Die besten Science-Fiction-Filme aller Zeiten: Der Marsianer – Rettet Mark Watney (2015)

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Die besten Science-Fiction-Filme aller Zeiten: Der Marsianer – Rettet Mark Watney (2015)


Selbst die NASA war begeistert und unterstützte den Film, wo sie nur konnte. Mit Matt Damon in der Hauptrolle verfilmte »Alien«-Regisseur Ridley Scott den Überraschungsbestseller "Der Marsianer" von Andy Weir und lieferte ein realistisches, sehenswertes Marsabenteuer ab. Phillip P. Peterson über den Hard-SF-Thriller von 2015.

Trailer: Der Marsianer

Die Erwartungen waren sehr hoch. Die Romanvorlage von Andy Weir ist ein Meisterwerk der harten Science-Fiction und hat viele Leser gefesselt wie kaum eine andere SF-Story in den letzten Jahren. Weir geht mit einer technischen Akribie ans Werk, die bestenfalls vom frühen Stephen Baxter mit seinen NASA-Romanen erreicht wurde, und die einem Ingenieur beim Lesen orgasmusähnliche Glücksmomente beschert. Da der Roman dadurch aber auch sehr nüchtern und technisch war, stellte sich aber die Frage, ob das in einem Film, bei dem erfahrungsgemäß andere Gesetze gelten, gutgehen konnte, zumal sich das Thema »Mars« in den letzten Jahrzehnten den schwer loszuwerdenden Status eines Kassengiftes erarbeitet hatte.

Andererseits sollte niemand Geringerer als Altmeister Ridley Scott das Ruder übernehmen. Der Mann hat Meisterwerke wie »Alien« und »Blade Runner« auf die Leinwand gezaubert und gilt als Spezialist für die Kombination von brachialen, mitreißenden Actionszenen und atemberaubenden Visualisierungen wie beispielsweise in »Gladiator«.

Mangelndem Realismus kann man dem Film nicht vorwerfen

»Der Marsianer« ist nun nicht schlecht, aber er ist auch kein Meisterwerk, wie man es sich von einem Regisseur wie Ridley Scott immer erhofft.

Zunächst kann man feststellen, dass der Film den Roman eng nach der Vorlage umsetzt. Astronaut Mark Watney (Damon) strandet bei einem Sandsturm auf dem Mars, während seine Mitastronauten die Heimreise antreten. Die Kommunikation ist im Eimer, also muss Watney bis zur Ankunft des nächsten Raumschiffes in zwei Jahren in einem Habitat überleben, das nur Vorräte für einen Monat hat.

Gemäß der Romanvorlage ist der Film so realistisch wie möglich gehalten. Spötter stuften den Streifen schon als Werbevideo für die NASA ein, so wie der von Ridleys verstorbenem Bruder Tony Scott gedrehte »Top Gun« ein unfreiwilliges Werbevideo für die US Navy gewesen war. Tatsächlich hat die NASA den Film unterstützt, wo sie nur konnte, und startete bei seinem Erscheinen auch eine große Kampagne für die Marsforschung. Nein, mangelnden Realismus kann man dem Streifen absolut nicht vorwerfen.

Der Marsianer

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Eine tolle und exotische Kulisse

Die Kulissen hat man hier ebenfalls gut und realistisch umgesetzt. Es scheint, als seien die Station auf dem Mars und die Raketen tatsächlich von der NASA gebaut worden. Einziger Kritikpunkt: Das Transferraumschiff der Crew vom Mars zur Erde ist viel zu großflächig und voluminös. Da man jegliche Masse in der Raumfahrt mit teuren Raketen in den Orbit schießen muss, wäre eine so geräumige Kantine wie im Film dargestellt ein milliardenteurer Luxus. Auch der eingangs stattfindende Sandsturm auf dem Mars wäre wegen der dünnen Atmosphäre trotz seiner hohen Geschwindigkeiten kaum mehr als ein laues Lüftchen.

Die Bilder vom Mars sind toll. Mit dem Drehort am Wadi Rum in Jordanien hat man eine tolle, exotische Kulisse gefunden - allerdings mit einem Problem: Sie wirkt nicht exotisch genug. Man kann sich manchmal nur schwer vorstellen, dass die Szenen auf einer anderen Welt spielen und nicht in irgendeiner verlassenen Wüste der Erde. Ausgerechnet in der kleinen Produktion »The Last Days on Mars«, deren Außenszenen ebenfalls am Wadi Rum gedreht wurden, hat man es mit einem geschickten Color-Grading besser geschafft, eine fremde, außerirdische Atmosphäre zu kreieren.

Der Marsianer

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Castaway

Diese Kritikpunkte sind aber Gejammer auf hohem Niveau. Das wirkliche Problem des Films liegt weder bei den Kulissen noch beim visuellen Stil der Szenen, es ist die Dramaturgie. Irgendwie vermag das Schicksal von Mark Watney kaum zu fesseln. Es ist teils auf das Drehbuch, teils auf die schauspielerischen Fähigkeiten Matt Damons zurückzuführen, dass kaum Emotionen und Spannung transportiert werden. Damon spielt Watney als trockenen Wissenschaftler, der mit einem Achselzucken feststellt, dass er allein auf einem fremden Planeten ist und mit unerschütterlichem Selbstbewusstsein alle Probleme, die der Mars ihm vor die Füße wirft, mehr oder weniger im Vorbeigehen löst. Er scheint sich auf dem Mars so wohl zu fühlen, dass man sich als Zuschauer fragt, warum er denn überhaupt auf die Erde zurückwill. Hat er dort Familie? Eine Frau, die auf ihn wartet? Kinder? Es scheint keine Rolle zu spielen.

Der trockene Humor der Figur ist immerhin für manchen Lacher gut, aber das ersetzt die fehlende Spannung nicht wirklich. Ein gutes Vorbild für einen richtig gut gemachten Überlebensfilm ist »Castaway«, der, mehr noch als »Der Marsianer«, ganz allein von einem Schauspieler getragen wird. Aber Tom Hanks ist als Mime auch ein anderes Kaliber als Matt Damon, wie man leider feststellen muss.

Von den teuren Hard-SF-Filmen der letzten Jahre ist »Der Marsianer« neben »Interstellar« und »Gravity« zwar der realistischste, insgesamt aber auch der schwächste. Die beiden anderen Filme haben trotz einiger Defizite atemberaubende Szenen geschaffen, die fest im Gedächtnis haften bleiben. Den »Marsianer« hat man eine Stunde nach dem Kino wieder verdrängt.

Trotzdem ist »Der Marsianer« ein guter, unterhaltsamer Film, den man jedem Science-Fiction-Fan absolut empfehlen kann. Mit einer anderen Dramaturgie hätte man aber noch mehr daraus machen können.

Bestsellerautor Philip P. Peterson hat sich noch einmal die zehn besten Science-Fiction-Filme über die Raumfahrt angesehen. In der heutigen Folge: Der Marsianer – Rettet Mark Watney von 2015.

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