Die unheimliche Macht (The Keep, USA 1983)

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Stylisher Rumpf: Die unheimliche Macht (The Keep, USA 1983)


Eine Wehrmachtseinheit quartiert sich 1943 in einer eigentümlichen karpatischen Burg ein und gerät an einen golemhaften Dämon, der dort festsitzt und raus will. Die Truppe wird in den dunklen Gängen auf greuliche Weise dezimiert, was wiederum die SS auf den Plan ruft, die Partisanenaktivität vermutet und mit der Erschießung der Dorfbevölkerung beginnt. Ein als Gefangener mitgeführter Professor will das Dämonenwesen nutzen, um die Nazis vom Angesicht der Erde zu fegen, dagegen hat jedoch wiederum ein engelhafter „Wächter“ etwas einzuwenden, der unbedingt verhindern muss, dass das Wesen, offenbar ein uralter Gegner, ausbricht …

So etwas wie die Grundsteinlegung des Genres „Military Horror“. Wir hatten diesen Film mit dem deutschen Titel mal als VHS-Raubkopie zu Hause, aber die Cassette ist seit langen Jahren verschwunden, entweder überspielt oder auf Nimmerwiedersehen an Onkel oder Cousins ausgeliehen. Der Film ist heute schwer zu bekommen, als DVD ist er weder hierzulande noch in den USA je erschienen. Ankündigungen wurden von Paramount Pictures offenbar nie wahrgemacht. Insofern hat man es natürlich inzwischen mit einer Legende zu tun, einem Mythos. Wer den Preis für das VHS-Band scheut, kann sich auf Youtube immerhin eine Menge Schnipsel anschauen.

Die Vorlage bildet ein Roman von F. Paul Wilson, der in Deutschland als „Das Kastell“ erst bei Goldmann erschien und später noch mal bei Festa. Er gehört zum großflächiger angelegten Adversary-Zyklus, wirkt erstmal sehr originell, bedient sich zugleich aber mächtig bei Nazi-Klischees und befleißigt sich einer fragwürdigen, hemdsärmeligen, typisch amerikanischen Geschichtsschreibung, die die Nazis leichtfertig als „dämonisch“ und „böse“ charakterisiert und sich um unbequeme Fragen herumdrückt. Und der Dämon ist im Roman eher ein Vampir, denn schließlich befinden wir uns in den Karpaten. Als Horror- oder Dark-Fantasy-Roman ist er so lala ausgeführt. Ich war nie ein großer Bewunderer.
Michael Manns Verfilmung war hingegen als cineastisches Großereignis der frühen 80er angelegt und baute auf Darsteller wie Ian McKellen, Scott Glenn, Jürgen Prochnow und Gabriel Byrne sowie auf die Filmmusik von Tangerine Dream, die Kamera von Alex Thomson („Excalibur“), die Maskeneffekte von Bob Keen und die Designs von Enki Bilal. Trotz solch einer unerhörten Konzentration endete die Sache jedoch als gerade eben so lebensfähiger Rumpf. Das Studio entsorgte einiges an Material, und der Film wirkte wie ein unschönes, ästhetisch uneinheitliches Stückwerk, das mehr Fragen aufwarf als es beantwortete. Michael Mann hatte offenbar auch nie Interesse daran, den Film zu restaurieren und zu verfeinern.
Heraus kam ein eminent düsteres Werk, das massiv auf die in den 80ern größtenteils noch unbekannte Dark Fantasy setzte und dabei Horror-Fans und Fantasy-Freunde gleichermaßen irritierte. Eine Neuauswertung wäre heute durchaus angebracht. Michael Mann hat dem Stoff seine Ästhetik aufgepfropft, arbeitet mit virtuosen Kamera- und Ausleuchtungstricks, mit Zeitlupen, Verzögerungen, Beschleunigungen, entsetzlichen Effekten, kaltem Hyperrealismus und sphärischer Entrückung zugleich, manches wirkt wie Ridley Scotts spätere Arbeiten. Nur leider geht bei alldem die Story flöten und driftet in ein kryptisches Irgendwas hinüber, dem die virtuose Machart und die Dauerbeschallung durch Tangerine-Dream-Gewaber eine ständige Bedeutungsschwere verleiht, die gewaltig schlaucht. Dialoge wie „Wer bist du?“ – „Ich bin der Eine“ tragen auch nicht unbedingt zur Klärung des Geschehens bei.

Ein virtuoses, verhunztes Frühachtziger-Effektgewitter, dem leider jemand zu früh den Stecker gezogen hat.

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