Serie: Zurück in die Vergangenheit

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Der Zweite Blick (Folge 10): In Zurück in die Vergangenheit - War früher nicht alles besser?


In "Zurück in die Vergangenheit" springt Dr. Beckett von Leben zu Leben. Iimmer darum bemüht, etwas zu korrigieren, was einmal falsch gelaufen ist. Autor Christian Humberg wünscht sich ein Reboot dieser großartigen Zeitreise-Serie.

 

Eine gute Geschichte braucht mehrere Zutaten: Spannung, Spektakel – und vor allem Herz. Selbst wenn sie uns von den Ameisen ähnelnden Bewohnern des Planeten Fitzlifutz berichten will, deren liebstes Hobby daraus besteht, mit brennenden Langhaardackeln zu jonglieren, sollte und muss sie doch stets das Herz im Kern des ganzen Getöses erkennen und herausarbeiten. Nur dann gelingt es ihr, uns Zuschauer zu erreichen.

Okay, im Fall von mit brennenden Dackeln jonglierender Aliens dürfte das Herz recht schwer zu finden sein. Aber im Fall von Sam Beckett … Nun, da war es mehr als offensichtlich.

Die Welt von Zurück in die Vergangenheit

Nachdem er die Theorie aufgestellt hatte, dass man innerhalb seiner eigenen Lebenszeit Zeitreisen könne, stieg Dr. Sam Beckett in den Quantensprungzeitbeschleuniger … und verschwand! Als er aufwachte, fand er sich in der Vergangenheit wieder. Im Spiegel wurde er mit Gesichtern konfrontiert, die nicht seine eigenen waren, und eine unbekannte Kraft trieb ihn dazu, die Geschichte zum Besseren zu wenden.

Sein einziger Führer auf dieser Reise ist Al, ein Projektbeobachter aus seiner eigenen Zeit, der ihm als Hologramm erscheint, dass nur Sam hören und sehen kann. Und so springt Dr. Beckett von Leben zu Leben, immer darum bemüht, etwas zu korrigieren, was einmal falsch gelaufen ist – und jedes Mal hofft er, dass sein nächster Sprung der Sprung nach Hause sein wird.

Die nackten Fakten

Scott Bakula war quasi ein Niemand, als ihn die Rolle des so markant benannten Dr. Beckett ereilte. Bakula hatte bis dato primär auf Theaterbühnen Erfolge gefeiert, galt im TV-Business als unbeschriebenes Blatt.

Genau so eins brauchte Donald P. Bellisario. Der erfahrene TV-Produzent (u.a. Magnum, JAG – Im Auftrag der Ehre) plante eine Serie über einen Jedermann. Einen moralisch anständigen, mutigen Wissenschaftler, der ohne sein eigenes Zutun in die Leben anderer Menschen (und gelegentlich sogar Tiere) geworfen wird und dort aushelfen muss. Weil er gar nicht anders kann. Weil er Mensch ist.

Ein bekannter Darsteller wäre da hinderlich gewesen, brauchte das Publikum doch genau dieses unbeschriebene Blatt, um ihm Woche für Woche eine neue Rolle, ein neues Leben abzukaufen. Scott Bakula meisterte diese Aufgabe mit einer solchen Bravour, dass ZidV fünf Staffeln lang durchhielt.

Das Erbe

Menschelnde Geschichten, wie ZidV sie erzählte, wurden irgendwann uncool. Sie fielen dem Blockbuster-Wahn in der Unterhaltungsbranche zum Opfer, für den jedes neue Abenteuer noch größer, noch bombastischer und noch lauter sein musste als die vorigen. Es war plötzlich kein Platz mehr für die kleinen und leisen Töne, für das Herz hinter all dem Spektakel. Bellisarios vielleicht großartigste und wertvollste Schöpfung verschwand vom popkulturellen Radar. Allein die Hardcore-Fans behielten sie in guter Erinnerung.

Doch im Zeitalter des Terrors wendet sich das Blatt erneut. Gerade heute, wo sündhaft teure Megaproduktionen am Markt versagen, weil sie statt mitreißender Storys nur spaßige Effekte zu bieten haben, lernt man die leisen Töne wieder mehr zu schätzen – die subtilen Nuancen und die individuellen Schicksale. Auch kleine Dramen können großes Kino sein.

Die Zeit ist also mehr als reif für eine Rückkehr von Dr. Sam Becketts „Projekt Quantensprung“. Eine Fortsetzung, ein Reboot – was auch immer. Scott Bakula hat einem solchen Unternehmen jedenfalls längst seinen Segen gegeben … und sich in Zachary Levi (Chuck, Heroes Reborn) auch bereits einen jüngeren Kollegen auserkoren, der seine alte, große Rolle fortführen könnte.

Und jetzt bist du am Zug, Hollywood. Lass es passieren!

 

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Manche Serien ziehen so schnell an uns vorbei, dass wir sie kaum registrieren. Andere liegen zu lange zurück – und waren zu wenig massentauglich –, als dass sie sich noch heute häufiger Wiederholungen oder gar eines DVD-Releases erfreuen könnten. Doch was, wenn sie dennoch sehenswert sind? Diesen Produktionen gewährt Autor Christian Humberg ab sofort eine zweite Chance in seiner Kolumne "Der zweite Blick".

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