Dead like me - Das Leben nach dem Tod kann ganz schön langweilen …

© Metro-Goldwyn-Mayer Studios Inc.

REWATCH

Der Zweite Blick (Folge 18): Das Leben nach dem Tod kann ganz schön langweilen …


Georgia „George“ Lass hat es nicht leicht. Frisch der Schule entkommen, muss die antriebslose junge Frau fortan arbeiten gehen – noch dazu in einem öden Büro. Und zwar jeden Tag! Wer, bitteschön, soll das aushalten?

Doch die 18-Jährige muss sich nicht lange grämen: Schon während ihrer ersten Mittagspause wird sie von ihrem Schicksal erlöst. Es plumpst ihr nämlich der frisch durch die Erdatmosphäre gefallene – und noch lichterloh brennende – Toilettensitz der Raumstation Mir auf den Kopf. Und tötet sie augenblicklich.

Was für ein Glücksfall.

Die Welt von So gut wie tot

Das Leben nach dem Leben ist auch nicht besser. Zumindest nicht für die frisch verstorbene George Lass, die vom Totenbett wegrekrutiert wird, um fortan als eine Art Sensenmann zu arbeiten. George soll die Seelen anderer Verstorbener aus ihren Leichen befreien und ins Licht führen – sie selbst darf die Welt allerdings nicht verlassen.

Begleitet wird George dabei von ebenfalls toten Kollegen und ihrem mürrischen Mentor und Boss Rube, mit denen sie sich – in Ermangelung eines ordentlichen Bürogebäudes, denn wer vermietet schon an Sensenmänner? – täglich zur Auftragsverteilung im entsetzlich pseudodeutschen Café „The Waffle-Haus“ trifft, wo ununterbrochen Jodelmusik läuft und die Bedienung Dirndl trägt. Und als wäre das nicht genug des Elends, darf George unter keinen Umständen Kontakt zu ihrer um sie trauernden Familie aufnehmen. Klar, dass dieses Verbot nicht lange hält…

Dead Like Me 2- Television Series Trailer

Die nackten Fakten

Bryan Fuller ist nicht zu beneiden. Jede seiner Serien – sei es So gut wie tot, Wonderfalls, Pushing Dasies oder Hannibal – überzeugt durch grandiosen Witz, umwerfende Kreativität und ausufernde Liebe zum Detail. Und jede einzelne von ihnen starb einen verfrühten Quotentod. Fuller mag über den Sensenmann schreiben, in Wahrheit ist er allerdings selbst einer!

Dead Like Me, so der weitaus passendere Originaltitel von So gut wie tot, war ein frühes Herzensprodukt des Autors und Produzenten. Und wie das so ist bei jungen Kreativen: Fuller wehrte sich nach Kräften gegen jegliche Art von negativem Einfluss von Seiten des Senders. Drehbuchänderungen? Eine Hauptdarstellerin austauschen? Die Homosexualität einer Nebenfigur verschweigen? Von wegen! Fuller zog in den Krieg gegen seine Bosse, während er parallel die Produktion am Laufen halten musste, und verlor auf ganzer Linie. Schon nach wenigen Episoden der ersten Staffel von DLM musste der Schöpfer und Showrunner frustriert das Handtuch werfen. Fuller verließ sein Baby, neue Autoren übernahmen seinen Job - und führten die Serie mit neuen Ideen in andere Richtungen als ursprünglich gedacht.

Das Erbe

Dead Like Me gehört zu den Serien, die Kenner immer wieder erwähnen, wenn es um Kleinode des Genres geht: liebevoll gemacht, absolut ungewöhnlich konzipiert, voller Herz und Humor. Kein Wunder, dass selbst nach der Einstellung noch lange Jahre von einer Fortsetzung die Rede war. Diese folgte 2009 tatsächlich – in Form eines sofort auf DVD ausgewerteten, günstig produzierten Spielfilms, der sich anfühlte wie eine überlange (und durchaus mit Längen gestrafte) Serienfolge. Da nicht alle Stammschauspieler verfügbar waren, musste eine Figur dafür neu besetzt werden. Mandy Patinkins Rube wurde sogar komplett rausgeschrieben.

Kurz gesagt: Das hätte es nun auch nicht mehr gebraucht. Manchmal muss man die Toten halt einfach ruhen lassen …

 

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Manche Serien ziehen so schnell an uns vorbei, dass wir sie kaum registrieren. Andere liegen zu lange zurück – und waren zu wenig massentauglich –, als dass sie sich noch heute häufiger Wiederholungen oder gar eines DVD-Releases erfreuen könnten. Doch was, wenn sie dennoch sehenswert sind? Diesen Produktionen gewähren wir ab sofort … den zweiten Blick.

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