Neues aus dem Star-Trek-Universum (III): Toxisches Fandom und unendliche Weiten

© CBS Television / Amazon

FILM

Neues aus dem Star-Trek-Universum (III): Toxisches Fandom


Toxisches Fandom, eine weltweite Fanszene und künftige Projekte: Teil 2 unseres Gespräches zwischen den zwei Star Trek-Autoren Bernd Perplies und David Mack.

Dem Geek, so scheint es, gehört aktuell die Welt. Die ganze Traumfabrik Hollywood ist darauf aus, Shared Universes zu bauen und bekannte Marken auszuweiten. Von den Marvel-Leinwandepen bis hin zu dem angeblich bevorstehenden Cinematic Universe alter Hanna-Barbera-Zeichentrickhelden wie Scooby Doo – gefragt ist, was vor Jahrzehnten noch als Kinderkram ausgelacht worden wäre. Der Nerd lässt die Kinokassen klingeln und hat das Ruder der internationalen Popkultur fester in der Hand als je zuvor.

Dabei galt er doch stets als uncool und schräg. Als Versager.

Oder etwa nicht? Wie sehen unsere beiden Autoren, die dies- und jenseits des Atlantiks seit langer Zeit auf Genreconventions und Messen auftreten, den „typischen Fan“? Gibt es den überhaupt? Und falls ja, hat er sich verändert?

Von Klischees, Convention und toxischen Fans

„Klischeebilder interessieren mich eigentlich überhaupt nicht.“ Perplies wirkt entspannt, als er das sagt, aber auch entschieden. „Um Captain Kirk zu paraphrasieren: ‚Ich war es und werde es immer sein: ein Nerd.‘ Ganz ehrlich, ich habe mich Zeit meines Lebens und lange, bevor es cool wurde, mit Dingen beschäftigt, über die Leute, die ‚mit beiden Beinen fest im Leben stehen‘ despektierlich die Augenbraue gelupft haben: mit Science-Fiction-Serien, Fantasy-Büchern, Pen-und-Paper-Rollenspielen, Videogames … Und ich war schon immer von kreativen und fantasievollen Menschen (manche mögen sie ‚seltsam‘ nennen) umgeben. Das ist für mich also vollkommen normal; ich fühle mich in ihrer Gesellschaft zuhause. Das schließt natürlich auch Trekkies mit ein.

Klar, wo Fandom herrscht, kann auch mal Fanatismus durchschlagen. Vor bedauerlichen Phänomenen wie dem ‚toxischen Fandom‘, das sich in Teilen des Internets breitmacht, kann auch ich die Augen nicht verschließen. Aber die überwiegende Mehrheit aller Fans, die ich etwa auf Conventions treffen durfte, besteht aus unglaublich netten Menschen, die vor allem nicht auf Geschlecht, Hautfarbe, Religion oder sozialen Status schauen, sondern alle gemeinsam ‚ihr Star Trek‘ feiern. Solche Fans pflegen nicht selten eine deutlich modernere Geisteshaltung als mancher ‚Normalbürger‘, der belustigt bis abwertend auf sie herabschaut. Ich will damit nicht sagen, dass es dich automatisch zum besseren Menschen macht, wenn du Star Trek magst. Aber da sich Star Trek auf sehr kluge Weise mit vielen gesellschaftlichen Problemen befasst hat, schadet es der persönlichen Charakterbildung ganz sicher nicht, wenn man sich damit auseinandersetzt.“

Mack schaltet sich ein, ebenfalls verblüffend ehrlich. „Ich besuche Cons, wenn es dafür einen beruflichen Anlass gibt“, gesteht er nüchtern. „Wenn ich eine neue Veröffentlichung bewerben soll oder an einen Ort eingeladen werde, den ich nicht kenne und der mich neugierig macht. Zwei meiner liebsten Con-Ausflüge führten nach Deutschland: FedCon XX in Düsseldorf (2011) und Phantastika (German Comic Con) in Berlin (Oktober 2018). Gerne würde ich auch eine Destination Star Trek Con im Vereinigten Königreich besuchen. Aber um ganz ehrlich zu sein, sind Conventions – insbesondere die mit Star Trek-Bezug – für mich Arbeit. Sie führen mich von Frau und Schreibtisch weg. Als ich jünger war, fiel mir das Reisen noch deutlich leichter als heute. Inzwischen setzt es mir echt zu, körperlich wie emotional.“

Ob es denn nennenswerte Unterschiede zwischen Auftritten in Deutschland und in den USA gibt, will ich wissen.

Mack lächelt hintersinnig. „Die deutschen Fans sprechen meist besseres Englisch als ihre amerikanischen Kollegen“, antwortet er, und ich spüre, dass er das nur seeehr bedingt als Scherz meint.

Schnell wechsele ich das Thema. Ähm, woran arbeiten die beiden Herren denn aktuell?

Leben wir lang und in Frieden

„Abgesehen von den beiden Animationsserien [Star Trek: Lower Decks und die offiziell noch namenlose Trickserie für Nickelodeon] habe ich zwei Romane in der Pipeline, auf die Fans sich im kommenden Jahr freuen können“, berichtet Mack, als ich ihn nach der Zukunft frage. „Buch Nummer 1 erscheint im Juni 2020 bei Tor Books in den USA, heißt The Shadow Commission und beendet vermutlich meine Dark Arts-Saga – es sei denn, jemand kauft die TV-Rechte. Mein zweiter Roman ist das lange aufgeschobene More Beautiful Than Death im August. Dieser Star Trek-Roman fußt auf dem Kinofilm von J.J. Abrams aus dem Jahr 2009, und ich hoffe, ich habe die ganz besondere Energie und Charakteristik jener Inkarnation des Franchises für die Fans der Filmtrilogie gut eingefangen.“

Auch Perplies hat aktuell neue Projekte, die den Bogen zurück zu Gene Roddenberrys utopischen Sternenträumen schlagen. „Am Abgrund der Unendlichkeit, ein komplett eigenständiger Science-Fiction-Roman, hat Ende Oktober alle gut sortierten Buchhandlungen im deutschsprachigen Raum erreicht und wird hoffentlich viele begeisterte Leser finden“, verrät er. „Das Buch handelt von einer bunt zusammengewürfelten Truppe Raumretter (dem Äquivalent von Seenotrettungskreuzerbesatzungen, nur eben im Weltall), die in eine galaktische Krise hineingezogen werden, als unvermittelt auf unerklärliche Art und Weise ganze Sterne vom Himmel verschwinden. Exotische Alienrassen, eine mysteriöse Katastrophe und mutige Außenseiter, die bereit sind, auch Regeln zu brechen, um das Richtige zu tun: Obwohl das Buch kein Star Trek-Roman ist, wird der geneigte Fan eine gute Prise ‚Star Trek Abenteuer‘ darin vorfinden. Ich kann (und will) die Einflüsse, die dieses Universum auf mein Leben und Schaffen hatte und hat, gar nicht verleugnen. ;-)“

„Bis dann, Freunde“, beendet Mack unser transatlantisches Fachgespräch. „Mögen wir alle lang leben … und in Frieden!“

Und seien wir mal ehrlich: Ein schöneres Ende hätte sich kein Autor ausdenken können.

Der Trek-Talk

Wie seht ihr das mit den toxischen Fans und der Conventionszene? Und welche Zukunft wünscht ihr euch für die unendliche Star Trek-Saga? Sagt es uns, wie üblich, gleich hier im „Trek-Talk“ in den Kommentaren und diskutiert mit. Wir freuen uns auf euer Feedback.

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