Der ungekrönte Geek-König: Mit Kevin Smith auf du und du

KOLUMNE

Länder, Jedi, Abenteuer (9): Der ungekrönte Geek-König


In deutschen Gefilden mag ihre Zahl überschaubar sein, im englischen Sprachraum sieht man sie auf jeder Con aber überall: Fans des amerikanischen Filmemachers, Comicautors, Podcasters, TV-Moderators, Sachbuchautors, Bühnenkomikers und Superhelden-Serienregisseurs (um nur ein paar wenige seiner Berufe zu nennen) Kevin Smith stehen auf geekige Welten, derben Humor und optimistische Lebensfreude. Sie jagen seit Jahrzehnten ihren individuellen Amys hinterher, können ganze Tage in Comicläden verbringen, erklären sich nicht nur unter Alkoholeinfluss gern zum „Master of the Clit“ (und meinen damit ganz was anderes, als man dann vielleicht denkt) … und sie sind echt, echt nett.

Der Fanotyp

Smith-Jünger haben es leicht, ist ihr Idol doch selbst schon gelebtes Cosplay: Man nehme eine stattliche Plauze und bedecke sie mit einem weit geschnittenen und gern geekig bedruckten Eishockey-Trikot. Kombiniert werde dies mit einer dreiviertelkurzen Jeans, bequemen Schuhen und einer falsch herum aufgesetzten Baseballkappe. Fertig! Bonuspunkte erhält, wer sich dazu noch einen stattlichen Vollbart heranzüchtet.

Die meisten Fans des ungekrönten Geek-Königs Smith kennen diesen noch aus seiner großen Zeit (auch bekannt als: die Neunziger). Da sie damals schon alt genug waren, in Filme mit Fäkalhumor zu dürfen, werden sie inzwischen wohl mindestens um die Vierzig sein. Was aber gut ist, denn dann haben sie meist auch das nötige Kleingeld, sich die preisintensiven Devotionalien des Altmeisters zu leisten. Smith ist nämlich alles andere als untätig und bringt neben neuen Filmen und (kostenfreien) Podcasts auch immer wieder Bücher, Comics und begleitende Lizenzprodukte auf den Markt.

Dinner for Fan

Alles, was in einer typisch amerikanischen, provinziellen Shopping Mall angeboten wird, ist ideales Futter für einen gelungenen Kevin-Smith-Abend. Und ich rede nicht vom Edelkaviar aus dem Feinkostregal, sondern ganz klar von Fast Food! Pommes, Hot Dogs, ungesundes Zeug mit einer Überdosis an Zucker und Fett … Das ist der Stoff, aus dem die Träume sind. Dazu reicht der Kenner selbstredend einen kleinen und handgerollten Gruß aus Holland und amerikanisches Bier. (Alternativ tut’s aber auch gelb gefärbtes Wasser, da eh niemand den Unterschied merken dürfte …)

Sag, was du willst, aber …

Smiths Drehbücher wirken, als seien sie primär als Zitatequelle geschrieben worden. Von einem laut geschmetterten „Berserker!!“ über ein zaghaftes „Tell’em, Steve-Dave“ bis hin zu die Umstehenden höchst irritierenden Diskussionen über die Anzahl bislang erfolgreich fellatierter Sexualpartner ist alles drin und alles erlaubt. Absolute Experten haben in jeder Situation ein passendes „I’m not even supposed to be here today“ auf den Lippen und schweigen noch entschlossener als Silent Bob.

Bloß nicht nachmachen!

Smiths Oeuvre spaltete schon immer die Geister. Manche können mit seinem Werk nichts anfangen, für andere ist es, pardon, absolutes Dogma. Wollen Sie Smiths Jünger zur Weißglut treiben, empfiehlt sich dieses Vorgehen:

  1. Geben Sie sich themenerfahren, sprechen dann aber dauernd von „Jay und Silent Bill“.

  2. Verwechseln Sie Kevin Smith mit Kevin James.

  3. Fliegen Sie am liebsten mit Southwest Airlines.

  4. Erklären Sie „Cop Out“ zu ihrem Lieblingsfilm des Meisters. Betonen Sie, dieser sei sogar noch besser als „Chasing Amy“.

  5. Tragen Sie kein Hockey-, sondern ein Fußballtrikot. Von Eintracht Frankfurt.

 

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Das Phantastische wird immer populärer, doch längst nicht jeder Normalsterbliche weiß, wie wir Fans unendlicher Weiten und Co. so ticken. Länder, Jedi, Abenteuer will da Abhilfe schaffen und bietet einen ebenso liebe- wie humorvollen Einblick in schillernde Subkulturen und die Charaktere hinter dem Cosplay.

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