Die X-Men kehren heim ins MCU

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Die X-Men kehren heim ins MCU


Schon vor Wochen wurde bekannt, dass Disney an einem Kauf von 20th Century Fox, aber auch verschiedener Fernsehsender aus Rupert Murdochs Fox-Imperium interessiert ist. Die Berichterstattung hierzu kühlte dann wieder ab, nur um schließlich spruchreif zu werden. Für eine Summe von gut 53 Milliarden Dollar hat Disney nun ein Major Studio erworben. Für Comic-Fans ist hier natürlich am relevantesten, dass man damit auch das X-Men-Franchise eingekauft hat, ausschlaggebend dürfte das aber für Disneys Interesse nicht gewesen sein.

 

Vielmehr braucht man jede Menge Content für den für 2019 geplanten Streaming-Service – und natürlich lassen sich mit 20th Century Fox als eigenständige Division, wie es Die Simpsons schon vor vielen Jahren prophezeit hat, auch weitere Marktanteile gewinnen, was die Position des Hauses der Maus noch weiter stärkt.

Interessant ist aber natürlich, dass durch diesen Kauf die X-Men wieder in das Marvel-Universum eingegliedert werden können. Etwas, womit kaum jemand gerechnet hätte. Noch ist natürlich vieles unklar, zumal es noch weit mehr als ein Jahr dauern wird, bis alles unter Dach und Fach ist, aber Disney-CEO Bob Iger beschwichtige Fanbefürchtungen, dass ein R-Rating (vergleichbar mit dem deutschen FSK 16) bei manchen Produktionen auch weiterhin möglich ist. Er dachte hier vor allem an Deadpool, dessen zweiter Teil 2018 in die Kinos kommt. Denn tatsächlich ist es bei Disney und den dazugehörigen Firmen schon so, dass man peinlich genau darauf achtet, jugendfrei zu bleiben – auch und gerade bei Stoffen, die in Sachen Merchandise gemolken werden sollen.

Nicht von ungefähr fürchtet ein Regisseur wie James Mangold, dass Filme wie sein Logan unter Marvel Studios nicht entstanden wären. Damit könnte er recht haben, denn so diffus die X-Men-Kontinuität auch ist, so sehr muss man doch applaudieren, dass hier Projekte angegangen werden, die außerhalb üblicher Konventionen stattfinden, während die MCU-Produktionen allesamt einen Haus-Stil haben. Theoretisch wäre aber natürlich denkbar, dass das MCU eine Art »Marvel Knights«-Ableger erhält. Das war in den 1990er Jahren beim Comic-Verlag ein Label, unter dem etwas realistischere, aber auch härtere Superheldengeschichten erzählt werden könnten.

Die Frage ist – aus Erbsenzählersicht gesprochen – jedoch, ob es lohnend ist, eine R-Rated-Produktion zu bringen, wenn man mit demselben Budget auch einen familienfreundlichen Film machen kann. Die Einnahmen bei letzterem sind potenziell deutlich höher.

 

Die Stunde Null

2018 kommen von Fox Deadpool, New Mutants und X-Men: Dark Phoenix. In verschiedenen Stufen der Vorproduktion befinden sich Gambit und X-Force; es wäre allerdings denkbar, dass beide nun gar nicht mehr umgesetzt werden, denn es ist so sicher wie das Amen in der Kirche, dass die X-Men nun dem Marvel Cinematic Universe einverleibt werden, womit Marvels Ausstoß an Superhelden-Filmen sprunghaft von drei auf sechs Stück pro Jahr ansteigen könnte. Und falls sie doch kommen, muss man sie wohl wie X-Men: Dark Phoenix als Abgesang auf die Fox-Ära ansehen.

Die Frage ist aber, wie die X-Men integriert werden. Verschiedene Modelle wären hier denkbar. Am saubersten ist dabei sicherlich ein ganz klarer Schnitt, der alles, was unter Fox-Ägide kam, ignoriert und neu beginnt. Aber das ist schwierig, da man mit Legion und The Gifted zwei Serien hat, die in diesem Universum spielen und das Potenzial haben, langlebig zu sein. Zudem ist Ryan Reynolds als Deadpool ein echter Aktivposten, auf den man bei Marvel wohl auch kaum wird verzichten wollen.

Allerdings könnte er auch problemlos Teil des MCU sein. Wenn man es genau nimmt, ist er das sogar schon, denn im Finale des ersten Films ist auf dem Schrottplatz ein S.H.I.E.L.D.-Helicarrier zu sehen. Das war damals ein Gag, könnte nun aber als Erklärung genutzt werden, dass Deadpool schon Teil des MCU ist. Damit einhergehen würde, dass auch beliebte Figuren wie Teenage Negasonic Warhead, die Deadpool-Variante von Colossus und der im zweiten Teil auftretende Cable Teil des Marvel-Universums sind.

Abhängig davon, wie New Mutants, der als eine Art Horrorfilm mit Superhelden beschrieben wird, gestaltet ist, wäre es auch möglich, ihn nahtlos ins MCU zu integrieren. Sofern es keine echten Querverweise zu den regulären X-Men-Filmen gibt, denn die müssen automatisch herausfallen. Schon alleine deswegen, weil sich die Kontinuitäten der alten X-Men mit denen der jüngeren Versionen aus den 1960er bis 1980er Jahren widersprechen. Zudem bietet es sich hier auch an, die beliebtesten X-Men neu zu besetzen, um so auch einen Neustart beim MCU zu signalisieren. Ein schöner Nebeneffekt: Man könnte Wolverine neu erfinden.

Die Fernsehserien könnten davon weitestgehend unangetastet bleiben, sodass auch sie einfach in das MCU integriert werden. Wenn man die X-Men- und Wolverine-Filme überhaupt in irgendeiner Art anerkennen will, wäre das immer noch möglich, indem man sie zu parallelen Realitäten erklärt. Das ergibt sich ohnehin aus den Filmen selbst, die sich so häufig widersprechen und neue Kontinuitäten eröffnen, dass man hier eh mehr als ein halbes Dutzend Zeitlinien hat.

All das könnte man aber auch recht einfach in das MCU hineinfalten – mit einem Avengers-Film. Der mögliche Titel: Secret Wars. Die gab es unlängst auch beim Comic-Verlag, wo man auf der so genannten Battleworld eine Vielzahl von verschiedenen Zeitlinien und alternativen Realitäten miteinander kollidieren ließ, um daraus ein neues, verändertes Marvel-Universum zu erschaffen. Das könnte man filmisch ähnlich angehen. 

Und was ist mit den Fantastic Four?

Einige Fans sind natürlich erfreut, dass auch die Fantastic Four zu Marvel zurückkehren. Allerdings: Hier gibt es Hürden. Denn der eigentliche Rechte-Inhaber an den Verfilmungen ist nicht Fox, sondern die deutsche Firma Constantin, die bei den letzten drei Fantastic Four-Filmen mit Fox zusammengearbeitet hat.

Über die genaue Rechtslage muss man natürlich spekulieren, sodass es schon Meldungen gab, Marvel könnte die Fantastic Four in Filmen einsetzen, aber keinen eigenen Film mit ihnen machen – analog zum Hulk, für den Universal das Vertriebsrecht eines Kinofilms hätte. Wie auch immer die Lage aussieht, man darf erwarten, dass ein Deal ausgehandelt wird. Einerseits, weil Marvel dieses Kronjuwel zurückhaben möchte, andererseits, weil Constantin natürlich weiterhin damit verdienen will und einen Film präsentieren muss, bevor die Lizenz ausläuft und ohnehin an Marvel zurückfällt.

Denkbar ist also, dass beide Firmen zusammenarbeiten oder Disney der deutschen Firma ein Angebot macht, das sie nicht ablehnen kann. Großes Geld für Constantin, aber Peanuts für eine Firma, die gerade mehr als 50 Milliarden für Fox ausgegeben hat.

Unmittelbar wird man noch keine Veränderungen merken, da es auch noch dauert, bis Fox in die Disney-Familie integriert ist. Danach wird sich einiges ändern, ob zum Guten oder Schlechten hängt dabei sicherlich auch vom persönlichen Geschmack ab, unterscheiden sich doch gerade die Fox-Marvel-Filme tonal stark von denen des MCU. Unter Marvel-Ägide könnten sie alle gleichförmiger werden, aber dem einen oder anderen mag es das wert sein – schon allein, um endlich mal die Avengers gegen die und mit den X-Men kämpfen zu sehen.

Eines wird aber auf jeden Fall eintreten: Das Marvel-Universum wird homogener, da nun alle Figuren wieder unter einem Dach vertreten sind (auch wenn Spider-Man nur von Sony »ausgeliehen« wurde).

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