Knight Rider: Ein Mann und sein Auto

© Universal Pictures

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Der Zweite Blick (Folge 25): Knight Rider - Ein Mann und sein Auto


Wir hatten ja nichts! Spätgeborenen mag es schwer zu vermitteln sein, aber damals, in den sagenumwobenen Achtzigern, sah es im Bereich des Genre-Serienfernsehens ziemlich mau aus. Überall wurde ermittelt, recherchiert und detektiviert, aber phantastische Elemente suchte man in diesen immergleich gestrickten Krimiserien vergebens. Sie hätten Spezialeffekte benötigt, Zusatzkosten generiert. Sie galten als kindisch.

Wir hatten ja nichts. Und dann … kam Knight Rider.

Show Trailer: Knight Rider

Die Welt von Knight Rider

Es ist eine Geschichte, wie sie das Leben jeden Tag aufs Neue schreibt – sofern das Leben gewaltige Alkoholprobleme hat: Der standfeste Cop Michael Long wird im Einsatz tödlich verwundet. Die futuristische Technologie des mysteriösen Milliardärs Wilton Knight rettet ihn vor dem Sensenmann und verpasst ihm – verletzungsbedingt – im selben Abwasch noch ein neues Aussehen. Fortan arbeitet der für tot gehaltene Long unter neuem Nachnamen (Knight, in Gedenken an den Milliardär) für die staatlich geförderte, aber streng geheime Foundation für Recht und Verfassung. Sie verpartnert ihn mit KITT, einer Künstlichen Intelligenz im Chassis eines Superautos. Gemeinsam kämpfen sie gegen das Unrecht, wo immer es sich zeigt, gegen die übertriebene Seifenopernmimik des Hauptdarstellers und gegen die Absetzung.

Knight Rider: Ein Mann und sein Auto

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Die nackten Fakten

Auf der Flucht, Der Sechs-Millionen-Dollar-Mann, Quincy, Magnum, Kampfstern Galaktika … Die Liste der kreativen Schöpfungen Glen A. Larsons ist lang. Man darf den 2014 verstorbenen TV-Autor mit Fug und Recht als Legende seiner Zunft bezeichnen. Ganze Generationen von Stubenhockern wuchsen mit seinen Serien auf und warteten allwöchentlich gespannt auf die neuen Abenteuer. Dass diese – vom allgemeinen Konzept einmal abgesehen – relative Standardware waren: geschenkt. So sah Fernsehen damals eben aus. Es war leichte Unterhaltung für nebenbei, episodisch und zugänglich.

Die Idee zu Knight Rider bekam Larson Gerüchten zufolge vom damaligen Senderchef. Dieser beklagte den Mangel an talentierten Hauptdarstellern. Diejenigen, die die nötige attraktive Optik mitbrächten, seien meist unerträglich miese Mimen. Ideal sei daher eine Serie, in der der fotogene Frontmann pro Episode nur sechs Worte spräche: Zu Beginn der Geschichte steigt er aus dem Bett irgendeiner Schönheit („Danke dir.“), dann jagt und fasst er irgendwelche Ganoven („Keine Bewegung!“), und am Folgenende lächelt er die frisch Geretteten an („Gern geschehen.“). Den Rest der Dialoge übernähme dann einfach sein Auto.

Das Erbe

Objektiv? Ich doch nicht! Klar: Die Drehbücher sind Mittelmaß, und alle 90 Folgen sehen aus, als hätte man sie auf denselben kalifornischen Wüstenstraßen und Hinterhöfen gedreht. (Was vermutlich auch stimmt.) Selbst David Hasselhoff lebt inzwischen primär von der ironischen Brechung seines Frühwerks: Don’t hassle the Bademeister.

Und trotzdem … Wir Kinder der Achtziger können einfach nicht vom Knight Rider lassen. Wundert es da, dass immer wieder Reboot- und Revivalversuche starten (und dann jämmerlich verenden)? Nostalgie ist eben in. Die gute alte Zeit regiert das Pantoffelkino. Alles, was einen (Marken)namen hat, wird probeweise neu aufgekocht. Und auch KITT wird bald wieder über Wüstenstraßen cruisen. Das ist so sicher wie ein Turbo Boost!

 

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Manche Serien ziehen so schnell an uns vorbei, dass wir sie kaum registrieren. Andere liegen zu lange zurück – und waren zu wenig massentauglich –, als dass sie sich noch heute häufiger Wiederholungen oder gar eines DVD-Releases erfreuen könnten. Doch was, wenn sie dennoch sehenswert sind? Diesen Produktionen gewähren wir ab sofort … den zweiten Blick.

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