Es ist eine kleine Welt – Geschrumpfte Menschen in Film und Fernsehen

© Walt Disney Pictures / Buena Vista Home Entertainment

FILM

Es ist eine kleine Welt – Geschrumpfte Menschen in Film und Fernsehen


Jeder kennt es: Liebling, ich habe die Kinder /die Lehrerin / mich selbst / den Superhelden usw. geschrumpft. Die Geschichte der kleinen Menschen ist lang und gepflastert mit mehr oder weniger schlechten Special-Effects. Peter Osteried über ein leicht zu übersehenes Genre. 

 

Klein zu sein ist sicherlich niemandes Traum. Schon eher ein Albtraum. Insbesondere dann, wenn man nicht nur ein wenig kleiner als der Durchschnitt ist, sondern etwa die Größe einer Actionfigur hat. In der Science Fiction war und ist das immer wieder ein Thema, das seinen Ursprung vielleicht in Jonathan Swifts Reisendem Lemuel Gulliver besitzt. Filmisch gesehen befasste man sich hier immer mit Gullivers Begegnung mit den Lilliputanern, denen gegenüber er ein Gigant war. In Swifts Roman erlebt Gulliver aber auch das Gegenteil, als er bei seiner zweiten Reise nach Brobdingnag kommt, wo er winzigklein und alle anderen riesig sind.

Er begab sich immerhin freiwillig auf seine Reisen, so manch anderer Geselle wurde jedoch das Opfer dessen, was man in Genre-Kreisen so schön als den Mad Scientist, den verrückten Wissenschaftler, bezeichnet. Damit einher ging, dass man nicht die eigene Größe behielt, sondern zu schrumpfen begann.

Verrückte Wissenschaftler und natürliche Phänomene

Ein frühes Beispiel dafür ist DOKTOR ZYKLOP (DR. CYCLOPS, 1940) von Ernest B. Schoedsack, der zuvor KING KONG UND DIE WEISSE FRAU verantwortet hatte. Hier hilft ein Team von Wissenschaftlern dem verschrobenem Dr. Thorkel in Peru bei seiner Arbeit, doch der megalomane Wahnsinnige fühlt sich von seinen Kollegen bedroht, da er mit seiner Erfindung Menschen und Tiere mittels radioaktiver Verstrahlung verkleinern kann. Das macht er nun auch mit seinen Kollegen, denen gegenüber er sich wie ein gottgleicher Herrscher benimmt.

Dies war der erste Science-Fiction-Film, der in Technicolor gedreht wurde, was ihm auch heute noch einen besonderen Charme verleiht. Die technischen Herausforderungen meisterte der Film mit viel Esprit, wenn die Schauspieler mit überdimensionalen Props agieren oder vom gigantischen Dr. Thorkel terrorisiert werden. 

Dr. Cyclops Official Trailer

Die Darstellung des wahnsinnigen Genies ist ein gängiges Prinzip des Genres, Richard Matheson wählte für seine Geschichte des schrumpfenden Mannes jedoch einen anderen Ansatz. 1957 kam Jack Arnolds Verfilmung DIE UNGLAUBLICHE GESCHICHTE DES MR. C (THE INCREDIBLE SHRINKING MAN) in die Kinos, die auf einem Drehbuch basierte, das Matheson nach eigener Vorlage verfasst hatte.

Der Schriftsteller ließ sich für „The Shrinking Man“ (im Deutschen auch „Die seltsame Geschichte des Mr. C.“) vom Film DIESE FRAU VERGISST MAN NICHT (LET’S DO IT AGAIN, 1953) inspirieren. Hier gibt es eine Szene, in der Ray Milland versehentlich den Hut eines anderen Mannes aufsetzt und dieser ihm viel zu groß ist. Matheson überlegte, wie es wohl wäre, wenn man das mit dem eigenen Hut erleben und dadurch erkennen würde, dass man schrumpft.

Entsprechend ist es in seiner Geschichte ein unerklärliches Phänomen, das dafür sorgt, dass die Hauptfigur immer kleiner wird, bis er sich schließlich im Subatomaren wiederfindet, nicht jedoch, ohne zuvor auch mit der Hauskatze und einer Spinne kämpfen zu müssen.

In der ersten Hälfte des Films gelingt es, den Hauptdarsteller Grant Williams sehr überzeugend als immer kleiner werdenden Mann zu zeigen. In den übergroßen Möbeln sieht Williams tatsächlich verloren aus. Erzeugt wird hier ein Look, der absolut ungewöhnlich ist und auch deswegen noch heute so faszinierend erscheint. Die technische Komponente ist herausragend. Die Komposition des kleinen Williams auf der einen Seite, der normalgewachsenen Menschen auf der anderen Seite ist recht ansprechend getrickst. Auch die zweite Hälfte mit dem winzig kleinen Williams im Keller und speziell im Kampf mit der Spinne sind technische Meisterleistungen.

Am Ende gibt es eine Art von Happy End. Denn das alte Leben der Hauptfigur ist vorbei, für ihn gibt es nur noch seine neue Form der Existenz, die bedeutet, bis ins Subatomare und darüber hinaus zu schrumpfen. Das Skript wartet hier mit unglaublich dichtem Text auf, den Williams grandios vorträgt. Texte dieser Qualität, mit metaphysischer Komponente, war man im SF-Film der 50er Jahre nicht gewohnt. Er ist Science Fiction der enorm intelligenten Art, spielt mit Urängsten und schafft es, sich nicht über den phantastischen Kontext der Geschichte, sondern ihrer menschlichen Komponente zu definieren.

Im Jahr 1981 gab es mit DIE UNGLAUBLICHE GESCHICHTE DER MRS. K (THE INCREDIBLE SHRINKING WOMAN) ein Remake von Joel Schumacher, der das Ganze jedoch zur Komödie machte. 

The Incredible Shrinking Man Trailer 1957

Fernseh-Giganten

Im Jahr 1968 präsentierte Irwin Allen eine neue Science-Fiction-Serie: PLANET DER GIGANTEN (LAND OF THE GIANTS), die im Jahr 1983 spielt und davon erzählt, wie die Crew eines Raumschiffs auf einer Welt abstürzt, die von Riesen bewohnt ist. Die Gestrandeten versuchen, nach Hause zurückzukehren, während die Giganten wegen ihrer technologischen Kenntnisse nach den Winzlingen suchen.

Dies war die vierte Science-Fiction-Serie, die Irwin Allen entwickelt hat. Sie debütierte in den USA am 22. September 1968 und lief bis zum September 1970. Die mit 250.000 Dollar pro Folge sündhaft teure Serie, die damit auch einen neuen Budget-Rekord aufstellte, brachte es auch aufgrund der Kosten nur auf zwei Staffeln.

Die Serie wurde nicht nach Produktionsreihenfolge ausgestrahlt. So wurde in den USA die 14. Episode an zweiter Stelle gezeigt. Notwendig war dies, um zu verschleiern, dass anfangs sehr häufig dieselben riesenhaften Props benutzt wurden. Obwohl es nie bestätigt wurde, geht man davon aus, dass den Autoren von Studioseite auch gesagt wurde, welche riesenhaften Props es aus anderen Produktionen gab, so dass Geschichten entwickelt werden konnten, die diese auch beinhalteten.

Trailer: Land of the Giants

Technisch natürlich sehr viel überzeugender gestaltet sich da schon eine Episode aus der vierten Staffel der Superhelden-Serie THE FLASH. In „Honey, I Shrunk Team Flash“ begegnet das Team einem Schurken, der die Gabe hat, alles und jeden, den er berührt, schrumpfen zu lassen. Der Titel bezieht sich auf einen beliebten Film aus den späten 1980er Jahren. Andere Helden werden aus freien Stücken klein, so etwa ANT-MAN oder Atom in der Fernsehserie LEGENDS OF TOMORROW.

The Flash 4x12

Eltern, Lehrer, sich selbst – jetzt wird alles geschrumpft

Die Disney-Produktion LIEBLING, ICH HABE DIE KINDER GESCHRUMPFT (HONEY, I SHRUNK THE KIDS, 1989) von Joe Johnston hat mit Rick Moranis eine Art verrückten Wissenschaftler, aber eigentlich ist er ein liebevoller Vater, der einfach nur die abstrusesten Ideen für Erfindungen hat. Mit seinem Schrumpfstrahl wird versehentlich der Nachwuchs verkleinert, der sich nun durch die Rasenlandschaft des Vorgartens ins Haus vorkämpfen muss.

Die technische Entwicklung ist hier schön deutlich zu sehen. Zwar setzte man immer noch auf überdimensionierte Props, kombiniert das mit den echten Menschen aber weit besser als vorherige Filme, so dass eine täuschend echte Illusion erzeugt wird. Dem Film folgte 1997 ein weiteres Sequel namens LIEBLING, JETZT HABEN WIR UNS GESCHRUMPFT (HONEY, WE SHRUNK OURSELVES), in dem Moranis selbst klein wird, und eine Fernsehserie, die die Geschichte des ersten Teils variiert und ausweitet – und das nicht zu knapp, denn immerhin gab es drei Staffeln.

Die Idee der geschrumpften Menschen übernahm Jahre später die Kinderbuchautorin Sabine Ludwig, die im Jahr 2006 den Roman HILFE, ICH HABE MEINE LEHRERIN GESCHRUMPFT präsentierte. Die Verfilmung folgte 2015 und erzählt, wie ein Elfjähriger mit der geschrumpften Schuldirektorin im Gepäck versucht, alles wieder auf die Reihe zu kriegen. Klappt aber nur bedingt, denn auch wenn es keine Romanfortsetzung gab, so schickte man 2017 HILFE, ICH HABE MEINE ELTERN GESCHRUMPFT ins Kino und zeigte eine Variation der Geschichte mit denselben Figuren. Am beeindruckendsten ist hier aber sicherlich, wie man den geschrumpften Status der Eltern für Schleichwerbung benutzen kann, denn sie werden mit überdimensionierten Pommes Frites einer bekannten Fast-Food-Kette gefüttert.

Technisch ist der Film hervorragend. Die Größenverhältnisse stimmen, die Effekte sind immer makellos - hier hat man ganz klar auf internationalem Niveau gearbeitet und muss sich auch vor den Klassikern des Schrumpfmenschen-Mini-Genres nicht verstecken.

Trailer: Liebling, ich habe die Kinder geschrumpft

Freiwillig klein

Alexander Payne hat für seinen Film DOWNSIZING (2017) auch kleiner gedacht. Er entwickelt hier die Utopie eine Welt, in der Menschen sich verkleinern lassen und in speziell errichteten Städten leben können. Warum sie das tun sollten? Um die Ressourcen der Erde zu schützen, aber auch, weil man mit dem Geld, das man noch normalgroß angesammelt hat, in Winzgröße in Saus und Braus leben kann.

Matt Damon spielt die Hauptfigur, die sich auch verkleinern lässt, aber merkt, dass das Leben auch hier so seine Tücken hat. Szenen mit überdimensionierten Props gibt es nur wenige, die sind aber wirkungsvoll. Wenn Damon eine Blumenblüte mit beiden Händen trägt oder die Winzmenschen in einem Extraabteil eines normalen Busses reisen.

DOWNSIZING ist ein anderer Zugang zur Idee des Kleinerwerdens. Einerseits, weil es ein freiwilliger Schritt ist, andererseits, weil die damit verbundene gesellschaftliche Komponente ein interessantes Science-Fiction-Konstrukt stützt.

Payne hat diesem Subgenre der Science Fiction damit auch etwas genommen, das bisher immer ein essenzieller Bestandteil war: Die Angst vor dem, was nun größer ist. In seinem Film ist die Welt – zumindest partiell – kleiner geworden. Ganz ohne verrückte Wissenschaftler, hungrige Katzen, riesige Spinnen und gigantische Bedrohungen ist das aber auch ganz gut so. 

Trailer: Downsizing

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