Batman v Superman – Die Passion des Clark Kent

© 2015 Warner Bros. Entertainment Inc.

FILM

Schuld und Sühne



Batman v Superman – Die Passion des Clark Kent

(Enthält leichte Spoiler)

Was stimmt mit den Filmkritikern unserer Generation nicht? Beim allgemeinen Film-Stimmungsbarometer-Messdienst Rotten Tomatoes schafft es Batman v Superman gerade mal auf lächerliche 28%. Ich gebe zu, dass Zack Snyder meistens eher durch Optik punktet, als durch eine ausgeklügelte Story. Doch was er mit Batman v Superman auf die Leinwand gezaubert hat ist nicht weniger als ein kleines Meisterstück!

Zack Snyder inszenierte den großen Kampf zwischen Mensch und Gott als Mischung aus griechischer Tragödie und Passion Jesu Christi. Das ist auch nicht immer tiefgründig, aber voller aufrechtem Pathos, angenehmer dystopischer Schwere und zugleich die älteste aller Mythologien: Die Verantwortung der Götter für die Sünden der Menschen. Die Allegorie ist dabei kaum zu übersehen, wenn einige Kameraeinstellung eindeutige Reminiszenzen an berühmte Gemälden oder Statuen, z.B. von Michelangelo bilden.

Überhaupt drängen sich die Jesus-Parallelen auf. Alle 14 Stationen des Leidensweges Jesu werden Punkt für Punkt abgearbeitet, von dem Gerichtsprozess vor den römischen Hohepriestern, über der Begegnung mit seiner Ziehmutter, den weinenden Frauen, seiner Hinrichtung und dem zu Grabe tragen. Sogar die Heilige Lanze aus der Passionsgeschichte spielt eine entscheidende Rolle. Der Film hinterfragt den gesamten Heldenmythos und bildet damit eine angenehme Abwechslung zu den Marvel-Filme, die nur noch aus Kompromissen an den Mainstream zu bestehen scheinen und zunehmend oberflächlicher werden, was sie durch Comic-Relief auszugleichen versuchen.

Batman v Superman
ist wesentlich erwachsener, fordert den Zuschauer heraus und entwickelt sich im Verlauf zu einer tragisch-düsteren Oper. Überhaupt brilliert der Film durch den hohen Gehalt an moralischen Fragen und einer inhaltlicher Substanz, von der die meisten Marvel-Pendants nur träumen können. Dabei ist der eigentliche Plot raffiniert verwoben mit dem oberflächlichen Plot, denn natürlich geht es nicht wirklich um den Kampf von Gut gegen Böse, sondern darum, was einen Helden ausmacht und der daraus folgenden Erkenntnis, dass es keine Helden gibt. Ein Thema, mit dem Snyder sich schon bei Watchmen (vor allem mit Dr. Manhattan) eingehend beschäftigt hat. Daher ist die Besetzung von Bruce Waynes Vater mit Jeffrey Dean Morgan (dem Comedian aus Watchmen) durchaus als Augenzwinkern zu verstehen.

© 2014 Warner Bros. Entertainment Inc.

 

Während üblicherweise in Superhelden-Filmen Städte nur dankbare Kulissen für maximalen Zerstörungsorgien sind, erlauben sich die Drehbuchautoren Chris Terrio und David S. Goyer das Gedankenspiel, wie die Menschheit tatsächlich auf das Auftauchen von Göttern reagieren würde und welche moralischen Verpflichtungen Macht (die laut Lex Luthor nie unschuldig sein kann) mit sich bringt. Auf der einen Seite Bruce Wayne auf der ewigen Suche nach Katharsis nach dem Tod seiner Eltern, auf der anderen Seite Superman, der für die Sünden der Menschen ans Kreuz genagelt wird.

In der Umsetzung wird dies durch das wunderbare Ensemble getragen. Wider alle Schmähung füllt Ben Affleck den Anzug des alternden Dark Knight perfekt aus. Und auch Henry Cavill als Erlöserfigur spielt stärker als je zuvor, wobei er starke Unterstützung durch Amy Adams als wunderbare Maria Magdalena erfährt. Über Jesse Eisenberg als wahnsinniger Lex Luthor (mit leichtem Overacting) lässt sich streiten, ohne Zweifel macht es aber Spaß ihm in seinem Wahnsinn schwelgend zuzuschauen. Und auch Gal Gadot ist als Diana Prince einfach nur hinreißend, wirkt nur im späteren Amazonen-Outfit leider etwas zu kostümiert. Dafür hat JUNKIE XL der Figur aber ein prächtiges musikalisches Leitmotiv verpasst. Herausragend auch Senatorin June Finch (großartig: Holly Hunter) in der Rolle des Pontius Pilatus, die Superman gegen ihren eigenen Willen zum Tode verurteilen muss.

Zack Snyder versteht es Emotionen, Gewalt, Details mit einer fast erotischen Ästhetik auf die Leinwand zu zaubern. Die oft geäußerten Kritik, dass man dem vermeintlich konfusen Plot nicht folgen könne, ist nicht nachvollziehbar. Ich persönlich fühlte mich in keinem Moment des Films irgendwie in der Handlung verloren. Ganz im Gegenteil hing ich an den Lippen der Charaktere und sog jedes noch so kleines Handlungsdetail in mich auf, um es zu zelebrieren. Das surreale Traumsequenzen und Handlungssprünge manchen Zuschauer überfordern, ist kein Manko des Films, sondern das derjenigen, die ihre Filme gerne schön vorgekaut präsentiert bekommen.

Und Kritiker, denen es in dem Film am Humor mangelt, sollten sich fragen, warum auch der Kreuzweg Christi so humorlos inszeniert ist. Zugegeben, Batman v Superman ist nicht perfekt und hat durchaus auch die eine oder andere Schwäche, beispielsweise Plotholes, die sich einfach aus der Konstellation eines Kampfes zwischen Batman und Superman ergeben, vor allem durch die überstarke Macht des Letzteren. Aber das ist ein Problem, das alle Superman-Filme für mich haben.

Und von denen, die in den letzten 60 Jahren inszeniert wurden, ist dies hier ohne Zweifel der beste. Es ist auch nicht Zack Snyders stärkster Film (das ist natürlich der in Deutschland leider nicht erhältliche Director’s Cut von Watchmen), aber er kann auf jeden Fall in der Top-Liga der Comic-Verfilmungen mitspielen.- Und das trotz der oft kritisierten Tatsache, dass eine entscheidende Handlungswendung durch einen reinen Zufall herbeigeführt wird. Ist nicht der Zufall oft auch Auslöser für die größten aller Geschichten? Dass er sich dramaturgisch Zeit lässt, kann dem Film auch nur hoch angerechnet werden. Einzig die Hoffnung, dass es auch diesmal wieder einen Director‘s Cut geben wird, der dann einige der zahlreichen Handlungsstränge hoffentlich noch einmal etwas vertiefen wird, bleibt nach dem das Licht angeht.

 

Fazit:

Mit Batman v Superman erlaubt sich Zack Snyder die Inszenierung einer monumentalen Superhelden-Oper, bei der manche Comicfans und Kritiker auf der Strecke bleiben, die aber echte Film-Gourmets zu genießen wissen.

 

 

 

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