„Sex verstört alle Menschen“ – Warum Alien (1979) immer noch ein genialer Film ist

KOLUMNE

Länder, Jedi, Abenteuer (21): Alien


Am Anfang war ein Horrorfilm. Schnörkellos, effektvoll und spacig. Doch danach kamen viele, viele weitere Streifen. Aus einer Idee wurde ein Franchise – mit Fans, die weder Kosten noch Mühen scheuen, das Biest in sich von der schleimigen Leine zu lassen. Doch, doch: Die Anhänger der vor Jahrzehnten von Ridley Scott furios begründeten (und aktuell von selbigem nicht minder furios an die Wand gesetzten) Alien-Saga haben keine Angst vor beißwütigen Königinnen aus dem All und würden Newt selbst dann noch retten, wenn die niedliche Kleine schon fünf Minuten später einen sinnlosen Tod stürbe. Und nicht erst im nächsten Film.

Trailer: Alien (1979)

Der Fanotyp

Schwarz wie die Mitternacht in einer mondlosen Nacht. Ups, falsches Universum! Es gilt aber trotzdem: Die Alien-Saga ist keine farbenfrohe. Hier darf nicht nur, hier muss alles gebraucht, dreckig und industriell aussehen – von den Raumschiffen bis hin zur Freizeitkleidung ihrer Besatzungsmitglieder. Wer sich cosplayend in Nostromo-Gefilden bewegen möchte, greife daher auf alles zurück, was Kleiderschrank und Haushalt so hergeben, nur nicht auf die Waschmaschine. Bonuspunkte gibt es selbstredend für Accessoires aus dem Segment Megawuchtige Schusswaffen – und für Gabelstapler. Kein echtes Ripley-Kostüm wäre ohne Gabelstapler komplett.

Wer es ein wenig einfacher (und kostensparender) will, kleide sich komplett in schwarz und gieße sich eine Regentonne voller Schleim über die Rübe. Dann noch schön fauchen, und fertig ist der Xenomorph!

Dinner for Fan

Der echte Alien-Fan isst natürlich Menschenfleisch, und zwar schön frisch vom naiven Erzeuger. Da die Beschaffung dieser Xenomorph-Delikatesse aber so manche juristischen Probleme nach sich zieht, von Fragen der Ethik ganz zu schweigen, empfehlen wir als Alternative das so genannte Weyland-Yutani-Menü. Es besteht aus abgestandener Tiefkühlkost, zu lange gelagerter Astronautennahrung und dem Mageninhalt des Schauspielers John Hurt. Letztere Zutat sollte vor Beginn des Essens weitläufig auf Tisch und Fußboden verteilt werden. Ambiente verpflichtet!

Auch die Fiorina-161-Diät erfreut sich unter Kennern wachsender Beliebtheit. Bei ihr isst man tagelang einfach gar nichts, rasiert sich dafür aber allmorgendlich ausgiebig den Schädel. (Wem es schwerfällt, komplett auf Nahrung zu verzichten, der sehe sich einfach mal wieder das Schleim-und-Gedärme-Fest Alien Resurrection an. Danach, das garantieren wir, vergeht jedem der Appetit!)

Sag, was du willst, aber …

Im Weltall hört Sie zwar niemand schreien, aber gesprochen wird dort mitunter schon. Entsprechend zahlreich sind die Filmzitate, die sich Fans der Saga gegenseitig an die mit vielfachen Zahnreihen ausgestatteten Köpfe werfen. Von einem defensiven „Ich bin zwar synthetisch, aber nicht blöde!“ bis hin zum Allzeit-Klassiker „Geh weg von ihr, du Schlampe“, mit dem man sogar Adelige in die Knie zwingt, ist alles willkommen.

Deutlich weniger häufig hört man allerdings Zitierwürdiges aus den Saga-Teilen jüngeren Datums, seien es die späteren Auswüchse der Hauptserie oder die Pseudo-Ableger der „Aliens vs. Predator“-Reihe, die in Comic- und Romanform ohnehin deutlich eher überzeugte als auf der Leinwand. Und mit Verlaub: Je weniger man über Ridley Scotts jüngere Ausflüge in die SF sagt, desto besser fährt man ohnehin.

Bloß nicht nachmachen!

Es ist nicht ratsam, Aliens zu reizen. Machbar ist es allerdings schon. Dafür müssen Sie nicht einmal mit Flammenwerfern auf schleimige Rieseneier zielen oder sich weigern, sich von Facehuggern umarmen zu lassen. Es genügt schon, die Fans der Serie mit Worten zu verletzen. Beispielsweise mit diesen:

  1. Loben Sie „Prometheus“ und „Covenant“ als Meilensteine des Genrekinos. Betonen Sie vor allem, wie sehr es sie freue, dass endlich nicht mehr die „langweiligen Aliens“ im Mittelpunkt der nach ihnen benannten Saga stünden.
  2. Bedauern Sie, dass Jean-Pierre Jeunet nur den einen Film zur Reihe beisteuern durfte. Unter seiner Führung sei doch noch so viel möglich gewesen.
  3. Loben Sie den Originalfilm aus den 1970ern für seine beeindruckend konsequente Darstellung einer starken und unabhängigen Action-Heldin. Feiern Sie ihn als Quantensprung des cineastischen Feminismus. Insbesondere in der Szene, in der Hauptdarstellerin Sigourney Weaver sich – selbstredend ohne nennenswerte Handlungsrelevanz – bis auf die Unterwäsche entkleidet …
  4. Freuen Sie sich auf den nächsten Film.

 

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Das Phantastische wird immer populärer, doch längst nicht jeder Normalsterbliche weiß, wie wir Fans unendlicher Weiten und Co. so ticken. Länder, Jedi, Abenteuer will da Abhilfe schaffen und bietet einen ebenso liebe- wie humorvollen Einblick in schillernde Subkulturen und die Charaktere hinter dem Cosplay.

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