Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner

© Disney / Marvel

KOLUMNE

Die Hugo Awards 2013: Das waren die Gewinner


Die Buchreihe „Die Hugo Awards 2001–2017” gibt einen Überblick über die wichtigsten Gewinner der berühmten Hugo Awards. Welche Preisträger gab es 2013?  

Die Verleihung der Hugo Awards fand 2013 auf der LoneStarCon 3 in San Antonio statt.

Toastmaster: Paul Cornell

Novel

John Scalzi: Redshirts: A Novel with Three Codas

(2012 bei Tor; dt. Redshirts, H 52995)

Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner

Mit dem Begriff »Redshirts« dürften die meisten SF-Fans vertraut sein, zumindest jedoch alle STAR TREK-Fans. Gemeint sind jene Figuren in den alten STAR TREK-Folgen mit Captain Kirk, die das Landeteam als Sicherheitskräfte begleiten und deshalb ein rotes Uniformhemd tragen. Hat man ein Gesicht in früheren Folgen noch nie gesehen, so kann man davon ausgehen, dass dieses Crewmitglied den Außeneinsatz nicht überlebt, womit die Drehbuchautoren die Gefährlichkeit der Mission hervorheben wollten. Und genau diesen Umstand machte John Scalzi zur Grundidee seines Romans.

Die Handlung beginnt an Bord der Intrepid, des Flaggschiffs der Universalen Union, das im Jahr 2353 erbaut wurde und seit 2462 unter dem Kommando von Captain Lucius Abernathy steht. Hauptfigur der Handlung ist jedoch Fähnrich Andy Dahl, der zusammen mit vier weiteren neuen Crewmitgliedern an Bord kommt. Dahl ist Spezialist für außerirdische Religionen und Xenobiologie. Anfangs ist er sehr begeistert von seiner neuen Tätigkeit, findet aber bald heraus, dass seine Mannschaftskameraden unter Ängsten leiden. Es stellt sich nämlich heraus, dass bei Außenmissionen auf anderen Planeten immer wieder Mannschaftsmitglieder sterben, wobei die Ursachen dafür sehr vielfältig sind. Seltsamerweise stößt den Kommandooffizieren, die die Außenmissionen leiten, nie etwas zu, sondern immer nur den mitgenommenen Spezialisten oder Sicherheitsleuten. Und so versucht sich jeder um eine Außenmission zu drücken. Auch sonst ereignen sich einige Ungereimtheiten, für die Dahl keine Erklärung hat. So weiß er manchmal während eines Einsatzes plötzlich Dinge, die er gar nicht wissen dürfte, verletzte Crewmitglieder genesen mit erstaunlicher Geschwindigkeit, und jegliche Rettung aus größter Not passiert immer in der allerletzten Sekunde.

Als Dahl auf Jenkins trifft, der sich in den Transporttunneln der Intrepid versteckt hält, erzählt der ihm von einer völlig verrückten Theorie. Jenkins behauptet, dass ihre Realität und Zeitlinie regelmäßig von schlecht geschriebenen Drehbüchern einer Fernsehserie aus der Vergangenheit beeinflusst wird. Dies sei der Grund dafür, dass die Brückenoffiziere offenbar unverwundbar sind, mittels mysteriöser Technologien immer in letzter Sekunde Problemlösungen gefunden werden und scheinbar unwichtige Mannschaftsmitglieder so leicht sterben.

Die beiden sehen nur eine Lösung des Problems: Sie müssen in die Vergangenheit und in eine andere Zeitlinie reisen, um die Drehbuchautoren an ihrer Arbeit zu hindern. Was ab dieser Stelle geschieht, soll hier nicht verraten werden. Nur so viel: Die Zeitreise gelingt, und Scalzi erzählt eine so aberwitzige, originelle Geschichte, dass man Redshirts durchaus als einen der intelligentesten und amüsantesten SF-Romane der letzten Jahre bezeichnen kann, den man getrost auch Lesern empfehlen kann, die sonst einen Bogen um Science Fiction machen.

Ein witziges Detail am Rande: Das englischsprachige Hörbuch wird von Wil Wheaton gelesen, dem Darsteller des Wesley Crusher aus der Fernsehserie STAR TREK – DAS NÄCHSTE JAHRHUNDERT.

John Scalzi gewann mit Redshirts bereits den dritten Hugo (siehe 2008 und 2009) und obendrein einen Locus Award.

Weitere Nominierungen:

Lois McMaster Bujold: Captain Vorpatril’s Alliance

(2012 bei Baen; nicht auf Deutsch)

Kim Stanley Robinson: 2312

(2012 bei Orbit; dt. 2312, H 31435)

Saladin Ahmed: Throne of the Crescent Moon

(2012 bei DAW; dt. Das Schwert der Dämmerung, Heyne)

Mira Grant: Blackout

(2012 bei Orbit; dt. Blackout – Kein Entrinnen, Egmont LYX)

Novella

Brandon Sanderson: The Emperor’s Soul

(2012 bei Tachyon Publications; dt. »Die Seele des Königs« in Sanderson: Die Seele des Königs, H 31524)

Die Fälscherin Shai hat das wertvolle Gemälde »Mondzepter« neu erschaffen und in der kaiserlichen Galerie gegen das Original ausgetauscht. Dabei wurde sie erwischt und ergriffen, woraufhin die obersten Schlichter sie zunächst in eine fälschersichere Zelle sperren und zum Tode verurteilen wollen. Doch als Shai den Schlichtern vorgeführt wird, merkt sie schnell, dass diese eine bestimmte Absicht mit ihr verfolgen. Sie erfährt, dass auf Kaiser Ashravan von den Achtzig Sonnen – den neunundvierzigsten Herrscher im Reich der Rose – ein Attentat verübt wurde, bei dem der Kaiser und seine Gemahlin zu Tode gekommen sind. Die Blutfälscher am Hof konnten den Körper des Kaisers wiederherstellen, doch sein Geist ist leer. Shai wird eine Begnadigung versprochen, wenn sie es schafft, einen Seelenstempel herzustellen, der dem Kaiser seine Seele und Persönlichkeit zurückgibt. Für diese Aufgabe hat sie hundert Tage Zeit, denn nur so lange kann man die Legende aufrechterhalten, dass der Kaiser verletzt wurde und um seine Frau trauert. Die Schlichter Frava und Gaotona überwachen die Arbeiten Shais.

Das Anfertigen der Seelenstempel ist eine magische Kunstfertigkeit, die nur wenige beherrschen. Mit einem Seelenstempel kann man nicht nur die Wesenszüge eines Menschen verändern, sondern auch Gegenstände. So schafft sich Shai in ihrer Zelle eine schönere Umgebung und plant ihre Flucht, denn sie ahnt, dass sie nach der hoffentlich erfolgreichen Wiederherstellung des Kaisers ermordet werden soll. Dieser Plan umfasst auch, dass sie ihre eigene Seele und Persönlichkeit verändert.

Mit diesem Kurzroman, der lose mit anderen Werken des Mormonen Brandon Sanderson (*1975) im Zusammenhang steht, hat sich der Autor ein sehr originelles Magiekonzept ausgedacht. Zu den Seelenstempeln wurde er durch sehr kunstvolle chinesische Stempel in einer Ausstellung zur chinesischen Geschichte in Taiwan inspiriert.

Sandersons Werk umfasst mehr als zwei Dutzend Romane und vier Erzählungsbände. Besonders erfolgreich war die MISTBORN-Serie (bisher neun Bücher). Nach dem Tod von Robert Jordan setzte er dessen Bestsellerserie DAS RAD DER ZEIT mit den Bänden 12 bis 14 fort.

Weitere Nominierungen:

Nancy Kress: After the Fall, Before the Fall, During the Fall

(2012 bei Tachyon Publications; nicht auf Deutsch)

Jay Lake: »The Stars Do Not Lie«

(Oktober/November 2012 in ASIMOV’S; nicht auf Deutsch)

Aliette de Bodard: On a Red Station, Drifting

(2012 bei Immersion Press; nicht auf Deutsch)

Mira Grant: San Diego 2014: The Last Stand of the California Browncoats

(2012 bei Orbit; nicht auf Deutsch)

Novelette

Pat Cadigan: »The Girl-Thing Who Went Out for Sushi«

(2012 in Strahan [Hrsg.]: Edge of Infinity, Solaris; nicht auf Deutsch)

Die Autorin führt uns in dieser Erzählung in den Orbit des Jupiter, wo Arbeiter beschäftigt sind, die körperlich verändert wurden. Sie haben nicht die gewohnte menschliche Gestalt, sondern sehen aus wie Tintenfische oder andere Meerestiere, deren Körper für ein Leben in der Schwerelosigkeit optimiert wurde. Der Titel der Geschichte entspringt dem Slang der Arbeiter, die sich selbst als »Sushi« bezeichnen, der Jupiter zum Beispiel wird meist nur »Big J« genannt. Erzählerin der Geschichte ist Arkae, die noch zur ersten Sushi-Generation zählt. Zu ihrer Mannschaft gehört nur ein Mensch, nämlich das im Titel erwähnte »Mädchen-Ding« namens Fry, die sich dafür entscheidet, auch »Sushi zu werden«, um weiter im Jupiterorbit bleiben zu können. Arkae allerdings hat Zweifel, ob die Umwandlungsprozedur eine gute Idee ist, denn eine Rückumwandlung ist nicht möglich.

Die Autorin hat durch die verwendete Slang-Sprache eine glaubhafte Subkultur der »Sushis« erschaffen und thematisiert auch die Klassenunterschiede zwischen echten Menschen und Sushis, die zunehmend als minderwertig betrachtet werden.

Die US-Amerikanerin Pat Cadigan (*1953) debütierte 1977 mit ihrer ersten Kurzgeschichte und veröffentlichte seither rund hundert Erzählungen und ein knappes Dutzend Romane. Mit dem Erscheinen ihres ersten Romans Mindplayers (1987 bei Bantam Spectra; dt. Bewußtseinsspiele) wurde sie hauptberufliche Schriftstellerin. Ein großer Teil ihres Werkes ist dem Cyberpunk zuzurechnen. Ein weiterer wichtiger Roman ist Synners (1991 bei Bantam Spectra; dt. Synder), für den sie den Arthur C. Clarke Award gewann.

Cadigan war fünfmal für den Hugo nominiert und hat ihn 2013 erstmals gewonnen.

Weitere Nominierungen:

Seanan McGuire: »In Sea-Salt Tears«

(Eigenverlag, freier Download auf der Autorenwebsite; nicht auf Deutsch)

Catherynne M. Valente: »Fade To White«

(August 2012 in CLARKESWORLD; nicht auf Deutsch)

Seanan McGuire: »Rat-Catcher«

(2012 in Kuznia [Hrsg.]: A Fantasy Medley 2, Subterranean; nicht auf Deutsch)

Thomas Olde Heuvelt: »The Boy Who Cast No Shadow«

(2012 in Crowther/Gevers [Hrsg.]: Postscripts: Unfit For Eden, PS Publications; nicht auf Deutsch)

Short Story

Ken Liu: »Mono no Aware«

(2012 in Mamatas & Washington [Hrsg.]: The Future is Japanese, Haikasoru; nicht auf Deutsch)

Der Erzähler dieser Geschichte heißt Hiroto Shimizu, und die Handlung spielt in dem Generationenraumschiff Hopeful, das mit 1021 Passagieren rund dreihundert Jahre zum Stern 61 Virginis unterwegs ist. Eine Aufgabe von Hiroto ist es, den Kindern an Bord des von US-Amerikanern gebauten Schiffs etwas über die anderen Völker der Erde beizubringen, im Speziellen über seine eigene Heimat Japan. Hiroto lebt mit der Sängerin Mindy zusammen, die sehr an der japanischen Sprache und Denkweise interessiert ist. In zahlreichen Rückblenden erfahren wir, warum das Schiff gebaut wurde und was vor dem Start auf der Erde geschehen ist. Ein kosmisches Objekt, das als »Hammer« bezeichnet wird, bewegte sich auf einem Kollisionskurs auf die Erde zu. Es verblieb noch genug Zeit, um Evakuierungsschiffe zu bauen, doch dabei ging vieles schief. Das erste US-amerikanische Schiff explodierte beim Testflug. Es kam zu Panik und Unruhen und großer Sorge um die Ressourcen zum Raumschiffbau.

Hiroto lebte als Kind mit seinen Eltern in Japan. Als ein durch die USA initiierter Krieg auszubrechen drohte, erfuhren die Eltern, dass der mit ihnen befreundete US-Amerikaner Dr. Hamilton in einem Geheimprojekt ein Raumschiff gebaut hat, das offenbar zur Evakuierung geeignet ist. Doch nur ein Passagierplatz stand noch zur Verfügung, und so musste der kleine Hiroto ohne seine Eltern die Erde verlassen. Dr. Hamilton wurde zu einer Art Vaterersatz für den Jungen.

Am Ende der Geschichte setzt Hiroto freiwillig sein Leben bei einer Außenbordmission an der Hopeful aufs Spiel und denkt während dieser Mission über seine Eltern, seine Freunde, seine Herkunft und den Begriff »Held« nach.

Die Besonderheit dieser Erzählung ist der kulturelle Hintergrund der Hauptfigur. In fast jeder Szene wird klar, dass die Denkweise der Japaner sehr anders als die der US-Amerikaner ist. Um das zu unterstreichen, lässt der Autor Hirotos Vater mehrfach aus japanischer Literatur zitieren, u. a. Haikus von Basho. So bezieht sich auch der Titel »Mono no Aware« auf ein ästhetisches Prinzip, das seinen Ursprung im Japan des 18. Jahrhunderts hat. Es bedeutet so viel wie »Das Pathos der Dinge« oder »Das Herzzerreißende der Dinge« und bezeichnet ein Gefühl von Traurigkeit in Bezug auf die Vergänglichkeit. Ken Liu bezieht dies in seiner Erzählung nicht nur auf den Untergang der Erde.

Ken Liu erhielt für »Mono no Aware« bereits seinen zweiten Hugo in Folge (siehe 2012).

Weitere Nominierungen:

Aliette de Bodard: »Immersion«

(Juni 2012 in CLARKESWORLD; nicht auf Deutsch)

Kij Johnson: »Mantis Wives«

(August 2012 in CLARKESWORLD; nicht auf Deutsch)

Related Work

Brandon Sanderson, Dan Wells, Mary Robinette Kowal, Howard Tayler und Jordan Sanderson: WRITING EXCUSES, Season Seven

Bei WRITING EXCUSES handelt es sich um einen seit 2008 existierenden wöchentlichen Podcast, in dem die Moderatoren und deren Gäste die Techniken des Schreibens von Genreliteratur vorstellen. Die einzelnen Folgen haben eine Länge von rund 15 bis 20 Minuten und beschäftigen sich jeweils mit einem Aspekt des Schreibens. Die mit dem Hugo ausgezeichnete siebente Staffel besteht aus 54 Folgen, unter anderem mit den Themen: Wenn gute Figuren böse werden, Worldbuilding, Fauna und Flora, Besonderheiten historischer Fantasy, Probleme beim Erfinden von Zeitreisegeschichten, Astronomie für SF-Autoren und vielem mehr. Die Moderatoren geben dabei nicht nur Tipps und Hinweise für Schreibanfänger, auch gestandene Autoren werden die eine oder andere Idee und Anregung finden. Auf der Internetseite www.writingexcuses.com kann man sämtliche seit 2008 produzierten Folgen anhören und auch herunterladen.

Weitere Nominierungen:

Deborah Stanish & L. M. Myles (Hrsg.): Chicks Unravel Time: Women Journey Through Every Season of Doctor Who

(2012 bei Mad Norwegian Press; nicht auf Deutsch)

Lynne M. Thomas & Sigrid Ellis (Hrsg.): Chicks Dig Comics: A Celebration of Comic Books by the Women Who Love Them

(2012 bei Mad Norwegian Press; nicht auf Deutsch)

Edward James & Farah Mendlesohn (Hrsg.): The Cambridge Companion to Fantasy Literature

(2012 bei Cambridge University Press; nicht auf Deutsch)

Martin H. Greenberg & John Helfers: I Have an Idea for a Book … The Bibliography of Martin H. Greenberg

(2012 bei The Battered Silicon Dispatch Box; nicht auf Deutsch)

Graphic Story

SAGA, Volume One

(Text Brian K. Vaughan, Zeichnungen Fiona Staples; Image Comics; dt. Saga Eins, Cross Cult)

SAGA ist eine US-amerikanische Comic-Serie, die seit März 2012 erscheint. Im Mittelpunkt der Handlung steht das Liebespaar Alana und Marko, die gleich auf den ersten Seiten der Geschichte Eltern werden und mit ihrer neugeborenen Tochter Hazel auf der Flucht vor den Häschern ihrer jeweiligen Heimat sind. Dabei verbindet die Handlung Space Opera- und Fantasy-Elemente miteinander. Die beiden Schöpfer der Serie haben SAGA als »STAR WARS trifft auf GAME OF THRONES« beschrieben. Doch eigentlich ist die hervorragend gezeichnete Geschichte weit mehr als das, denn neben einem surrealistischen Hintergrund gibt es auch zahlreiche politische Untertöne mit aktuellen Bezügen. Die Serie kommt nicht nur bei Lesern gut an, auch Kritiker zeigen sich durchweg begeistert. Bis 2017 war SAGA in jedem Jahr für den Hugo nominiert und hat zahllose andere Preise gewonnen, darunter zwölf Eisner Awards und einen British Fantasy Award.

Weitere Nominierungen:

LOCKE & KEY, Volume 5: Clockworks

(Text Joe Hill, Zeichnungen Gabriel Rodriguez; IDW; dt. Locke & Key: Uhrwerke, Panini)

SCHLOCK MERCENARY: Random Access Memorabilia

(Text und Zeichnungen Howard Tayler, Farbe Travis Walton; Hypernode Media)

SAUCER COUNTRY, Volume 1: Run

(Text Paul Cornell, Zeichnungen Ryan Kelly, Jimmy Broxton & Goran Sudžuka; Vertigo)

GRANDVILLE: Bête Noire

(Text und Zeichnungen Bryan Talbot; Dark Horse Comics, Jonathan Cape; dt. Grandville: De Luxe, Schreiber & Leser)

Dramatic Presentation, Long Form

The Avengers

(Marvel Studios, Disney, Paramount; Drehbuch und Regie Joss Whedon; dt. Marvel’s The Avengers)

Die Avengers sind das mächtigste Superheldenteam der Welt, zumindest behauptet das die Redaktion der Marvel-Comics. Bei seiner Gründung im Jahr 1963 bestand es aus Thor, Iron Man (damals noch gelb und klobig), Ant-Man, Wasp und Hulk und verbündete sich, um den bösen Asen Loki, Thors Bruder, niederzuringen. Hulk verließ das Team schnell, Captain America kam hinzu, und im Laufe der Jahrzehnte gehörten fast alle Marvel-Superhelden irgendwann einmal zu den Avengers.

Nachdem ab 2008 die Marvel-Filme über Hulk, Iron Man, Thor und Captain America im Kino überaus erfolgreich waren, war es an der Zeit, das berühmte Team in den Kampf zu schicken. Und als Regisseur wurde kein Geringerer als Joss Whedon angeheuert, der die Zuschauer bereits mit Fernsehserien wie Buffy, Angel und Firefly erfreut hatte. Ihm gelang der schwierige Balanceakt, eine Geschichte zu inszenieren, die sowohl die Kenner der berühmten Comics als auch ein bei Superheldencomics unbedarftes Publikum begeistert.

In der Geschichte des Films geht es um den Tesserakt, einen aus Asgard stammenden Würfel, der als unerschöpfliche Energiequelle genutzt werden soll, aber gleichzeitig als interdimensionaler Portalöffner dienen kann, mit dem eine außerirdische Macht die Erde erobern will. Als der Tesserakt verloren geht, heuert Nick Fury, der Leiter der Organisation S. H. I. E. L. D., einige Superhelden an, um ihn wiederzubeschaffen. Durch eine raffinierte Intrige gelingt es dem Bösewicht Loki schließlich tatsächlich, ein Portal zu öffnen, durch das die Außerirdischen die Erde (hier im Speziellen New York) angreifen. Nur durch gemeinsames Handeln von Captain America, Iron Man, Thor, Hulk, Black Widow und Hawkeye kann die Invasion abgewendet werden.

Betrachtet man The Avengers als reine Science Fiction, so erscheint die Handlung mehr als lächerlich, denn fast jedes Handlungselement widerspricht den Naturgesetzen oder wirkt durch die bunten Kostüme und märchenhaften Superkräfte operettenhaft überzeichnet. Andererseits handelt es sich bei derartigen Superheldengeschichten um eine Art Mythologie des 20. Jahrhunderts, die in der US-amerikanischen Kultur tief verwurzelt ist. Nicht von ungefähr spielen hervorragende Schauspieler und Oscar-Preisträger wie Samuel L. Jackson, Robert Downey Jr., Scarlett Johansson, Tom Hiddleston oder Gwyneth Paltrow sogar in Nebenrollen mit.

Spätestens durch The Avengers ist es den Produzenten gelungen, das Marvel Cinematic Universe zu einer profitträchtigen festen Größe in der internationalen Kinolandschaft werden zu lassen.

Weitere Nominierungen:

The Hobbit: An Unexpected Journey

(WingNut Films, New Line Cinema, MGM, Warner Bros; Drehbuch Fran Walsh, Philippa Boyens, Peter Jackson & Guillermo del Toro, Regie Peter Jackson; nach dem Roman von J. R. R. Tolkien; dt. Der Hobbit: Eine unerwartete Reise)

The Hunger Games

(Lionsgate, Color Force; Drehbuch Gary Ross & Suzanne Collins, Regie Gary Ross; nach dem gleichnamigen Roman von Suzanne Collins; dt. Die Tribute von Panem – The Hunger Games)

Looper

(FilmDistrict, EndGame Entertainment; Drehbuch und Regie Rian Johnson; dt. Looper)

The Cabin in the Woods

(Mutant Enemy, Lionsgate; Drehbuch Drew Goddard & Joss Whedon; Regie Drew Goddard; dt. The Cabin in the Woods)

Dramatic Presentation, Short Form

GAME OF THRONES: »Blackwater«

(HBO; Drehbuch George R. R. Martin, Regie Neil Marshall. Created by David Benioff & D. B. Weiss; dt. »Schwarzwasser«)

»Schwarzwasser« ist die neunte und damit vorletzte Folge der zweiten Staffel der Serie GAME OF THRONES, mit der der zweite Roman von DAS LIED VON EIS UND FEUER von George R. R. Martin verfilmt wurde. Erzählt wird am dramatischen Höhepunkt dieser Staffel von der Schlacht am Schwarzwasser, mit der der Krieg um den Eisernen Thron von Westeros einen neuen Höhepunkt erreicht. Dabei ist die Geschichte so bildgewaltig, dass sie so manchen Kinofilm übertrifft und neue Standards für Fernsehproduktionen setzt.

Weitere Nominierungen:

DOCTOR WHO: »The Angels Take Manhattan«

(BBC; Drehbuch Steven Moffat, Regie Nick Hurran; dt. »Die Macht des Wortes«)

DOCTOR WHO: »Asylum of the Daleks«

(BBC; Drehbuch Steven Moffat; Regie Nick Hurran; dt. »Der Dalek in dir«)

DOCTOR WHO: »The Snowmen«

(BBC; Drehbuch Steven Moffat; Regie Saul Metzstein; dt. »Die Schneemänner«)

FRINGE: »Letters of Transit«

(Fox; Drehbuch J. J. Abrams, Alex Kurtzman, Roberto Orci, Akiva Goldsman, J. H. Wyman & Jeff Pinkner; Regie Joe Chappelle; dt. »2036«)

Editor, Long Form

Patrick Nielsen Hayden

Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner
Die Hugo Awards - Das waren die Gewinner

Der dritte Hugo für Patrick Nielsen Hayden ist gleichzeitig ein weiterer für Tor Books. Der Verlag veröffentlichte 2012 fast wöchentlich neue Erzählungen auf TOR.COM, über 200 Bücher und rund 140 E-Books. Einer der Höhepunkte war John Scalzis Hugo-Gewinner Redshirts, aber unter dem unglaublich großen Ausstoß waren natürlich viele interessante Titel, wie zum Beispiel Existence von David Brin, The Fractal Prince von Hannu Rajaniemi, The Weird: A Compendium of Strange and Dark Stories, herausgegeben von Jeff und Ann VanderMeer, sowie zahlreiche Neuausgaben älterer Titel. Unter den E-Books waren ebenfalls nicht nur Neuerscheinungen, zum Beispiel wurde der Stahlratte-Zyklus von Harry Harrison erstmals für elektronische Reader zugänglich gemacht.

Weitere Nominierungen:

Toni Weisskopf | Sheila Gilbert | Lou Anders | Liz Gorinsky

Editor, Short Form

Stanley Schmidt

Seit 1980 war Stanley Schmidt 32-mal als Herausgeber für den Hugo nominiert, 2013 hat er ihn dann endlich bekommen.

Stanley Schmidt (*1944) hat 1978 die Herausgeberschaft des Magazins ANALOG von Ben Bova übernommen und 35 Jahre lang eines der dienstältesten SF-Magazine verantwortet. Anfang 2013 übergab der inzwischen 69-Jährige das Magazin an seinen Nachfolger Trevor Quachri, was mit Sicherheit der Grund dafür ist, dass er endlich den Hugo erhalten hat. Während Schmidts Tätigkeitszeitraum wurden rund 100 Erzählungen aus ANALOG für einen Hugo nominiert, und zwanzig davon haben ihn auch gewonnen – eine Bilanz, auf die Schmidt stolz sein kann.

ANALOG SCIENCE FICTION AND FACT, das bei seiner Gründung im Jahr 1930 noch ASTOUNDING STORIES OF SUPER-SCIENCE hieß, war in den 1940er-Jahren unter der Herausgeberschaft von John W. Campbell jr. das wichtigste SF-Magazin auf dem Markt, verlor jedoch in späteren Jahrzehnten an Bedeutung. Bis heute ist ANALOG das Magazin, das sich am stärksten auf wissenschaftlich-technische Science Fiction spezialisiert hat.

Im Jahr 2012 brachte Schmidt den Roman Triggers von Robert J. Sawyer in vier Teilen sowie Erzählungen von Autoren wie Jack McDevitt, Michael F. Flynn, Stephen Baxter, Kevin J. Anderson, Jerry Oltion, Ben Bova, Harry Turtledove, Linda Nagata und Larry Niven sowie die feste Rubrik »Science Fact« mit wechselnden Autoren heraus.

Weitere Nominierungen:

Sheila Williams | John Joseph Adams | Neil Clarke | Jonathan Strahan

Professional Artist

John Picacio

Picacio hat seinen zweiten Hugo (siehe 2012) vor allem seinen ausdrucksstarken Titelbildern zu verdanken. 2012 erschienen Titelbilder zu Hyperion und The Fall of Hyperion von Dan Simmons, Destroyer of Worlds von Mark Chadbourn, Be My Enemy von Ian McDonald, The Creative Fire von Brenda Cooper und andere.

Weitere Nominierungen:

Dan Dos Santos | Julie Dillon | Chris McGrath | Vincent Chong

Semiprozine

CLARKESWORLD (Neil Clarke, Jason Heller, Sean Wallace, Kate Baker)

Bereits zum dritten Mal gewann CLARKESWORLD den Hugo. Der Herausgeber Neil Clarke wurde von einem ganzen Team unterstützt, das namentlich bei der Verleihung genannt wurde.

2012 gab es in jeder der zwölf Ausgaben drei Erzählungen von Autoren wie Aliette de Bodard, Robert Reed, Kij Johnson, Catherynne M. Valente und vielen anderen, jeweils zwei bis drei Sachartikel sowie Interviews mit Robert Jackson Bennett, Michael J. Sullivan, Nancy Kress, China Miéville, Paul G. Tremblay und Nick Mamatas, John Varley, Todd Lockwood und anderen.

Ganze drei Erzählungen aus CLARKESWORLD waren auch für den Hugo nominiert, nämlich »Immersion« von Aliette de Bodard (Juni 2012), »Mantis Wives« von Kij Johnson (August 2012) und »Fade To White« von Catherynne M. Valente (August 2012).

Seit Anfang 2012 gibt es auch eine Printausgabe von CLARKESWORLD, im ersten Jahr erschienen neun Ausgaben mit einem Umfang zwischen 50 und 80 Seiten.

Weitere Nominierungen:

LIGHTSPEED (John Joseph Adams & Stefan Rudnicki)
STRANGE HORIZONS (Niall Harrison, Jed Hartman, Brit Mandelo, An Owomoyela, Julia Rios, Abigail Nussbaum, Sonya Taaffe, Dave Nagdeman, Rebecca Cross)
APEX MAGAZINE (Lynne M. Thomas, Jason Sizemore & Michael Damian Thomas)
BENEATH CEASELESS SKIES (Scott H. Andrews)

Fanzine

SF SIGNAL (John DeNardo, JP Frantz, Patrick Hester)

Bereits zum zweiten Mal in Folge erhielt SF SIGNAL den Hugo (siehe 2012). Die Internetseite wuchs stetig, und es gab inzwischen obendrein drei Podcasts, die auf der Seite erschienen: SF SIGNAL PODCAST, SF CROSSING THE GULF und THE THREE HOARSEMEN. Während SF SIGNAL 2013 den Hugo gewann, erreichte der SF SIGNAL PODCAST in der Kategorie ›Fancast‹ immerhin den zweiten Platz.

Weitere Nominierungen:

THE DRINK TANK (Chris Garcia & James Bacon)
JOURNEY PLANET (James Bacon, Chris Garcia, Emma J. King, Helen J. Montgomery & Pete Young)
BANANA WINGS (Claire Brialey & Mark Plummer)
ELITIST BOOK REVIEWS (Steven Diamond)

Fancast

SF SQUEECAST (Elizabeth Bear, Paul Cornell, Seanan McGuire, Lynne M. Thomas, Catherynne M. Valente [Presenters] and David McHone-Chase [Technical Producer])

Der SF SQUEECAST gewann 2013 den zweiten Hugo in Folge (siehe 2012). Im für den Hugo relevanten Zeitraum erschienen die Episoden 8 bis 19 mit einer Länge von jeweils 50 bis 90 Minuten, worin die Sprecher abwechselnd neue und auch ältere Werke der SF und Fantasy vorstellen und besprechen.

Der Podcast wurde übrigens (vorerst) im November 2015 mit Episode 39 eingestellt. Alle Folgen sind auf sfsqueecast.com kostenfrei abrufbar.

Weitere Nominierungen:

SF SIGNAL PODCAST (Patrick Hester, John DeNardo & JP Frantz)
STARSHIPSOFA (Tony C. Smith)
THE COODE STREET PODCAST (Jonathan Strahan & Gary K. Wolfe)
GALACTIC SUBURBIA PODCAST (Alisa Krasnostein, Alexandra Pierce, Tansy Rayner Roberts [Presenters] & Andrew Finch [Producer])

Fan Writer

Tansy Rayner Roberts

Die Australierin Tansy Rayner Roberts (*1978) debütierte als Autorin mit dem Roman Splashdance Silver (1998 bei Bantam Books Australia) und gewann damit den George Turner Prize, der für australische SF verliehen wird. Seither schrieb sie ein halbes Dutzend weiterer Romane, rund dreißig Kurzgeschichten und gab Anthologien und Magazine heraus. Sie hat achtmal den australischen Ditmar Award sowie weitere Preise gewonnen. Den Hugo als ›Best Fan Writer‹ erhielt sie jedoch für ihre Tätigkeit als Moderatorin und Sprecherin der Podcasts VERITY! und GALACTIC SUBURBIA. VERITY! versteht sich selbst als feministischer Podcast, der sich der Serie DOCTOR WHO widmet. GALACTIC SUBURBIA dagegen ist ein Podcast, der sich mit allen möglichen aktuellen Themen wie Science Fiction, Fantasy, feministischer Geschichte, Cyberpunk, Steampunk, der Zukunft, dem Internet, Conventions und so weiter beschäftigt. Vor allem aber betreibt Roberts ihr Blog tansyrr.com, auf dem sie viel kommentiert und nicht nur ihrer Bücherleidenschaft, sondern auch ihrer Begeisterung für Fernsehserien frönt.

Weitere Nominierungen:

Steven H Silver | Christopher J. Garcia | Mark Oshiro | James Bacon

Fan Artist

Galen Dara

Galen Dara hat gleich bei ihrer ersten Nominierung den Hugo gewonnen. Sie hat Bilder für diverse Magazine gemalt, darunter UNCANNY, APEX, FIRESIDE und LIGHTSPEED. Außerdem ist sie für mehrere Kleinverlage als Coverkünstlerin tätig. Durch diesen Erfolg und ihr großes künstlerisches Talent schaffte sie den Sprung ins Profilager. 2014 wurde sie als ›Professional Artist‹ sowohl für den Hugo als auch für den World Fantasy Award nominiert.

Weitere Nominierungen:

Brad W. Foster | Spring Schoenhuth | Maurine Starkey | Steve Stiles

John W. Campbell Award

Mur Lafferty

Die US-Amerikanerin Mur Lafferty (*1973) studierte an der University of North Carolina. Sie ist seit Langem in der Podcast-Szene tätig. Bis 2007 sprach sie den PSEUDOPOD, von 2010 bis 2012 war sie Herausgeberin und Sprecherin des Podcast ESCAPE POD und gründete den Podcast I SHOULD BE WRITING.

Als Autorin war sie schon sehr früh für White Wolf und andere Rollenspiel-Hersteller tätig und schrieb auch für Rollenspiel-Zeitschriften.

Ausschlaggebend für den Campbell Award war aber sicher ihre Kurzgeschichte »1963: The Argument Against Louis Pasteur« (2011 in The Thackery T. Lambshead Cabinet of Curiosities, Hrsg. von Ann & Jeff VanderMeer bei Harper Voyager). Seither hat sie rund zwanzig Erzählungen publiziert. 2014 erschien The Afterlife Series mit fünf zusammengehörigen Novellen.

Ihr neuester Roman heißt Six Wakes (2017 bei Orbit; dt. Das sechste Erwachen).

Weitere Nominierungen:

Stina Leicht | Chuck Wendig | Max Gladstone | Zen Cho

 

 

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Hardy Kettlitz hat in seinem Buch „Hugo Awards 2001-2017” (erschienen 2018 bei Golkonda) die Gewinner des berühmten Hugo Awards – einem der wichtigsten Science-Fiction-Preise der Welt – zusammengetragen und erklärt, warum die Preisträger zu Gewinnern wurden. Genau diesen Überblick über die Geschichte der Science Fiction möchten wir mit euch teilen. 

 

© 2018 by Hardy Kettlitz

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