Okkulte Banker: The Black Monday Murders

© 2017 Jonathan Hickman

COMIC

Okkulte Banker: The Black Monday Murders


Nach seiner langen „Avengers“-Saga präsentiert Autor Jonathan Hickman zusammen mit Zeichner Tom Coker den neuen Comic „The Black Monday Murders“, einen gehaltvollen Horror-Krimi über die wahrlich dämonischen Machenschaften auf dem Finanzmarkt.

 

In den letzten Jahren war Jonathan Hickman einer der wichtigsten Autoren bei Marvel. Am Anfang seiner Karriere schuf der gelernte Grafikdesigner zunächst eigene Titel wie „The Nightly News“ und „Pax Romana“, die er sogar selbst visualisierte. Bei Marvel trieb er seine Karriere als Autor von „Secret Warriors“ voran, worin er u. a. die Figur der Daisy Johnson weiter festigte, die als Quake mittlerweile in der sehenswerten TV-Serie „Marvels Agents of S.H.I.E.L.D.“ für Furore sorgt.

Im Anschluss an die Missionen der jungen Spionage-Superhelden verfasste Hickman eine lange, komplex verwobene Saga über die traditionsreichen Fantastic Four, die bei Kritikern und Lesern für Begeisterung sorgte. Mit dem Start der Ära Marvel NOW! wurde der 1972 geborene Amerikaner nach ein paar Zwischenstationen in Marvels Ultimativen Universum Autor des Flaggschiff-Titels „Avengers“, wobei sich sein großes, verschlungenes Science-Fiction-Epos über Evolutionsbomben und Paralleluniversen zusätzlich noch über „New Avengers“ und die Crossover-Hauptserien „Infinity“ und „Secret Wars“ erstreckte. Hiernach drehte Hickman dem Marvel-Kosmos erst mal den Rücken zu, um sich wieder verstärkt eigenen Projekten zu widmen – etwa „The Black Monday Murders“, das er zusammen mit Zeichner Tom Coker realisiert. 

Okkulte Banker: The Black Monday Murders

© 2017 Jonathan Hickman

Okkulte Banker: The Black Monday Murders

© 2017 Jonathan Hickman

Okkulte Banker: The Black Monday Murders

© 2017 Jonathan Hickman

Im ersten englischsprachigen Sammelband „All hail, God Mammon“, der vor Kurzem bei Image in gedruckter und digitaler Form erschienen ist, erfahren wir die volle Wahrheit über die Finanzwelt. Darüber, dass es auf der ganzen Welt mehrere große Familien gibt, die für bestimmte Arten des Bankwesens stehen und alles beherrschen. Außerdem sind sie teilweise mit höheren Mächten aus einer anderen Dimension verbunden.

Opfergaben an fremde Götter

Verzweifelte Broker, die bei einem Börsencrash aus den Fenstern springen, weil sie sich verzockt haben und die Konsequenzen angeblich nicht ertragen können? Das sind keine Selbstmörder, sondern Opfergaben an fremde Götter, mit denen die Anführer der Finanzwelt im Bunde sind! Und das ist nur eine der Enthüllungen in Bezug auf die skrupellosen Familienunternehmen, die den Fluss des Geldes und der Aktien kontrollieren und untereinander einer alten Hierarchie und diversen genauso alten Fehden und Bündnissen unterworfen sind. Der New Yorker Detective Theo Dumas, der auf das übernatürliche Voodoo-Erbe seiner Vorfahren vertraut und genug okkulte Bücher gelesen hat, ist von Anfang an klar, dass er es mit einigen ausgesprochen mächtigen und bösen Menschen zu tun hat, als er in einem Ritualmord im Umfeld der amerikanisch-russischen Bankenallianz und der Wall Street ermittelt ...

Jonathan Hickman neigt zu komplizierten Geschichten, doch wenn man sich auf „The Black Monday Murders“ einlässt und akzeptiert, dass die Erklärungen scheibchenweise kommen und sich im Verlauf der 240 Seiten des ersten Bandes alles zusammenfügt, kann man der anspruchsvollen und ambitionierten Story für Hickman-Verhältnisse erstaunlich gut folgen. Zumal Hickman mit Tom Coker ein richtig guter Zeichner zur Seite steht, der davor u. a. „Wolverine – 5 Ronin“, Daredevil Noir“ sowie die Vampir-Comics „Blood & Water“ und „Undying Love“ in Szene gesetzt hat, wenn er sich nicht gerade als Filmemacher austobt.

Verrufenes Finanzwesen und fremdartige finstere Wesen

Cokers Seitenaufteilung und Leserführung sind perfekt, während sein düsterer Strich alle Nuancen der Geschichte und ihrer Protagonisten einfängt. Kolorist Michael Garland und Letterer Rus Wooton machen in Sachen Farben und Textplatzierung beide ebenfalls einen erstklassigen Job und holen im Verbund mit Cokers Artwork das Beste aus der Geschichte über die mörderischen Dämonenbanker heraus. Zusammen weben die Kreativen eine dichte Geschichte, die das verrufene Finanzwesen mit fremdartigen finsteren Wesen und Mächten kombiniert.

Zugegeben, die Symbole der eigens erschaffenen Sprache einer anderen Dimension sind wieder einmal zu viel des Guten, und das ausladende Rahmendesign des ersten Tradepaperbacks treibt die Seitenzahl unnötig nach oben, während zumindest die Verhör-Protokolle in Prosa die Story definitiv bereichern und voranbringen. Andererseits ist es durchaus legitim, einen Comic als durchdesigntes Gesamtkunstwerk zu sehen und anzulegen, der aus mehr besteht als den fertigen Zeichnungen und den Worten in den Textkästen und Sprechblasen. Wer weiß das besser als Hickman, der aus der Design-Ecke stammt?

Das Ende des faszinierenden, atmosphärischen Einstandes von „The Black Monday Murders“ zwischen Horror und Krimi hat in seiner Wucht und Kompromisslosigkeit dann schließlich etwas von einem Schockmoment der Marke „Game of Thrones“ – mal sehen, wie Hickman und Coker da anknüpfen wollen im zweiten Band. Das Geld dieses Anlegers hier ist ihnen jedenfalls sicher!

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