Der zweite Blick – Phantastische Fernseh-Archäologie Folge 28: Batman Noir

© Warner Bros.

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Der Zweite Blick (Folge 29): Batman Noir


Er ist der dunkle Beschützer Gotham Citys: Batman. Zahlreiche Adaptionen schildern die Abenteuer des größten Detektivs der Welt, doch wenige hinterlassen so nachhaltige Spuren. Die Zeichentrickserie zu Batman aus den 1990er Jahren setzt bis heute Maßstäbe – visuell wie narrativ. In ihr verbanden sich die genialen Einfälle der Figurenschöpfer Bob Kane und Bill Finger mit Tim Burtons zeitlos nostalgischer Kinoästhetik … und mit dem düster-grimmigen Grundgefühl vieler TV-Helden dieses Jahrzehnts. Grund genug, dem animierten Batman mal genauer unters nachtschwarze Fledermauscape zu gucken.

Die Welt von Batman

Bitte? Gibt es wirklich noch Leser dieser Kolumne, die den nachtflatternden Rächer nicht kennen? (Und, nein, ich meine nicht Darkwing Duck!)

Also dann: Wovon handelt Batman? Hiervon.

Multimillionär Bruce Wayne wird von Hass getrieben … Hass auf alles Ungerechte dieser Welt! Seit dem gewaltsamen Tod seiner Eltern kämpft Wayne in seiner Heimatstadt Gotham gegen das Verbrechen. Um unerkannt zu bleiben, kostümiert er sich dazu als dunkler Rächer. Seit „Batman“ wird zur Legende. Unterstützung findet Wayne beim Polizisten Jim Gordon, beim jungen Helden Robin, bei Batgirl und diversen anderen Helfern. Gemeinsam stellen sie sich der Macht des Verbrechens entgegen – und einer Gegenwart, die immer düsterer zu werden droht.

Trailer: Batman Animated Series

Die nackten Fakten

Comics waren Kinderkram – so sah es der Mainstream, und so sah es auch Hollywood. Doch dann, Ende der 1980er Jahre, kam Regisseur Tim Burton und machte ausgerechnet Batman zum weltweiten Kassengold. Burtons filmische und furchtlos kunstvolle Adaption des dunklen Rächers aus den DC-Comics überraschte die gesamte Branche, begeisterte sie doch Hardcore-Fans der bunten Heftchen ebenso wie die un-nerdigen Otto Normalverbraucher. Sie bewies lange vor Kevin Feige und Joss Whedon, dass Superhelden das Zeug zum cineastischen Massenerfolg haben.

Kein Wunder, dass das Folgen hatte: 1992 wollte das Fernsehen an Burtons Erfolg anknüpfen. Bruce Timm, Eric Radomski und andere Autoren ersonnen eine TV-Adaption der burtonschen Filme – und zwar für das vormittägliche Kinderprogramm! Sie bedienten sich der visuellen, zeitlosen Ästhetik der Burton-Filme, gossen eine gehörige Portion film noir darüber und garnierten ihr Werk mit einer inhaltlichen Dramatik, die im Kinderfernsehen ihresgleichen suchte. In Kevin Conroy fanden sie den perfekten (Original-)Sprecher des dunklen Ritters, dessen Ansatz bis heute Maßstäbe setzt, und selbst für Nebenrollen besetzten sie illustre Genregrößen. (Oder wie soll man es nennen, wenn Mark Hamill den Joker spricht und man für Twoface sogar Al Pacino anfragt?)

Das Erbe

Die animierten Batman-Abenteuer der 1990er-Jahre mögen fürs Kinderprogramm gedacht gewesen sein, mit ihrer film noir-Ästhetik und den gebrochenen Helden begeisterten sie aber auch erwachsene Fans des dunklen Rächers mühelos. Der Zeichentrick-Batman jener Jahre schaffte es (in abgewandelten Gestalten) auf über hundert Episoden, wenngleich die frühen Staffeln zu den besten zählen. Er bewies einmal mehr, dass auch ernstes Fernsehen kindgerechtes Fernsehen sein kann. Mehrere Anschlussstaffeln und -serien, teils von denselben Machern, und sogar einige TV- und DVD-Filme setzten die Erfolgsproduktion noch lange fort.

 

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Manche Serien ziehen so schnell an uns vorbei, dass wir sie kaum registrieren. Andere liegen zu lange zurück – und waren zu wenig massentauglich –, als dass sie sich noch heute häufiger Wiederholungen oder gar eines DVD-Releases erfreuen könnten. Doch was, wenn sie dennoch sehenswert sind? Diesen Produktionen gewähren wir ab sofort … den zweiten Blick.

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