst, wenn wir verlieren, was wir für selbstverständlich erachten, merken wir, wie besonders es eigentlich war.

Perfect Sense: Trailer

4. HER (2013)

Spike Jonze erzählt mit Her eine wahrhaftige Liebesgeschichte, wie sie heute noch Zukunftsmusik ist. Aber wer weiß schon, ob die Technik der Vision des Autors und Regisseurs nicht schon bald folgt und Beziehungen zwischen Menschen und den Betriebssystemen ihres Computers Gang und Gebe werden. Klingt spleenig? Ist es auch, aber dieser eine Moment der Ungläubigkeit verfliegt schnell, was nicht zuletzt auch daran liegt, dass die Stimme des Betriebssystems im Original von niemand anderem als Scarlett Johansson gesprochen wird. Theodore (Joaquin Phoenix) hat einen merkwürdigen Job: Er schreibt Briefe für Menschen, die sich selbst dazu nicht in der Lage fühlen. Das ist oft schmerzhaft, aber in derartige Situationen kann er sich hineinversetzen, seit seine langjährige Freundin sich von ihm getrennt hat. Nun aktiviert er für seinen Computer ein neues Betriebssystem, das eine künstliche Intelligenz darstellt und sich auch einen Namen aussucht: Samantha. Samantha ist die Frau, die er sich immer gewünscht hat: sensibel, verständnisvoll, mit einem feinen Sinn für Humor. Er verliebt sich in sie und sie in ihn, aber wie kann eine Beziehung zwischen einem Menschen und ein Betriebssystem zum Happyend führen?

Für manche mag Jonzes Vision der ultimative Albtraum sein. Es ist die totale Vereinsamung des Individuums, die hier gezeigt wird, die Interaktion findet nicht mehr auf persönlicher Ebene statt. Wer wegen sozialer Medien schon den Untergang des Abendlands kommen sah, wird Jonzes Welt als die Hölle sehen, auf die wir zusteuern. Dafür interessiert sich Jonze aber nicht. Er nutzt seine Geschichte als eine Ode an die Technologie, die eben auch neue Möglichkeiten mit sich bringt. Die Beziehung zwischen Theodore und Samantha wird nicht nur für die beiden, sondern auch für den Zuschauer real. Es stellt sich die Frage, was einen Menschen ausmacht. Ist es der Körper? Die Seele? Sein Intellekt? Ersteres hat Samantha nicht. Zweiteres? Hm, wer weiß? Der Intellekt ist aber vorhanden, sie ist eine wirkliche Person.

Her ist nicht nur ein emotional packender Film, sondern auch audiovisuell unheimlich schön. Hoyte von Hoytema fängt pastellfarbene Pracht ein, während Owen Pallett den Zuschauer akustisch umschmeichelt und mit Klang jenes Bild malt, das Samantha ihrem Theodore so gerne zeigen, aber nur hören lassen kann. Einen Moment fürchtet man, der Film könnte auf ein kitschiges Happyend hinauslaufen. Aber davor hütet er sich. Er gibt am Ende jeder Figur das, was sie am meisten benötigt.

Her: Trailer

3. TIMER (2009)

Timer spielt mit der Idee, dass man ein Gerät hat, das einem genau sagen kann, wann man seinen Seelenverwandten trifft. Dann könnte man entspannt durchs Leben gehen, weil man ja eh weiß, wann der wichtige Moment kommt. Oder doch nicht? Worum es geht, ist die Frage, ob man sein Glück einer Maschine anvertrauen oder der eigenen Intuition folgen soll. Das ist eine Grundidee, die auch bei der grandiosen Science-Fiction-Serie Black Mirror gut aufgehoben wäre.

Timer: Trailer

2. DIE STADT DER BLINDEN (2008)

Der Film basiert auf Jose Saramagos Roman Ensaio Sobre a Cegueira, der von Fernando Meirelles wundervoll umgesetzt wurde. Er erzählt davon, wie in einer Stadt ein Virus umgeht, woraufhin die Leute erblinden. Aus Angst vor Verbreitung werden die Erblindeten inhaftiert, aber unter den Blinden ist nicht der Einäugige, sondern der, der schon immer blind war, König. Die Idee hat die Apple-Serie See neuerdings auch umgesetzt, Die Stadt Der Blinden macht dies aber auf realistische Art und Weise. Der Film gestaltet sich dabei wie das sozialkritische und allegorische Science-Fiction-Kino der 1970er Jahre. Er ist eine Allegorie darauf, dass der Mensch zwar sehen kann, aber zu blind ist, als dass er über den eigenen Tellerrand blicken würde.

Stadt der Blinden: Trailer

1. ANOTHER EARTH (2011)

Rhoda Williams (Brit Marling) ist eine hochbegabte junge Frau, die gerade am M.I.T. angenommen wurde und darüber ausgelassen feiert. In jener Nacht fährt sie betrunken nach Hause, als ein blauer Planet am Himmel sichtbar wird: ein exaktes Duplikat der Erde. Rhoda ist so abgelenkt, dass sie einen Unfall verursacht, bei dem Frau und Kind von John Burroughs (William Mapother) sterben. Vier Jahre später: Rhoda wurde aus dem Gefängnis entlassen. Sie arbeitet nun als Putzfrau in der High School und geht eines Tages zu Burroughs, da sie sich entschuldigen will. Doch der Mut verlässt sie, und so beginnt sie, als Putzfrau für ihn zu arbeiten. Im Lauf der Zeit kommen diese beiden entwurzelten Menschen sich näher. Aber als Rhoda erfährt, dass das Leben auf Erde 2 exakt gleich ist, dass eine Synchronizität herrscht und auf dieser Welt die exakt selben Menschen leben, verspürt sie den Wunsch, dorthin zu reisen.

Die Basis von Another Earth ist ein SF-Konstrukt, das vorgibt, dass die Leben auf beiden Erden parallel und großteils gleich verliefen – bis zu dem Moment, da der eine Planet der Existenz des anderen gewahr wurde, wodurch sich zwei voneinander unterschiedlich entwickelnde Welten ergaben. Der Schmetterlings-Effekt, nach dem eine kleine Veränderung im Gefüge eine immense Veränderung andernorts mit sich bringt, wird hier nicht propagiert. Eher ist es eine Spiegel-Welt, von der der Film ausgeht. Interessant wird das Ganze dadurch, dass sich die beidseitige Entwicklung voneinander löst.

Mike Cahill hat einen nicht leicht verträglichen, deprimierend erscheinenden Film erschaffen, der spürbar werden lässt, wie die Tristesse eines Lebens sein kann, dem genommen wurde, was es lebenswert macht.

Another Earth: Trailer

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