Der Zweite Blick: Red Dwarf

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Der Zweite Blick (Folge 12): Red Dwarf - Im Weltall hört dich niemand blödeln


Er ist die letzte Hoffnung der Menschheit: Dave Lister hat als einziger die Katastrophe überlebt, der seine Mannschaft – die Crew des Bergbau-Raumschiffs Red Dwarf – zum Opfer fiel. Nun treibt Dave mutterseelenallein durchs tiefste, unerforschte (und absolut uninteressante) Weltall. Sein genetischer Auftrag: Schenke der Menschheit einen Neuanfang.

Doch das ist nicht das Problem.

Das Problem ist vielmehr: Dave Lister ist alles andere als ein Held. Vielmehr ist er Hilfstechniker zweiter Klasse und selbst dafür noch unterqualifiziert. Dave ist ein fauler, leicht vertrottelter, alle Obrigkeiten verachtender Querdenker, für den Hygiene ein Fremdwort und gesunde Ernährung eine Strafe darstellt.

Und der ist die Zukunft unserer Spezies? Die einzige Zukunft unserer Spezies?

Smeggin’ hell!

Die Welt von Red Dwarf

Der letzte Mensch treibt antriebs- und relativ sinnlos durchs All. Dave Listers einzige Gefährten auf der Reise ins Unbekannte sind Arnold J. Rimmer, holografische Nachbildung des (natürlich verstorbenen, denn sie sind ja alle verstorben) Crew-Kollegen, den Lister am allerwenigsten leiden konnte. Und Cat, der humanoid gewordene Ururururururahn von Listers alter Katze. Und Kryten, ein Android mit stocksteifem Benehmen und einem Faible für Seifenopern. Und Holly, der mitunter zu argem Sarkasmus neigende Bordcomputer des Schiffes.

Diese Männertruppe mag ungleich sein, es eint sie allerdings der Egoismus und die Fähigkeit, sich gegenseitig auf die Palme zu treiben. Was will man auch sonst den lieben langen Tag tun, wenn absolut gar nichts passiert?

Die nackten Fakten

Science Fiction und Komödie? Im Zeitalter nach Galaxy Quest mag diese Kombination selbstverständlich sein, doch als die Comedy-Autoren Grant und Naylor Ende der 1980er der BBC das Konzept ihrer Sitcom Red Dwarf vorschlugen, hat der ein oder andere Programmverantwortliche vermutlich noch Sorgenfalten auf der Stirn getragen.

Doch: Das Projekt ging in Serie. Mit einem Budget, das bei Star Trek höchstens für die Portokasse des Studiopförtners ausgereicht hätte, drehten Grant und Naylor ihre Episoden – und das Publikum nahm Red Dwarf mehr als dankbar auf. Der Humor, die skurrilen Charaktere und – mitunter – der Wille zur gekonnten Parodie althergebrachter Genreklischees trugen die Serie über jeden eher unglücklichen, und doch meist liebevollen Spezialeffekt und jeden abgelutschten Furzwitz hinweg. Selbst mehrjährige Produktionspausen, einen Senderwechsel und den Bruch des Kreativduos Grant/Naylor (seit 1997 leitet Doug Naylor die Serie allein) überstand das Format relativ schadlos und ohne allzu nennenswerte inhaltliche Folgen.

Das Erbe

Zu erben gibt’s hier eigentlich nichts, denn die Serie läuft nach wie vor – auch wenn mehrere mehrjährige Produktionspausen durchaus schon den ein oder anderen Tod suggerierten. Erstaunlich ist jedoch, dass sie es nie wirklich auf deutsche Mattscheiben geschafft hat. Gut, der Humor ist äußerst britisch, und Ausstattung sowie Spezialeffekte sind mit denen anderer SF-Serien eigentlich kein bisschen vergleichbar. Selbst Sparbrötchen Babylon 5 wirkt gegen so manche RD-Episode wie episches Kino, das keinerlei Kosten scheut.

Doch gerade der Humor und das Figurenensemble machen Red Dwarf sehr sehenswert. Monty Python gab’s seinerzeit untertitelt in den dritten Programmen zu genießen. Warum bleibt den Smegheads der Red Dwarf diese Ehre verwehrt? Dieser Insider – zu dem vor einigen Jahren sogar die Lizenzromane in deutscher Übersetzung erschienen, obwohl niemand die Serie kannte! – hätte hierzulande deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient.

 

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Manche Serien ziehen so schnell an uns vorbei, dass wir sie kaum registrieren. Andere liegen zu lange zurück – und waren zu wenig massentauglich –, als dass sie sich noch heute häufiger Wiederholungen oder gar eines DVD-Releases erfreuen könnten. Doch was, wenn sie dennoch sehenswert sind? Diesen Produktionen gewährt Autor Christian Humberg ab sofort eine zweite Chance in seiner Kolumne "Der zweite Blick".

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