(c) Simon Stålenhag

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Tales From The Loop: Ossian und die Bona-Werke (1/5)


"Tales from the Loop" ist der neue illustrierte Roman vom schwedischen Autor und Künstler Simon Stålenhag. Wir veröffentlichen in den nächsten Tagen fünf Episoden daraus. Heute Teil 1/5: "Ossian und die Bona-Werke".

Ossian und die Bona-Werke

Auf den Mälarinseln schienen die drei Bona-Kühltürme allgegenwärtig. Weit draußen auf den Äckern, in der kleinen Ortschaft Bona im Norden von Munsö, ragten sie in den Himmel empor. Ihre Funktion bestand darin, überschüssige Wärme aus dem Gravitron abzuleiten. Das Gravitron stellte das Herzstück des Loops dar und versorgte die gesamte Anlage mit Energie. Der mittlere Turm war 253 Meter hoch, und gemeinsam bildeten die Türme eine Landmarke, die im gesamten Mälardalen zu sehen war.

Jeden Tag um Punkt 18 Uhr ertönte ein Signal. Erst nahm man ein dumpfes Vibrieren im Boden wahr, dann folgten drei laute Hornstöße, und am Ende rollte ein langgezogenes Echo über die Landschaft hinweg. Das Geräusch hing mit der täglichen Wartung der insgesamt fünfzehn riesigen Tropfenabscheider zusammen. Mit der Zeit verankerte sich das Signal fest im Alltag der Bewohner Bonas, etwa so, wie früher die Kirchenglocken – sobald es erklang, wusste jeder, dass es Zeit für den Heimweg und fürs Abendessen war.

Im August 1991 hörte ich das Signal aus nächster Nähe. Eins dieser einmaligen Ereignisse im Leben. Ossian, der in Bona wohnte, hatte mich aus dem Hort mit dem Versprechen zu sich nach Hause gelockt, dass ich mit seinen Crash Dummies spielen dürfe. Das Ganze endete in Tränen.

Bona Werke

(c) Simon Stålenhag

In dem Moment, als wir bei Ossian zu Hause ankamen, versandete unsere neu gewonnene Freundschaft nämlich. Er wollte die besten Spielfiguren für sich selbst, und als dann noch sein großer Bruder Oliver nach Hause kam, hatte ich überhaupt nichts mehr zu melden. Ihre Mutter war unten in der Küche und machte uns etwas zu essen. Da ertönte plötzlich das Signal. Der Boden vibrierte, und mir wurde ganz mulmig zumute. Ossian und Oliver, die Helden der Stunde, erklärten, das Signal warne vor einer Kernschmelze im Gravitron, dann sperrten sie mich in den Kleiderschrank und sagten, ich solle am besten dort drinnen bleiben, denn gleich würde die Erde von einem riesigen Schwarzen Loch verschluckt. Anschließend stürmten sie in die Küche hinunter und vertilgten den ganzen Schwarzpudding ohne mich.

Als mein Vater mich abholen kam, schämte ich mich ein bisschen, aber gleichzeitig war ich erleichtert. Während der Heimfahrt versicherte er mir, die Erde werde keineswegs von einem Schwarzen Loch verschluckt. Trotzdem war in mir eine Angst aufgekeimt, und die nächsten Wochen war ich fest davon überzeugt, die Welt würde jeden Moment untergehen, vor allem kurz vor dem Abendessen.

Übersetzt von Stefan Pluschkat

Die Bände im Überblick

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Simon Stålenhag - Tales from the Loop

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