Afrikanischer Superheld: Die besten Comics mit Black Panther

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Afrikanischer Superheld: Die besten Comics mit Black Panther


Black Panther ist eine Figur von großer historischer und kultureller Bedeutsamkeit. Stan „The Man“ Lee und Jack „King of Comics“ Kirby, die Schöpfer der Avengers und der X-Men, führten ihn 1966 in einem ihrer „Fantastic Four“-Hefte ins Marvel-Universum ein. Damit war T’Challa, der Regent und Beschützer der afrikanischen Hightech-Nation Wakanda, noch vor Luke Cage, Blade oder Black Lightning der erste schwarze Superheld im US-amerikanischen Comic-Mainstream. Nachdem der Panther in „The First Avenger: Civil War“ Marvels erfolgreichen Filmkosmos betreten hat, startet am 15. Februar nun der erste Solostreifen des Schwarzen Panthers, der kurz darauf auch in „Avengers: Infinity War“ mitmischen wird. Christian Endres, der für Panini als Redakteur die Comics von Black Panther und Co. betreut, stellt fünf aktuell erhältliche Panel-Sagas mit T’Challa vor.

Trailer: Black Panther

Neu erzählt: Die Legende von Black Panther

2005 taten sich der afroamerikanische Autor, Regisseur und Produzent Reginald Hudlin („Django Unchained“, „Marvel Knights: Spider-Man“) und Top-Künstler John Romita Jr. („Spider-Man“, „Kick-Ass“) für eine Neuerzählung von Black Panthers Anfängen sowie eine generelle Neubestimmung der Figur zusammen, die unverdient arg an Popularität eingebüßt hatte. In ihrer Storyline „Wer ist Black Panther?“ rückten sie die Geschichte und Legende Black Panthers in einen zeitgemäßen Kontext, derweil Wakandas Held es mit alten und neuen Feinden aufnehmen muss. Die Panel-Story ist noch immer der ideale Einstiegspunkt in die unbestreitbar exotische und faszinierende Welt des Panthers, und ferner ein Paradebeispiel für das Können von Zeichner John Romita Jr., Tuscher Klaus Janson und Kolorist Dean White, die ein echtes Dream-Team sind und damals zweifellos auf der Höhe ihres Schaffens waren. Reginald Hudlin, der in den letzten Jahren z. B. die 88. Oscar-Verleihung produzierte, prägte den Panther fast vier Jahre lang, wobei er ihn u. a. mit Storm von den X-Men verheiratete und T’Challas Schwester Shuri zum nächsten Champion im Zeichen des Panthergottes machte.

Coole Satire: Teil der Marvel Knights

Heute kaum vorstellbar, aber in den späten 1990ern steckten Marvel und die gesamte amerikanische Superheldencomic-Industrie in der Krise – Marvel kämpfte sogar mit dem Bankrott. Kreativ brauchte man ebenfalls dringend frischen Wind, und den brachten Joe Quesada und Jimmy Palmiotti, die das damals neu gegründete Marvel Knights-Imprint als verantwortliche Redakteure mit aufsehenerregenden Serien bestückten. Kevin Smith holte Daredevil aus den roten Zahlen, Garth Ennis rettete den Punisher vor der Bedeutungslosigkeit – und Christopher Priest definierte Black Panther neu. Priest, der eigentlich Jim Owsley heißt und nichts mit dem Autor des verfilmten Romans „The Prestige“ zu tun hat, wollte unbedingt die Kluft zwischen der westlichen Leserschaft und dem afrikanischen Helden überbrücken. Das tat er mit einem radikal übertriebenen, satirischen Ansatz seiner mächtig coolen Panther-Comics, in denen es T’Challa gleich in den ersten Storys mit Mephisto, Politikern, Bandenmitgliedern, Rebellen, einer Flüchtlingskrise und der Geheimpolizei Wakandas zu tun hat. Das passend außergewöhnliche Artwork der Marvel Knights-Interpretation besorgte Comic-Maler Mark Texeira („Ghost Rider“). 

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Action mit Anspruch: Die aktuelle Serie

Seit 2016 kümmert sich der renommierte amerikanische Journalist und Buchautor Ta-Nehisi Coates um die fortlaufende „Black Panther“-Serie aus dem Haus der Ideen, die von Chris Sprouse („Tom Strong“), Wilfredo Torres („Jupiter’s Circle“) und anderen bebildert wird. Coates schrieb davor u. a. das viel beachtete Buch „Zwischen mir und der Welt“ über rassistisch motivierte Gewalt, das ihm eine Nominierung für den Pulitzer einbrachte; überdies wurde er von der MacArthur Foundation als Genius Grant ausgezeichnet. Comics las er schon als Junge, „Black Panther“ stellt jedoch sein Debüt als Autor eigener Panel-Geschichten dar. Dafür geht Coates ganz schön ambitioniert an die Sache heran, da er T’Challa gleich zu Beginn seiner Amtszeit mit einer blutigen Revolution, Selbstmordattentätern, abtrünnigen Elitekriegerinnen, der Geisterwelt und einem von Iron Mans skrupellosesten Gegnern einheizt. In der Legacy-Ära wird Coates Wakanda und seinen Champion sogar bis auf einen eigenen Planeten im All führen – ambitioniert, wie gesagt.

Mann ohne Furcht: T’Challa als Daredevils Vertretung

Auf Deutsch kann man sich noch einige lesenswerte Panther-Storys älteren und jüngeren Datums reinziehen: Etwa seine frühen Stunts als Avenger in der Anthologie-Reihe „Marvel Klassiker“; oder seine gelungenen Auftritte in modernen Titeln wie „New Avengers“, „Infinity“ und „Secret Wars“ von Autor Jonathan Hickman. Wer nicht vor englischsprachiger Lektüre zurückscheut, könnte sich genauso gut mal die Panther-Saga von Romancier David Liss („Die Papierverschwörung“) ansehen. In „Black Panther: Man Without Fear“ vertritt T’Challa Daredevil Matt Murdock als Beschützer von Hell’s Kitchen. Seine Widersacher in der Stadt: Ruchlose Gangster, Kraven der Jäger und Lady Bullseye! Gezeichnet wurde T’Challas Überlebenskampf im urbanen Dschungel u. a. von Francesco Francavilla („Afterlife with Archie“) und von Jefte Palo („Moon Knight“). Letzterer hat T’Challa im nicht minder unterhaltsamen „Black Panther: Secret Invasion“ von Autor Jason Aaron („Thor“) übrigens auch schon mal mit Aliens konfrontiert. Wer es dagegen klassisch und wortreich mag, könnte zudem in die Neuauflagen der wichtigen frühen Panther-Solostorys von Jack Kirby, Don McGregor, Rich Buckler, Gil Kane und anderen schauen.

Afrofuturismus: Nnedi Okorafors digitaler Panther

Nnedi Okorafor, amerikanische Science-Fiction-Autorin mit nigerianischen Wurzeln, gilt als die derzeitige Königin des Afrofuturismus. Inzwischen schreibt die preisgekrönte Verfasserin von Romanen wie „Lagune“, „Wer fürchtet den Tod“ und „Das Buch des Phönix“ immer mehr Comics, darunter ein englischsprachiger Dreiteiler in der zunächst exklusiv digitalen Miniserie „Black Panther: Long live the King“. Okorafor versteht und nutzt das Comic-Medium für eine gelungene, überzeugende SF-Story, wie sie nicht jeder Prosa-Profi auf Anhieb hinbekommt. Natürlich helfen die guten Zeichnungen des Portugiesen André Lima Araújo („Man Plus“), der Okorafors Geschichte über Wakanda mit all seiner Hightech, all seiner Tradition und all seinen Widersprüchen in geradezu Moebius’scher Klarheit visualisiert. Schade, dass drei Füller zwischen dem Anfang und dem Ende der dreiteiligen Story liegen. Im Sommer kommt ein Print-Sammelband auf Englisch.

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