Der Unsichtbare: Ich sehe wen, den du nicht siehst

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Der Zweite Blick (Folge 13): Der Unsichtbare - Ich sehe wen, den du nicht siehst


Es ist eine Geschichte, wie sie das Leben alltäglich schreibt: Ein Kleinkrimineller wird bei einem Beutezug gefasst und zu lebenslanger Haft verurteilt. Durch seine freiwillige Teilnahme an einem geheimen wissenschaftlichen Experiment der Regierung kann er dieses Urteil allerdings schnell wieder aufheben. Bleibt nur ein Problem: Durch das Experiment hat er nun die Fähigkeit, sich unsichtbar zu machen – und zugleich einen stolzen Schwung psychologischer Probleme am Hals, verursacht der Prozess als Nebenwirkung doch regelmäßig Tobsuchtsanfälle. Das kennen wir doch wirklich alle ...

Die Welt von The Invisible Man

Hauptfigur ist Darien Fawkes, ein Einbrecher und Lebenskünstler, für den das Schicksal eine besondere Wahl bereit hält: Knast oder Versuchskaninchen. Fawkes entscheidet sich für letzteres und wird zum Unsichtbaren. Dies verdankt er einer „Quecksilber-Drüse”, welche in seinen Kopf implantiert wurde und ihn nun befähigt, eine Art Unsichtbarkeitsmantel, das so genannte Quecksilber (aber nicht zu verwechseln mit dem Zeug im Fieberthermometer!), um sich herum aufzubauen. Dadurch werden Fawkes, seine Kleidung und auf Wunsch auch alles, was er berührt, unsichtbar.

Klingt cool? Ja und nein, denn die Sache hat einen Haken: Das „Quecksilber” macht agressiv, und um seine Reaktionen unter Kontrolle zu halten, braucht Fawkes regelmäßige Injektionen, die ihm nur die Regierung, auf deren Mist die ganze Aktion gewachsen ist, verabreichen kann. Und die ist natürlich sehr an Fawkes’ Diensten interessiert und erpresst sich diese durch die Medizin. Als unfreiwilliger Mitarbeiter einer Regierungsbehörde, die so geheim ist, dass sie nicht einmal einen Namen hat, jagt Fawkes nun Kriminelle und Superschurken und angelt nach weiteren Informationen über seine mysteriösen neuen Brötchengeber.

Die nackten Fakten

Die von Matt Greenberg konzipierte Serie bewegt sich zwar innerhalb stark formulaischer Handlungsgrenzen und bietet somit eher solide denn innovative Kost, überzeugt aber durch ihre Figurenzeichnung und die unterschwellige, metahumorige Selbstironie der Protagonisten. Auch das Konzept des unsichtbaren Mannes ist seit H.G. Wells (vor dem sich Invisible Man gleich im Vorspann verneigt) immer mal wieder aufgekocht worden und nicht neu, doch auch hier gilt: Die Serie gewinnt durch ihre Figuren, die man, auch wenn sie nahe am Klischee stehen, schnell mögen lernt.

Invisible Man überrascht vielleicht nicht, wie es andere Genreserien tun, unterhält aber auf niedrigerem Niveau überzeugend. Und es macht Spaß: Wenn Fawkes etwa seinen übertrieben verschwörerisch auftretenden Vorgesetzten anpflaumt, er solle jetzt bloß nicht einen auf Die Tage des Condors machen, oder wenn sämtliche Figuren einer Szene nach Darstellern des Doctor Who benannt wurden, beweist die Produktion einen Geek-Charakter, der sie gleich noch sympathischer macht. Die Serie ist voll davon und lebt auch von ihrem nicht minder sympathisch auftretenden Hauptdarsteller, dessen oft zynisch-sarkastischer Off-Kommentar so manchen Handlungsgang begleitet.

Das Erbe

Es mag selbst dem härtesten Serienjunkie passieren, dass ihm mal eine längst abgedrehte, aber bisher unbekannte Show vor die Augen kommt – Invisible Man ist wahrscheinlich ein solcher Fall. Bereits vor Jahren mit Ende der zweiten Season eingestellt, hat sich diese eher niedrig budgetierte Produktion des amerikanischen Sci-Fi-Channels (heute Syfy) kaum eine große Fangemeinde aufbauen können. Ihr Altenteil erlebt sie auf DVDs und in der Wiederholungshölle kleinerer Kabelsender, wo sie allerdings bis heute eine kleine Entdeckung bleibt!

 

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Manche Serien ziehen so schnell an uns vorbei, dass wir sie kaum registrieren. Andere liegen zu lange zurück – und waren zu wenig massentauglich –, als dass sie sich noch heute häufiger Wiederholungen oder gar eines DVD-Releases erfreuen könnten. Doch was, wenn sie dennoch sehenswert sind? Diesen Produktionen gewährt Autor Christian Humberg ab sofort eine zweite Chance in seiner Kolumne "Der zweite Blick".

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